FC Luzern
Der neue Modus 2023/24 wirft seine Schatten voraus

FCL im Playoff? Polizei macht Worst-case-Planung

Die Kurzfristigkeit bei der Ansetzung von FCL-Heimspielen stellt die Luzerner Polizei vor eine zusätzliche Schwierigkeit. (Bild: Martin Meienberger/freshfocus)

Die Super League geht nächste Saison neue Wege. Der Meistertitel und die Plätze im internationalen Geschäft werden im Playoff-Modus ausgetragen. Wegen der möglichst kurzfristig anzusetzenden Hochrisikospiele eine Herausforderung für die Polizei. Ein Gespräch mit Christian Bertschi, dem Kommunikationsschef der Luzerner Polizei.

Der FC Luzern war für eine Aufstockung der Liga von zehn auf zwölf Mannschaften ab 2023/24, aber gegen die Einführung der Playoffs. Doch beides wurde von den 20 Ligavertretern gutgeheissen. Doch kurz danach lief die Politik Sturm. Luzerns SP-Kantonsrat David Roth fordert in einem Postulat, dass die Polizei keine Bewilligung für Spiele erteile, deren teilnehmende Mannschaften nicht mindestens zwei Wochen im Voraus bekannt seien (zentralplus berichtete).

Nun liegt der Ball bei der Liga. Diese ist grad mit zwei Grossprojekten ausgelastet. Zum einen mit der Umsetzung des neuen Modus unter Einbezug der Bewilligungsbehörden, zum andern mit einer Machbarkeitsstudie zur Einführung von personalisierten Tickets. Deshalb werden Matchbesucher – wenn überhaupt – frühestens ab 2024/25 beim Eintritt in ein Stadion neben einem Ticket noch einen Personalausweis bereithalten müssen (zentralplus berichtete).

Zeit, um mit Christian Bertschi, dem Kommunikationschef der Luzerner Polizei, über Bewilligungsverfahren von Fussballspielen in der Swissporarena zu reden.

zentralplus: Christian Bertschi, wie viele Wochen Vorlaufzeit braucht die Luzerner Polizei, um ein Heimspiel des FC Luzern bewilligen zu können?

Christian Bertschi: Grundsätzlich kriegt der FCL von uns eine Rahmenbewilligung für die ganze Vorrunde, der im Spielplan der Liga Rechnung getragen wird. Spezielle Spiele wie im Cup, im internationalen Geschäft oder in der Barrage benötigen hingegen eine separate Bewilligung.

zentralplus: Im Mai gab es eine Woche Vorlaufzeit zwischen dem letzten Meisterschaftsspiel und dem Barrage-Rückspiel in Luzern, im Cup wie in europäischen Wettbewerben ist diese länger. In den Playoffs ab nächster Saison kann es aber zu Hochrisikospielen kommen, die in wenigen Tagen bewilligt werden müssen. Schafft die Polizei das?

Bertschi: Je nach Spielpaarung stellen die Playoffs die Polizei vor eine grosse Herausforderung, vor allem im planerischen Bereich.

zentralplus: Das heisst?

Bertschi: Uns bleibt mit Blick auf die Rangliste nur eine Eventualplanung, ausgehend vom Worst-case-Szenario.

FCL-Heimspiele gegen den FC Zürich und den FC St. Gallen sind an einem Samstagabend nicht erlaubt: Christian Bertschi, Kommunikationschef der Luzerner Polizei. (Bild: zvg)

zentralplus: Aber was ist, wenn der FCL im Zuge der Playoffs ein Hochrisikospiel an einem Samstagabend austragen sollte? Da sträubt sich die Luzerner Polizei in aller Regel dagegen.

Bertschi: Ja, da sind wir sehr zurückhaltend. Matches gegen Basel, St. Gallen, Zürich oder GC stufen wir in Luzern als Hochrisikospiele ein.

zentralplus: Und warum kommen FCL-Heimspiele gegen diese vier Gegner an einem Samstagabend nicht in Frage?

Bertschi: Am Samstagabend sind lediglich Partien gegen St. Gallen und Zürich nicht erlaubt. Gegen Basel und GC darf am Samstagabend gespielt werden. Hochrisikospiele gegen jeden von diesen vier Klubs sind am Samstagnachmittag nicht erlaubt, da dann jeweils zahlreiche Leute in der Innenstadt sind und ein grosses Verkehrsaufkommen herrscht.

zentralplus: Also müsste die Luzerner Polizei die Kröte schlucken, wenn die Liga dem FCL ein Playoff-Hochrisikospiel am Samstag beschert?

Bertschi: Nein, sofern dies in der Rahmenbewilligung bereits untersagt wird. Die Hoheit, Bewilligungen zu erteilen, liegt bei uns. Theoretisch wäre es möglich, dass wir einen Match nicht bewilligen. In der Praxis wollen wir aber eine Lösung mit der Liga und dem FC Luzern als Gastgeber suchen. Ich gehe davon aus, dass die Liga die Konferenz der kantonalen Polizeikommandanten einbezieht bei der Umsetzung des neuen Modus. Die Kurzfristigkeit bei der Ansetzung von FCL-Heimspielen stellt für uns eine zusätzliche Schwierigkeit dar.

«Im Moment wissen wir noch nicht, ob die Basel-Fans beim nächsten Spiel in Luzern mit einem Extrazug anreisen werden oder nicht.»

zentralplus: Kann die Polizei dem FCL nicht einfach eine Spielbewilligung erteilen ohne Anwesenheit der gegnerischen Fans?

Bertschi: Selbstverständlich können wir das. Aber die Frage ist, was wir damit auslösen. Die gegnerischen Fans könnten ja Tickets in anderen Sektoren der Swissporarena kaufen. Eine Durchmischung mit den einheimischen Anhängern wollen wir vermeiden. Mit dem «Good Hosting»-Konzept der Liga wissen wir, wo sich die gegnerischen Fans bei der Anreise befinden. Wenn sie sich aber selber organisieren, zuvor in der Stadt treffen und während des Spiels zwischen den FCL-Fans oder ausserhalb des Stadions sitzen, kann das unangenehmere Folgen haben.

zentralplus: Seit diesem Jahr bewilligt die Luzerner Polizei den Fanmarsch der Basler nicht mehr. Jetzt müssen alle gegnerischen Fans mit dem Bus auf die Allmend. Warum diese Entwicklung?

Bertschi: Grundsätzlich benötigt jeder Fanmarsch eine Bewilligung der Stadt. Der FCB brachte jeweils eine riesige Masse an Fans mit nach Luzern, deshalb haben wir ihren Fanmarsch als einzigen auch ohne Bewilligung toleriert. Aber nachdem es bei den letzten Gastspielen des FC Basel zu Sachbeschädigungen und massivem Littering bei den Fanmärschen gekommen war, haben wir den Basler Fans die Gelbe Karte gezeigt. Doch bei nächster Gelegenheit wurde die Scheibe eines Polizeifahrzeugs eingeschlagen. Darum haben wir im Januar diesen Fanmarsch auch nicht mehr toleriert. Einige Basler Fans reisten deshalb individuell an, die anderen mussten die Busse besteigen.

zentralplus: Im Anschluss an dieses Spiel gab es aber gehässige Szenen und beschädigte Busse. Die Luzerner Polizei wurde für ihr Verhalten zum Teil harsch kritisiert. Überlegt sie sich deshalb, den Baslern entgegenzukommen und den Fanmarsch wieder zu tolerieren? Oder bleibt es beim aktuellen Regime, dass jene, die im Fanzug nach Luzern anreisen, per Bus auf die Allmend müssen?

Bertschi: Im Moment wissen wir noch nicht, ob die Basel-Fans beim nächsten Spiel in Luzern mit einem Extrazug anreisen werden oder nicht. Deshalb können wir uns auch noch nicht dazu äussern, ob ein allfällig beabsichtigter Fanmarsch toleriert werden würde.

Verwendete Quellen
  • Telefonat mit Christian Bertschi, Kommunikationschef der Luzerner Polizei.

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