FC Luzern: Defensive Aussetzer gefährden den Ligaerhalt
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Man kann Stefan Knezevic verstehen: Als Luzerner mag man nicht mehr hinsehen. (Bild: Martin Meienberger/freshfocus)

Ratlosigkeit bei Trainer Fabio Celestini FC Luzern: Defensive Aussetzer gefährden den Ligaerhalt

5 min Lesezeit 2 Kommentare 11.04.2021, 05:03 Uhr

Die vierte defensive Nachlässigkeit war die eine zu viel: Der FC Luzern bringt sich mit dem 3:4 tief in der Nachspielzeit um einen Punktgewinn, der sich nach diesem spektakulären Spielverlauf gegen den FC Basel wie ein Sieg angefühlt hätte. Werden die defensiven Aussetzer nicht sofort abgestellt, taumelt der FCL unweigerlich dem Abstieg entgegen.

Er hätte sich, als die Fassungslosigkeit über den Spielausgang in den Köpfen der Luzerner noch vorherrschend war, einfach vor die Medienschaffenden hinstellen und sagen können, dass die Qualität in der Abwehr einfach nicht reiche. Man hätte es wegen der Art und Weise, wie dieses 1:1, dieses 1:2, dieses 1:3 und zuletzt dieses 3:4 entstanden waren, nachvollziehen können (zentralplus berichtete).

Aber das wollte FCL-Trainer Fabio Celestini nicht. Weil es zu einfach gewesen wäre. Weil er nicht den Anschein erwecken wollte, sich mit einer Ausrede aus seiner Verantwortung stehlen zu wollen. Stattdessen sagte er, dass «dieses Spiel zu unserer Geschichte in dieser Meisterschaft passt.» Zum wiederholten Mal brachte sich der FCL wegen defensiver Blackouts um einen Punktezuwachs.

Und Fabio Celestini machte auch keinen Hehl daraus, dass er sich die fehlende Balance im Spiel der Seinen, die defensive Instabilität, die genauso schnell kommen wie wieder verschwinden kann, nicht erklären konnte. Unmittelbar nach Spielende stand er offen zu seiner Ratlosigkeit.

FCL-Abwehr erkennt lauernde Gefahr nicht

Sicher ist: Es braucht nicht viel, um diesen FCL in seine Einzelteile zu zerlegen. Wahrscheinlich wissen die Basler nicht einmal, wie es ihnen gelang, ihre ersten drei Angriffe innerhalb von acht Minuten in drei Tore zu verwandeln. Und dies, nachdem sie in der ersten Viertelstunde des Spiels selber noch böse untendurch mussten.

«Unser Herz und unsere Energie sind super. Aber wir müssen auch mit dem Kopf spielen und spüren, wo der Ball hinkommt.»

FCL-Trainer Fabio Celestini

Die Luzerner wirkten beim Zusammenbruch wie auch später beim spielentscheidenden Gegentreffer so, als könnten sie die Gefahr, die auf sie lauert, nicht erkennen. Als hätten sie keine Vorstellung davon, was ihnen in dieser oder jener Situation blühen könnte.

Diesen Eindruck bestätigte Fabio Celestini gegenüber zentralplus, indem er sagte: «Unser Herz und unsere Energie sind super. Aber wir müssen auch mit dem Kopf spielen und spüren, wo der Ball hinkommt.»

Zentrale FCL-Abwehr unfähig zu dirigieren

Diese Einbrüche, dieser urplötzliche Verlust der eigenen Spielprinzipien, könnte aber auch damit im Zusammenhang stehen, dass beim FCL von der zentralen Abwehr aus nach wie vor zu wenig dirigiert wird. In leeren Fussballstadien fällt das umso stärker ins Gewicht, wenn ein Gegner wie der FC Basel dauernd am Kommunizieren ist.

Beim FCL versuchte bisweilen Goalie Marius Müller einzuspringen und die Ordnung lautstark aufrechtzuerhalten. «Wir haben leider nicht zu viele Spieler mit Persönlichkeit, die sich das Kommunizieren zutrauen», versuchte Fabio Celestini nicht zu hart ins Gericht zu gehen.

Dass der stämmige Lucas Alves in seiner Gunst gesunken ist, zeigte sich während der ersten Halbzeit, als Celestini von der Seitenlinie aus sein Stellungsspiel ein paar Mal korrigierte. Und spätestens zur Pause, als er den Brasilianer vom Feld nahm, den offensiven Varol Tasar brachte und sein System von einem 3-5-2 auf ein 4-4-2 umstellte.

Zwei schmerzhafte Absenzen und ein freiwilliger Verzicht

Dass der FCL, wie zu Spielbeginn, wieder dominanter auftrat und mit zwei weiteren Toren ins Spiel zurückkehrte, zeigte, dass der FCL lebt. Dass die Spieler unvermindert an den Weg glauben, den ihnen Fabio Celestini vorgibt.

Aber das nützt im Endeffekt nicht viel, wenn es trotzdem die dritte Niederlage in den letzten vier Spielen absetzt. Wenn die Abstiegssorgen stetig grösser werden.

Der aktuelle Kriechgang der Luzerner lässt sich ein Stück weit mit zwei schwerwiegenden Absenzen, die auf der Verletztenliste stehen, verbinden. In den sechs Spielen, in denen der defensive Allrounder Marvin Schulz nunmehr verletzungsbedingt fehlt (zentralplus berichtete), haben die Luzerner zwar die ersten beiden noch gewonnen (2:1 in Zürich und 4:2 gegen St. Gallen), aber danach gab es nur noch einen Punkt (1:1 gegen Sion).

«Unsere Aufholjagden, von denen es schon einige gab, bedeuten einen enormen Energieaufwand.»

FCL-Mittelfeldspieler Lorik Emini vor den nächsten zwei englischen Wochen

Genauso schmerzlich wird seit drei Spielen auch Dejan Sorgic vermisst. Der Mittelstürmer ist vor Schulz nicht nur der teamintern beste Torschütze, vor allem stopft er mit seinem Laufvermögen auch Löcher im Rückwärtsgang. Seine Entzündung im Knie macht ihm offensichtlich mehr zu schaffen, als im FCL zunächst vermutet wurde.

Allerdings muss man auch sagen: Der FCL kämpfte schon mit defensiven Unzulänglichkeiten, als Schulz und Sorgic noch mit von der Partie waren. Vor allem in der Meisterschaftsphase vor dem Jahreswechsel.

Im Aufgebot der Luzerner fehlte aber auch Jordy Wehrmann. Fabio Celestini verzichtete freiwillig auf die Dienste des holländischen Mittelfeldspielers, wie er festhielt: «Den Entscheid habe ich aus sportlichen Gründen getroffen.»

Kopf aufs Wesentliche gerichtet

Die bittere Niederlage gegen Basel hat den Luzernern den Kopf aufs Wesentliche gerichtet. Darauf, was in den letzten acht Meisterschaftsspielen wichtig ist. «Wir müssen uns ab sofort nicht mehr mit der oberen Tabellenhälfte beschäftigen, es geht jetzt um die Sicherung des Ligaerhalts», sagte Fabio Celestini.

Dabei ist der FCL dringend auf ein Erfolgserlebnis angewiesen. Nach dem Cup-Viertelfinal am Dienstag in Lugano geht es am Samstag in der Meisterschaft mit dem Auswärtsspiel in St. Gallen weiter. Drei Tage später wird Lausanne und am darauffolgenden Sonntag der FC Zürich auf die Allmend kommen.

«Mir wäre lieber, mal auf grausige Art und Weise 1:0 zu gewinnen. Denn unsere Aufholjagden, von denen es schon einige gab, bedeuten einen enormen Energieaufwand», gab Lorik Emini am späten Samstagabend zu bedenken.

Es geht um Celestinis Jobsicherheit

Beruhigende Wirkung aufs Nervenkostüm der neu formierten Luzerner Klubleitung können ausschliesslich Siege haben. Der Leidensdruck ist gewiss (noch) nicht hoch genug, um den Trainerjob von Fabio Celestini bereits in Frage zu stellen. Schliesslich kann das Minimalziel im Jahr der spielerischen Transformation noch immer erreicht werden.

Zudem hat Fabio Celestini erst Anfang Jahr eine bis 2023 gültige Vertragsverlängerung unterzeichnet. In Zeiten fehlender Einnahmen wegen der Corona-Krise gilt es, jeden finanziellen Mehraufwand zu vermeiden. Und nicht zuletzt ist die Mannschaft im letzten Sommer nach Celestinis Vorstellung von gepflegtem Offensivfussball zusammengestellt worden. Die Spieler schätzen ihren Trainer und haben Spass an dieser Spielanlage.

Aber die Zeit drängt immer mehr, diese auf dem Platz gewinnbringend umzusetzen.

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2 Kommentare
  1. Mac Tanner, 11.04.2021, 15:02 Uhr

    Nie war es einfacher, die fehlende sportliche Qualität der Mannschaft sowie die fehlende Fachkompetenz der Vereinsführung mit einem guten Tabellenplatz zu kaschieren, als in dieser qualitativ unterirdischen Corona-Saison 2020/21. Wenn man in dieser Saison da steht, wo Luzern aktuell steht, dann hat man in der „Super League“ absolut nichts verloren!

  2. Hannes Estermann, 11.04.2021, 10:20 Uhr

    Könnte mir gut vorstellen,dass ein Neubeginn eine Liga tiefer für die sportliche Zukunft des FCL vorteilhafter sein könnte.
    Dies dauernde Defensiv Geknorze ,scheint kurzfristig nicht aus zu merzen sein.
    Warum nicht…wie schon öfters in den letzten Jahrzehnten, den LIGA Lift nach abwärts besteigen und später auskuriert und kraftvoll,stabil wieder aufsteigen ! Und dies ohne naive Phantasterei,anschliessend dauernd an der Spitze mit halten zu können. Gilt für Besucher und Clubleitung!
    N.b. 1952 war mein erster,unvergesslicher Besuch auf der Allmend …kenne den Verein also seit bald 70 Jahren,mit all seinen sportlichen Hoch und Tiefs.Sonst währe es ja kein SPORT mehr…oder verstehe ich den heutigen Sportgeist nicht mehr ? Entschuldigung,wenn es so
    wahr genommen würde.
    So lang es mir noch vergönnt bleibt, ist mir der Club eine Herzensangelegenheit ,egal
    in schlechten,wie guten Zeiten !

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