FC Luzern
Rückspiel entscheidet über Luzerns Ligaerhalt

FCL-Frick: «Am Sonntag muss eine andere Leistung her»

Wenn Gesichter Bände sprechen: FCL-Trainer Mario Frick (links) und sein Assistent Roman Matter sind bedient. (Bild: Martin Meienberger/freshfocus)

Die Fehlerquote hoch, das Resultat akzeptabel: Das 2:2 im Barrage-Hinspiel in Schaffhausen führt die Fragilität des FC Luzern vor Augen. Nun liegen vor dem FCL noch mindestens 90 Minuten zwischen Himmel und Hölle. Und der Herausforderer wittert seine Chance.

Der Schlusspfiff in der Schaffhauser Plastik-Arena produzierte im Luzerner Lager einige nachdenkliche Gesichter. Nichts mehr war da von der spielerischen Leichtigkeit der letzten fünf Rückrunden-Spiele, die dem FCL dank den 13 Punkten fast noch den direkten Ligaerhalt eingetragen hatten. Nichts von breiter Brust, Selbstvertrauen und der oft gepriesenen Mentalität.

Stattdessen blickten die Anhänger ungläubig in die Welt hinaus, als hätten sie eine Bruchlandung in die Fussball-Realität hinlegen müssen (zentralplus berichtete). Und das trotz zwei schneller Führungen in jeder Halbzeit. Aber am Ende kosteten einen von aussen seltsam emotionslos wirkenden FCL zu viele Fehler den Sieg (zentralplus berichtete).

Es ist eine der Qualitäten von FCL-Trainer Mario Frick, dass er selbst in schwierigen Momenten keine Anstalten macht, die Vorstellung der Seinen schönzureden. Hinterher sagte er freimütig: «Das Positivste aus unserer Sicht ist das Resultat. Wir haben so vieles falsch gemacht und Schaffhausen Platz für Flügelläufe gelassen. Genau das, was wir vermeiden wollten. Das war von unserer Seite einfach zu wenig.»

Haben Campo und Tasar begriffen, um was es für den FCL geht?

Immerhin hat Frick jetzt Gewissheit darüber, auf wen er am Sonntag im wichtigsten Spiel dieses Jahrtausends setzen kann. Und auf wen nicht. Samuele Campo und der für ihn eingewechselte Varol Tasar scheinen den Ernst der Lage, in der sich ihr Arbeitgeber befindet, noch immer nicht begriffen zu haben.

«Das war ein dummer Fehlpass. Aber man hätte es in der Folge auch besser verteidigen können.»

FCL-Cheftrainer Mario Frick

Campo spielte so nonchalant, als ginge es bloss um ein lockeres «Plausch-Mätschli» unter Kollegen im Schwimmbad. Da war kein Biss, kein Wille, keine Inspiration. Und Tasar spielte 20 Minuten vor Schluss jenen katastrophalen Fehlpass, der Ausgangspunkt zum 2:2 und abermaligen Ausgleich der Schaffhauser war. Das darf bei dem, was auf dem Spiel steht, nicht passieren.

«Das war ein dummer Fehlpass», nahm Mario Frick kein Blatt vor den Mund. «Aber man hätte es in der Folge auch besser verteidigen können. Sei es draussen auf dem Flügel oder nach dem Pass in den Sechzehner.»

Simani räumt hinten und vorne Steigerungsbedarf ein

Es wäre fahrlässig, jetzt mit dem Finger auf Campo und Tasar zu zeigen, um ihnen die schlechte Leistung des FCL in die Schuhe zu schieben. Das Problem: Sie waren nämlich nicht viel schlechter als die meisten FCL-Spieler.

Hervorzuheben aus dem Kollektiv vermochten sich einzig Marvin Schulz und Ardon Jashari. Nicht einfach nur, weil sie sich als Torschützen auszeichneten. Sie waren ihrer Aufgabe gewachsen und verliehen dem Team mit ihren Leistungen Stabilität.

«Wir waren zu wenig cool nach dem 1:0 und dem 2:1.»

Der FCL hat, was seine defensive Durchlässigkeit und seine offensive Durchschlagskraft anbelangt, deutlichen Steigerungsbedarf. Hinten liess er auf teils naive Art zu viel zu und vorne war die Anzahl wirklich guter Torchancen überschaubar. «In der Abwehrarbeit müssen wir eine Schippe drauflegen und in den letzten 30 Metern vor dem gegnerischen Tor ging uns die Gefährlichkeit ab», bekannte Luzerns Innenverteidiger Denis Simani.

Umso ärgerlicher ist aus Sicht von FCL-Cheftrainer Mario Frick, dass sein Team sich zweimal eine Führung nehmen liess. «Wir waren zu wenig cool nach dem 1:0 und dem 2:1. Stattdessen haben wir den Gegner mit Fehlern aufgebaut. Daraus entwickelte sich im Stadion des Gegners eine Dynamik, die kaum mehr zu stoppen war.»

Wie Frick die Dämonen des Zweifels zu verscheuchen versucht

Jetzt wird das Barrage-Rückspiel am Sonntag auf der Luzerner Allmend (16.30 Uhr) unweigerlich zur reinen Nervensache werden. Er muss siegen, ob nach 90 oder 120 Minuten oder letztlich im Penaltyschiessen. Und das wird für diesen FC Luzern, der selbst in der deutlich besseren Rückrunde seine Zerbrechlichkeit demonstrierte, zu einer echten mentalen Herausforderung.

Zumal der Gegner seit Donnerstagabend weiss, dass er gegen einen FCL in der aktuellen Verfassung durchaus eine Aufstiegschance hat. Der FC Schaffhausen wird den Braten gerochen haben.

Geht jetzt beim FCL das grosse Nervenflattern los? «Wir denken nur ans Positive», versuchte Mario Frick die Dämonen des Zweifels auf Distanz zu halten. Er machte aber auch keinen Hehl daraus, dass «am Sonntag eine andere Leistung hermuss.» Es ist seine letzte Chance, die ihm anvertraute Mission Ligaerhalt erfolgreich abzuschliessen.

Die Nacht auf Freitag wird Mario Frick mit ausgiebigem Videostudium verbracht haben. «Mir bleibt nichts anderes übrig. Wir haben so viele Fehler gemacht.» Wahrscheinlich wird er bei der einen oder anderen unvorteilhaften Szene der Luzerner selbst vor dem Bildschirm ein nachdenkliches Gesicht gemacht haben.

Verwendete Quellen
  • Matchbesuch in Schaffhausen.
  • Gespräche mit Mario Frick und Denis Simani.

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