FC Luzern: Ein Ab-Wehrmann gegen den Abstieg
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Geniesst das Vertrauen von FCL-Coach Fabio Celestini: Der junge Holländer Jordy Wehrmann (Mitte). (Bild: Martin Meienberger/freshfocus)

Jordy Wehrmann ist in Luzern angekommen FC Luzern: Ein Ab-Wehrmann gegen den Abstieg

5 min Lesezeit 22.02.2021, 11:51 Uhr

Von der Feyenoord-Ersatzbank in die Startelf des FC Luzern: Jordy Wehrmann legte beim FCL einen Blitzstart hin. zentralplus sprach mit dem Holländer über seine ersten Eindrücke in der Schweiz, den Einfluss seines Mentors Robin van Persie und über seine Zukunft beim FCL.

Beim 3:2-Sieg am vergangenen Sonntag gegen Lugano stand Jordy Wehrmann zum dritten Mal in Folge in der Startelf des FCL. Chefcoach Fabio Celestini setzt offensichtlich auf seinen Neuzugang der sowohl in der Abwehrarbeit wie auch in der Offensive seine Impulse setzt. zentralplus traf sich mit dem 21-Jährigen vor der Partie am Mittwoch gegen den FC Vaduz (18:15) zum Interview.

zentralplus: Jordy Wehrmann, Sie sind nun schon drei Wochen in Luzern, wie gefällt es Ihnen bei uns?

Jordy Wehrmann: Es gefällt mir sehr gut hier. Luzern ist eine wunderschöne Stadt und ich schätze die nahe Natur. Ich habe vor meinem Wechsel versucht, möglichst viel über die Stadt und die Region zu erfahren und wurde nicht enttäuscht.

zentralplus: Hatten Sie schon Gelegenheit, die Stadt zu erkunden?

Wehrmann: Wegen der Einreise-Quarantäne und dem engen Spielplan blieb bisher wenig Zeit, das werde ich aber definitiv nachholen.

zentralplus: Wie kam Ihr Leihtransfer von Feyenoord Rotterdam zum FC Luzern zustande? 

Wehrmann: Ich sass in der Vorrunde bei Feyenoord vermehrt auf der Bank und wollte unbedingt öfters spielen. Mein Berater meinte im Januar, dass drei Vereine an mir interessiert seien: Der FC Luzern, Hoffenheim aus der Bundesliga und De Graafschap, ein ambitionierter holländischer Zweitligist.

zentralplus: Was hat Sie überzeugt, nach Luzern zu kommen?

Wehrmann: Ich habe mich zuerst über alle interessierten Vereine informiert und mir dann angehört, wie Sie mit mir planen. Beim FCL waren es am Ende die Gespräche mit Sportchef Remo Meyer und Trainer Fabio Celestini, die den Ausschlag gaben.

zentralplus: Feyenoord verlängerte kurz vor Ihrem Leih-Wechsel zum FC Luzern noch Ihren Vertrag.

Wehrmann: Das stimmt, mein Vertrag wurde per Option von Seiten des Vereins bis im Sommer 2022 verlängert. Die Verantwortlichen von Feyenoord sehen für mich eine Zukunft im Verein, ich kann mir aber auch sehr gut vorstellen, länger hier in Luzern zu bleiben.

Der FCL besitzt eine Kaufoption und zeigte mir ganz klar auf, was man mit mir vorhat. Das gefällt mir. Was im Sommer passiert, steht also noch in den Sternen. Das müssen dann die beiden Klubs aushandeln. Momentan beschäftige ich mich aber sowieso nur mit dem nächsten Spiel.

«In Holland ist es fast schon ein Gesetz, dass auch kleinere Vereine immer angreifen und versuchen, das Spiel zu machen.»

zentralplus: Nach Ihrer Einreise-Quarantäne ging für Sie dann plötzlich alles sehr schnell.

Wehrmann: Das stimmt, bereits nach zwei Trainings durfte ich mein Debüt für den FCL gegen Lugano geben. Während der Quarantäne habe ich natürlich versucht, mich fit zu halten, es ist aber nicht das Gleiche, wie auf einem Fussballplatz zu trainieren. Die erste Trainingseinheit mit den Reservespielern war für mich dann nach der langen Pause sehr intensiv, die Jungs gaben wirklich alles!

zentralplus: Welchen Eindruck haben Sie bisher von der Schweizer Super League?

Wehrmann: Ich habe in den ersten Spielen gemerkt, dass in der Schweiz viel Wert auf die taktische Stabilität und das schnelle Umschaltspiel gelegt wird. In Holland ist es hingegen fast schon ein Gesetz, dass auch kleinere Vereine immer angreifen und versuchen, das Spiel zu machen.

«Ich habe übrigens auch schon gegen die Schweiz gespielt, wir haben damals 3:1 gewonnen …»

zentralplus: In Holland gelten Sie als grosses Talent, Sie führten auch schon mehrmals die Junioren-Nationalmannschaften als Captain aufs Feld.

Wehrmann: Tatsächlich war ich in den Nachwuchsmannschaften nie der Spieler mit dem grössten Talent, vielleicht aber der mit dem grössten Willen. Captain der Nationalmannschaft zu sein, war dann natürlich eine wunderbare Erfahrung und Belohnung für die harte Arbeit. Ich habe übrigens auch schon gegen die Schweiz gespielt, wir haben damals 3:1 gewonnen …

zentralplus: Wie viele holländische Talente stammen auch Sie aus der berühmten Feyenoord Academy. Wieso ist man in Rotterdam so erfolgreich im Nachwuchsbereich?

Wehrmann: Das Besondere an der Academy ist, dass sich die Arbeitermentalität durch den gesamten Verein zieht. Ich kam damals bereits mit sieben Jahren zu Feyenoord und man wird schon als junger Spieler jeden Tag gepusht, um noch besser zu werden. Gleichzeitig achten die Coaches sehr darauf, dass keiner abhebt. Bescheidenheit wird ganz grossgeschrieben. In der Nationalmannschaft wurde mir dann auch bewusst, dass diese Kultur nicht in jedem Klub selbstverständlich ist.

zentralplus: In der ersten Mannschaft trainierten Sie dann sogar mit Klublegenden wie Robin van Persie und Dirk Kuyt.

Wehrmann: Van Persie und Kuyt verkörperten genau diese Arbeitermentalität von Feyenoord, beide waren auf und neben dem Platz grosse Vorbilder für mich. Mit Robin van Persie stehe ich heute noch regelmässig in Kontakt.

zentralplus: Spüren Sie eine ähnliche Kultur auch hier beim FC Luzern?

Wehrmann: Absolut. Spieler wie Marius Müller und Christian Schwegler motivieren uns jeweils vor den Spielen und gehen voran. Auch im Training oder im Kraftraum pushen sie uns jeden Tag. Solche Charaktere sind ein sehr wichtiges Element für jede Mannschaft.

«Bei Dick Advocaat hatten wir Spieler aber manchmal etwas Angst um dessen Herz.»

zentralplus: Erkennen Sie auch kulturelle Unterschiede zwischen den Teams?

Wehrmann: Etwas ist mir sofort aufgefallen: Bei Feyenoord sind die Spieler vor dem Training oder den Spielen sehr auf sich selbst fokussiert, während sich hier beim FCL alles um das Team dreht. Die Mannschaft steht hier sehr eng beisammen, das spürt man sofort und macht uns stärker.

zentralplus: In Rotterdam spielten Sie unter der Trainerlegende Dick Advocaat, dem der Ruf als Schleifer und harter Hund nacheilt. Wie unterscheidet er sich von Luzerns Coach Fabio Celestini?

Wehrmann: Ich glaube, es gibt gar nicht so viele Unterschiede zwischen den beiden. Beide hassen es, zu verlieren, und beide können ein Team sehr gut motivieren. Bei Dick Advocaat hatten wir Spieler aber manchmal etwas Angst um dessen Herz, er ist trotz seiner 73 Jahre immer noch ein sehr emotionaler Coach (lacht).

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