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Fasziniert vom Weltuntergang
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Christoph Fellmann ist in Luzern auf und neben der Bühne ein bekanntes Gesicht. (Bild: Marco Sieber)

Christoph Fellmann und das Theater «Rostfrei» Fasziniert vom Weltuntergang

4 min Lesezeit 14.11.2015, 17:01 Uhr

Der Luzerner Christoph Fellmann nennt als Ausbildung: «Keine». Heute arbeitet er als Theaterautor, Journalist und Schauspieler. In seinem neusten Projekt mit dem jungen Theater «Rostfrei» beschäftigt er sich mit der Faszination der heutigen Popkultur für die Apokalypse.

Das Theater «Rostfrei» steht kurz vor der nächsten Produktion. Christoph Fellmann hat dafür eigens ein Stück geschrieben, bereits das dritte für die junge Theatergruppe. Und auch sonst hat der Luzerner bei einigen Theatern seine Feder im Spiel.

Doch professioneller Theaterautor ist Fellmann noch nicht wirklich lange. Eigentlich arbeitet er als Journalist beim Tagesanzeiger, manchmal schreibt er auch für das Luzerner Kulturmagazin «041» und andere Plattformen wie die deutsche Theaterkritik-Seite «nachtkritik».

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Ins Theater reingeschlittert

Fragt man Fellmann nach seiner Ausbildung, sagt er: «Keine.» Der Luzerner studierte zwar nach dem Wirtschaftsgymnasium Politik und Geschichte, schloss das Studium aber nicht ab. Zum Theater kam Fellmann eher unverhofft. «Journalist werden wollte ich schon immer, schon als Primarschüler. Als Journalist habe ich begonnen über Theater zu schreiben – das Interesse war geweckt.» Dann habe er bei den Weihnachtsmärchen auf der Horwer Zwischenbühne gespielt. Aber das erst mit 27 Jahren zum ersten Mal. «Dort begann ich schliesslich eigene Fassungen von Märchen für die Zwischenbühne zu verfassen. Das war eigentlich der Anfang», erklärt Fellmann.

«Ich muss ein Thema absorbiert haben, bevor das Schreiben beginnt.»
Christoph Fellmann, Theaterautor

Fellmann ist vor allem in der Freien Szene und den Laienbühnen der Zentralschweiz zuhause und bei der Theatergruppe Aeternam – ein «Zwitterding», wie Fellmann sagt. Dabei arbeitet er vor allem mit Regisseur Reto Ambauen, Livio Andreina, oder für das Freilichttheater des Stanser Frauenklosters mit Ursula Hildebrand.

Lange Recherche, schnelle Schreibe

Neben der Arbeit wird es damit manchmal eng. «Gerade dieses Jahr waren es wirklich viele Projekte. Trozdem wirkt das Programm viel dichter als es tatsächlich ist, da die Stücke schnell nacheinander auf die Bühne kommen. Die Arbeit aber verteilte sich gleichmässig auf mehrere Jahre», so Fellmann.

I've seen the future, baby

Die Premiere findet am 28. November 2015 statt. Weitere Aufführungen am 29. November, 8., 9., 11. und 12. Dezember. Jeweils um 20 Uhr im Theater Pavillon Luzern.

  • Regie: Livio Andreina
  • Bühne: Noemi Hunkeler
  • Kostüme: Anna Maria Glaudemans
  • Video: Nathalie Kamber
  • Licht: Martin Brun, Fish & Light
  • Musik und Spiel: Laura Livers, Benjamin Pogonatos
  • Spiel: Rosana Ertogrul, Laura Küng, Felicitas Küng
  • Spiel im Video: Dea Aaldijk

Das Schreiben selbst gehe ihm schlussendlich immer sehr schnell von der Hand. «Das neue Stück für Rostfrei schrieb ich innerhalb von zwei Wochen», erklärt der Luzerner. Die wirklich langwierige Phase sei jeweils die Vorarbeit. «Ich brauche viel Zeit für die Recherche. Habe für ‹I’ve seen the future, baby› zahlreiche Bücher gelesen, Ideen gewälzt, Filme geschaut. Ich muss ein Thema absorbiert haben, bevor das Schreiben beginnt.» Er brauche stets einen letzten Input, einen Auslöser. Wenn dieser auftauche, dann laufe es fast wie von selbst. So sei es auch bei dieser Produktion wieder gewesen.

Sehnsucht nach weniger Komplexität

Die Idee für das Stück kam dem 45-Jährigen vor etwa 15 Monaten, als er ein Buch las: Eva Horn «Zukunft als Katastrophe». Das Buch thematisiert, dass sich in der zeitgenössischen Popkultur Endzeitszenarien häufen. Filme, wissenschaftliche Bücher – all das zeige die Sehnsucht der Menschen nach einer Reduktion von Komplexität. So die These.

Okay, aber stell dir vor, du bisch de Letscht. Wirklich de Letscht. Meine de letscht Mönsch, hallo. Nimmsch no einisch s iPhone vöre und machsch s ultimative Selfie. 
Auszug aus «I’ve seen the future, baby»

Durch die allgegenwärtigen negativen Informationen lebe man heute mit einem diffusen Katastrophenbewusstsein. Die Zukunft sei immer weniger positiv besetzt – sie habe eher etwas Erschreckendes. Nicht so wie in den 60ern, als The Doors sangen: We want the World and we want it now. «Das würde heute niemand mehr sagen», so Fellmann.

Ein kleiner Einblick in die Proben von «I've seen the future, baby».

Ein kleiner Einblick in die Proben von «I’ve seen the future, baby».

Das Thema sei gerade wegen der Altersunterschiede bei der Theaterproduktion eine sehr spannende Konstellation, erklärt Fellmann. «Der Regisseur Livio Andreina ist ein «68er», ich ein Kinder der 80er und die Spieler gehören der ‹Generation Y› an. Das birgt unendlich Diskussionsstoff.» Das könne manchmal auch sehr anstrengend sein, aber vor allem sei es bereichernd.

Herausforderung pur

Das Thema begegne ihm, seit er sich damit beschäftige, überall. «Im Januar war das Stück fertig geschrieben.» Seither probe die Gruppe fast jeden Sonntag. «Das Stück ist eine Herausforderung. Es beinhaltet zahlreiche Wechsel in der Spielform und das ist ziemlich anspruchsvoll.»

Rostfrei startete als Jugendtheater der «Werkstatt für Theater» von Livio Andreina. Doch die Jugendlichen wurden älter und wollten einfach nicht aufhören. So wurde aus dem Jugend- ein Junges Theater. Die Thematiken der drei Stücke, die Fellmann mittlerweile für Rostfrei geschrieben hat, stehen sich sehr nahe. Vom Amoklauf über Occupy zur Faszination für die Apokalypse. Man könnte fast von einer Trilogie sprechen.

Übrigens: Um auch finanziell gut über die Runden zu kommen, hat das Theater Rostfrei eine Crowdfunding-Kampagne gestartet.

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