FC Luzern vor Cupspiel: Grosse Namen, grosse Erwartungen
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Konnten die wegen ihren grossen Namen hohen Erwartungen bisher nicht wirklich erfüllen: Christian Gentner und Holger Badstuber. (Bild: Martin Meienberger/freshfocus)

Gentner und Badstuber müssen gegen Buochs liefern FC Luzern vor Cupspiel: Grosse Namen, grosse Erwartungen

5 min Lesezeit 16.09.2021, 17:30 Uhr

Grosse Namen wecken im Fussball grosse Erwartungen. Dies spüren derzeit auch die FCL-Neuzugänge Holger Badstuber und Christian Gentner. Und die Vergangenheit zeigt, dass grosse FCL Transfers nicht immer grossen Erfolg mit sich bringen. Noch bleibt aber etwas Zeit.

Sie waren das Thema des Schweizer Transfersommers. Christian Gentner ist zweimaliger deutscher Meister, sein neuer Teamkollege Holger Badstuber durfte die deutsche Meisterschale sogar schon sechs Mal in den Münchner Himmel recken und gewann 2013 die Champions League.

Bei diesen Leistungsausweisen muss FCL-Sportchef Remo Meyer klar gewesen sein, dass er mit den beiden nicht nur zwei grosse Fussballer verpflichtet, sondern damit auch grosse Erwartungen an seinen FCL wecken wird.

Grosse Namen weckten Euphorie

Tatsächlich lösten die Transfers der ehemaligen deutschen Nationalspieler bei vielen FCL-Fans eine Welle der Euphorie und Vorfreude aus. Manche Medien schrieben gar von einem potenziellen Luzerner Meisterkandidaten.

Von dieser Euphorie ist nun nicht mehr viel übrig. Mit nur drei Punkten aus den ersten sechs Meisterschaftsspielen ist der FCL unbefriedigend in die Saison gestartet. Im euphorisch-erwartungsvollen Umfeld des FC Luzern wurde in der Vergangenheit schon so manch grossem Heilsbringer zugejubelt, die hohen Erwartungen konnte aber nicht jeder erfüllen.

zentralplus wirft darum einen Blick zurück auf die grössten FCL-Transferhoffnungen seit dem Aufstieg 2006 und wie es ihnen in Luzern ergangen ist.

Saison 2006/2007 – Mauro Lustrinelli und Mario Cantaluppi

Es sind zwar nicht die ganz grossen Namen, für die damaligen Luzerner Verhältnisse waren die Transfers der beiden Schweizer Nationalspieler aber ganz grosses Kino. Der damals 32-jährige Cantaluppi wechselte ablösefrei vom Bundesligisten Nürnberg zum Aufsteiger aus der Innerschweiz und sollte für mindestens drei Jahre der Chef im Luzerner Mittelfeld werden. Das Abenteuer war für den Schlierer aber nach nur 56 Partien in Blau-Weiss zu Ende. Mit acht Toren, vierzehn gelben und zwei roten Karten wurde er nach Belgien verabschiedet.

Ähnlich kurz war auch die Zeit von Mauro Lustrinelli in Luzern. Der Stürmer wechselte im Winter 2007 nach magischen Champions League Nächten mit Thun und einer sportlich unbefriedigenden Zeit bei Sparta Prag zum FCL. Im Sommer 2008 und nach beachtlichen 20 Toren in 48 Spielen war für «Lustrigoal» aber bereits wieder Schluss. Der aktuelle U21-Nati Trainer wurde an seinen Heimatverein Bellinzona abgegeben.

Saison 2007/2008 – Davide Chiumiento

Ein weiteres Ausrufezeichen setzte der FCL nach dem erfolgreichen Klassenerhalt mit der Verpflichtung des ehemaligen Supertalents Davide Chiumiento. Nach einer unbefriedigenden Leihe in Bern wechselte der offensive Mittelfeldspieler im Sommer 2007 von Juventus Turin nach Luzern. Der Edeltechniker absolvierte für die Zentralschweizer 99 Spiele und erzielte dabei 20 Tore und 15 Torvorlagen. Nach drei erfolgreichen Jahren zog Chiumiento schliesslich weiter nach Kanada zu den Vancouver Whitecaps.

Saison 2008/2009 – Nelson Ferreira

Nach Mauro Lustrinelli wechselte mit Nelson Ferreira zwei Jahre später ein weiterer Held des Thuner Champions League-Märchens an den Vierwaldstättersee. Der Flügelspieler hatte sich vor allem mit seinem Tor (oder war es doch eine Flanke?) gegen das übermächtige Arsenal London national und international einen Namen gemacht. Nach 145 Spielen, 28 Toren und 23 Vorlagen verabschiedete sich «Nello» 2012 wieder in seine Thuner Heimat, die hohen Erwartungen konnte der Berner Oberländer in Luzern nie ganz erfüllen.

Saison 2009/2010 – Hakan Yakin

Er geht wohl als einer der grössten Transfercoups in die Geschichte des FC Luzern ein und trägt einen der klingenden Namen des Schweizer Fussballs in den 2000er-Jahren. Hakan Yakin, 87-facher Nationalspieler, vierfacher Schweizer Meister, Champions League-Held mit dem FC Basel und einer der besten Schweizer Spieler seiner Generation wechselt im Sommer 2009 mit viel Getöse zum FCL. Erwartungsgemäss gross waren die Hoffnungen und das Interesse am neuen Luzerner Superstar. Als Dreh- und Angelpunkt der Luzerner Offensive gelangen Yakin in 90 Spielen 29 Tore und 31 Vorlagen. Im Januar 2012 kam es zum überraschenden Wechsel zur AC Bellinzona.

Verabschiedete sich im Winter 2011 von der Allmend: Hakan Yakin (Bild: Valeriano Di Domenico/freshfocus)

Saison 2010/2011 – Daniel Gygax

Ein Jahr nach dem Yakin-Transfer schlug der Zuzug von Daniel Gygax in Luzern hohe Wellen. Der 35-fache Nationalspieler wechselte ablösefrei aus Nürnberg zum FCL und sollte mit Nelson Ferreira ein dynamisches Flügelduo bilden. An seine früheren Erfolge beim FC Zürich, in Frankreich und Deutschland konnte Gygax aber nie mehr anknüpfen. Nach 97 Spielen, 19 Toren und 14 Vorlagen wechselte der Hobby-DJ 2014 zum FC Aarau.

Saison 2012/2013 – Dimitar Rangelov

Nach der Vizemeisterschaft und dem überraschenden Abgang von Hakan Yakin musste beim FC Luzern eine neue Offensive Schaltzentrale her. Für kolportierte 500’000 Franken verpflichtete man deshalb Dimitar Rangelov vom amtierenden deutschen Meister Borussia Dortmund. Für den FCL gelangen dem Stürmer in 62 Spielen 19 Tore und acht Vorlagen. Rangelov bleibt aber wohl eher wegen seiner Unbeherrschtheit in Erinnerung. Nach drei roten Karten, diversen Suspendierungen, einer Kopfnuss gegen Teamkollege Jerome Thiesson und einem nassen Blick-Reporter beim Aquatraining verabschiedete sich Rangelov in die Türkei zu Konyaspor.

Saison 2016/2017 – Ricardo Costa

Ähnlich wie bei den Transfers von Badstuber und Gentner war die Verpflichtung von Ricardo Costa mit der Idee verknüpft, viel Erfahrung und Winner-Mentalität in den Kader zu holen. 

Der damals 35-järige gewann in seiner Karriere unter anderem die Champions League, je zweimal den Uefa-Pokal und den Weltpokal, wurde deutscher und vierfacher portugiesischer Meister und spielte 22-mal für die portugiesische Nationalelf. In Luzern lief es für Costa aber nicht wie gewünscht. Der Innenverteidiger hatte immer wieder mit Rückenbeschwerden und inkonstanten Leistungen zu kämpfen. Nach einem unbefriedigenden Jahr in Luzern wechselte Costa darum bereits wieder zurück in seine Heimat zum CD Tondela.

Die FCL-Transfergeschichte zeigt also einige erfolgreiche Transfers, andere konnten jedoch die Erwartungen nie ganz erfüllen. Holger Badstuber und Christian Gentner bleiben aber noch genug Zeit um ihre Geschichte beim FCL erfolgreicher zu gestalten und sich langfristig in die Herzen der FCL-Fans zu spielen. Dafür braucht es aber am nächsten Wochenende im Cup in Buochs (18:00) eine klare Leistungssteigerung – auch von den beiden Bundesliga-Titanen.

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