FC Luzern: Träumen mit Samuel Alabi
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Trainer Fabio Celestini hält grosse Stücke auf ihn: Samuel Alabi im Dress des FC Luzern. (Bild: Martin Meienberger/freshfocus)

Nach Verletzungspech endlich wieder fit FC Luzern: Träumen mit Samuel Alabi

6 min Lesezeit 20.04.2021, 08:15 Uhr

Samuel Alabis Start beim FC Luzern verlief denkbar schlecht. Ohne Vorbereitung und mit hohen Erwartungen stiess der 20-Jährige im vergangenen September zum Team von Cheftrainer Fabio Celestini, verletzte sich aber gleich bei seinem Debüt. zentralplus hat mit dem wiedergenesenen Ghanaer über die Verletzung, Blitztransfers und seine dürftigen Hebräisch-Kenntnisse gesprochen.

Es klingt wie der perfekte Verein für den Start einer Profi-Karriere: Beim Dreams FC aus Accra, Ghana, trat Samuel Alabi zum ersten Mal professionell gegen einen Ball und siehe da – sein grosser Traum vom europäischen Fussball hat er sich mittlerweile erfüllt. Nach einem Abstecher nach Israel und überstandener Verletzungspause ist er mittlerweile beim FC Luzern angekommen.

FCL-Cheftrainer Fabio Celestini freut sich, seinen Schützling endlich regelmässig auf dem Feld zu sehen, erkennt aber auch noch Verbesserungspotenzial: «Samuel kam nach einer Operation und einer langen Pause zurück und macht seine Sache bisher gut. Er muss sich aber noch an den europäischen Fussball gewöhnen. In gewissen Situationen ist er noch zu verspielt.»

Alabi: Der Kleine zeigt’s den Grossen

Dafür konnte Alabi seinen Coach bereits mit seiner Aggressivität beeindrucken: «Samuel ist zwar klein, aber er kämpft! Man sieht ihn und denkt: Was will der denn? Und dann schnappt er sich mit seiner Schnelligkeit und Explosivität den Ball.»

Wie viel Potenzial im 1.66 Meter grossen Samuel Alabi noch schlummert, wird die Zukunft zeigen. Celestini hat er jedenfalls schon überzeugt: «Samuel hatte ein schwieriges Jahr, wir glauben aber, dass er uns in Zukunft noch viel Freude bereiten wird.»

Vor dem Heimspiel am Mittwoch gegen Lausanne (18.15 Uhr), zeigte der junge Mittelfeldspieler im Interview mit zentralplus glücklicherweise nichts von seiner Aggressivität, dafür umso mehr von seinem Charme:

zentralplus: Samuel Alabi, Sie waren in dieser Saison lange verletzt, wie geht es Ihrem Knie?

Samuel Alabi: Dem Knie geht es bestens und seit meiner Operation im Winter habe ich auch keine Schmerzen mehr. Das Aufbautraining lief dann sehr gut und ich durfte wieder Fussball spielen.  

zentralplus: Wann ist das mit der Verletzung passiert?

Alabi: Das war bei meinem Debüt gegen St. Gallen, nach diesem Spiel machte mir mein Meniskus zu schaffen. Es war eine harte Zeit für mich, weil ich der Mannschaft für eine lange Zeit nicht helfen konnte. Ich bin nun umso glücklicher, wieder auf dem Platz zu stehen.

«Ich dachte mir: Wenn im Leben so eine Chance kommt, dann musst du sie packen! Eine Woche später war ich hier.»

zentralplus: Sie wechselten im vergangenen September zum FCL. Wie haben Sie sich hier eingelebt?

Alabi: Es gefällt mir sehr gut, Luzern ist eine wunderbare und ruhige Stadt. Ich war schon vier-, fünfmal in der Altstadt, um einen Kaffee zu trinken oder um am See zu spazieren. Ich wohne in Kriens, im selben Haus wie mein Teamkollege Ibrahima Ndiaye.

zentralplus: Dann gabs von Ibrahima bestimmt schon eine Stadtführung.

Alabi: Nein, das hat er leider noch nicht gemacht (lacht). Wir unternehmen aber sonst viel zusammen. Eine Stadtführung habe ich aber von Marco Bürki bekommen, mit ihm bin ich auch oft unterwegs. Er ist einer meiner besten Freunde. 

zentralplus: Sie haben sich scheinbar schon ganz gut an das Leben in der Schweiz gewöhnt?

Alabi: Ja, das klappt wirklich reibungslos. Meine Teamkollegen und der Verein haben mich sehr gut integriert. Da war die Umstellung bei meinem Wechsel vom ghanaischen Dreams FC zum FC Ashdod in Israel definitiv grösser …

zentralplus: Dürfen wir raten: Weil Hebräisch schwieriger zu lernen ist als Deutsch?

Alabi: Genau so ist es! Darum hatte ich zu Beginn auch Schwierigkeiten, mich auf dem Feld zu verständigen. Zudem war ich damals 19 Jahre alt und noch nie so weit von meiner Familie entfernt gewesen. Das war zu Beginn schon ziemlich hart. Der FC Ashdod hat mich in dieser schwierigen Zeit aber sehr gut unterstützt.

zentralplus: Im letzten Sommer zog es sie aber noch weiter von ihrer Familie weg, bis in die Schweiz …

Alabi: Es war immer mein Traum, einmal in Europa zu spielen und meine Familie unterstützt mich auf meinem Weg. Mein Vater arbeitet in Accra als Automechaniker und meine Mutter besitzt dort einen kleinen Laden. Sie sind sehr stolz auf mich und was ich bisher erreicht habe.

zentralplus: Wann haben Sie zum ersten Mal vom Interesse des FC Luzern gehört?

Alabi: Ehrlich gesagt erst eine Woche vor meinem Wechsel. Ich war damals noch voll auf meine Aufgabe beim FC Ashdod fokussiert, meine Berater haben den Transfer im Hintergrund eingefädelt. 

zentralplus: Sie haben also von nichts gewusst?

Alabi: Für eine lange Zeit – meine Berater informieren mich aber auch erst bei konkreten Anfragen.  Auf einmal ging dann alles sehr schnell. Mein Berater rief mich an und erzählte mir vom Interesse des FCL. Daraufhin habe ich mich im Internet über den Verein informiert und dachte sofort: Wenn im Leben so eine Chance kommt, dann musst du sie packen! Eine Woche später war ich hier. 

zentralplus: Welche Rolle spielte dabei die Überzeugungsarbeit von Sportchef Remo Meyer und Cheftrainer Fabio Celestini?

Alabi: Der Wechsel ging so schnell über die Bühne, dass wir nur wenig Zeit hatten, miteinander zu sprechen. Es war wirklich ein Blitztransfer! Erst in Luzern hatten wir dann Gelegenheit, um uns ausführlich auszutauschen. 

«Am Ende spielt es für mich keine grosse Rolle, wo ich spiele; wichtig ist nur, dass ich spiele.»

zentralplus: Gab es zu der Zeit auch noch andere Angebote?

Alabi: Ja, da gab es einige. Aus Israel und auch aus anderen Ländern. Ich wollte aber unbedingt zum FCL wechseln und in Europa Fussball spielen. Das war für mich ein grosser Schritt nach vorne.

zentralplus: Ihr Coach hält grosse Stücke auf Sie, wie ist die Zusammenarbeit mit Fabio Celestini?

Alabi: Er möchte, dass wir Spieler seine Ideen verstehen und nicht bloss blind umsetzen. Gleichzeitig ist er ein sehr empathischer Mensch, der viel mit uns Spielern spricht und Anweisungen gibt. Das gefällt mir. 

zentralplus: Sie haben in ihrer Karriere schon viele Positionen gespielt, welche liegt Ihnen am meisten?

Alabi: Das stimmt, ich wurde schon als Flügelspieler, Zehner oder zentraler Mittelfeldspieler aufgestellt. Am Ende spielt es für mich keine grosse Rolle, wo ich spiele, wichtig ist nur, dass ich spiele. Ich denke aber, dass meine Stärken am besten im zentralen Mittelfeld zur Geltung kommen.

zentralplus: Wie sieht der nächste Schritt in der Karriere von Samuel Alabi aus?

Alabi: Puh, wenn ich das wüsste (lacht). Natürlich ist es ein Traum, einmal in einer grossen Liga vor vielen Zuschauern zu spielen. Zuerst muss ich mich aber beim FCL durchsetzen. Es wäre jedoch mein Traum, einmal für Bayern München oder Real Madrid aufzulaufen.

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