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Fast zwei von drei Asylsuchenden erhalten Schutz
  • Politik
Derzeit sind in den Luzerner Zentren deutlich mehr Flüchtlinge unterzubringen. (Bild: Emanuel Ammon/AURA)

Aktuelle Zahlen zur Luzerner Situation Fast zwei von drei Asylsuchenden erhalten Schutz

2 min Lesezeit 1 Kommentar 09.09.2015, 13:43 Uhr

Auch wenn die Schweiz derzeit von den Flüchtlingsströmen umgangen wird: 200 Zuweisungen monatlich und eine hohe Schutzquote führen in Luzern zu einem akuten Unterbringungsengpass. Neu sollen diese anders auf den Kanton verteilt werden. An einer Tagung wurden zudem die aktuellen Kosten bekannt.

Der Kanton Luzern erhält derzeit 4,9 Prozent der Asylsuchenden in der Schweiz zugewisen. Aktuell sind dies rund 200 Personen im Monat. Zum Vergleich: Zug hat 1,4 Prozent aufzunehmen. Gleichzeitig ist die Schutzquote – also der Anteil der Asylsuchenden, welche vorläufige Aufnahme erhalten oder als Flüchtlinge anerkannt werden – in Luzern auf deutlich über 60 Prozent gestiegen. Dies hat zu einem akuten Unterbringungsengpass im Kanton Luzern geführt. Im August wurden rund 1’100 zusätzliche Betten für die Unterbringung benötigt, wie an der ersten Luzerner Asyl- und Flüchtlingskonferenz vom Dienstag klar wurde.

Stadt nimmt mehr auf, als sie müsste

600 Bewerbungen für Asyl-Aufgaben

Letzten April hat der Kanton Luzern den Leistungsauftrag mit der Caritas gekündigt. Er will Asylsuchende in Eigenregie unterbringen und betreuen. Die Regierung verspricht sich dadurch Einsparungen. Laut Ruedi Fahrni gingen für die 30 ausgeschriebenen Funktionen bisher über 600 Bewerbungen ein. 64 Bewerbungen stammten von Caritas-Mitarbeitenden.

Damit die Personen untergebracht werden können, gelangt zukünftig ein neuer Verteilschlüssel zur Anwendung. Bisher wurde nur auf die Zahl der Asylsuchenden abgestellt, neu werden für die Verteilung auch vorläufig aufgenommene Personen und Flüchtlinge gezählt. Gemäss diesem Schlüssel zeigt sich beispielsweise, dass die Stadt Luzern mit ihren derzeit 80’500 Einwohnern 699 Personen aufnehmen müsste – aktuell leben in der Stadt 120 mehr. Dies ist ein Beispiel, dass sich «die schwierigen Aufgaben im Asylbereich nur im Dialog zwischen Kanton und Gemeinden lösen lassen», wie Regierungsrat Guido Graf an der Konferenz sagte. Er habe die Bereitschaft der Gemeinden gespürt, den Kanton in der sehr schwierigen Lage zu unterstützen.

Damit Luzern in den nächsten Monaten genügend Unterkunftsplätze schaffen kann, brauche es nebst Notunterkünften für Asylsuchende auch wieder mehr individuellen Wohnraum in den Gemeinden. Aus diesem Grund werde auch die Gemeindeverteilung wieder aktuell, sagte der kantonale Asyl- und Flüchtlingskoordinator, Ruedi Fahrni. Gemeinden mit Aufnahmesoll würden daher einen neuen Zuweisungsentscheid erhalten, die Plätze müssten innerhalb von 10 Wochen bereit stehen.

Kosten verschiedener Unterbringungsarten

Dies auch vor dem Hintergrund der Unterbringungskosten. Simon Gerber, kantonaler Fachspezialist für das Asyl- und Flüchtlingswesen, zeigte einen Vergleich der verschiedenen Zentren auf. Während ein Platz im Zentrum Rothenburg jährlich 3’666 Franken kostet, betragen die Kosten für die Notunterkunft Willisau pro Platz 4’333 Franken. Am teuersten ist jedoch eine Containerlösung mit rund 5’000 Franken je Platz. Darin nicht enthalten sind die Kosten für Nahrung, Lebensunterhalt, Betreuung, Gesundheit etc. Insgesamt erhält der Kanton vom Bund je Flüchtling eine Monatspauschale von 1’461.26 pro Person.

Diskussion mit Gemeindevertretern

An einem Podium nahmen mit Thomas Lehmann (Emmen), Jim Wolanin (Neuenkirch) und Bernhard Achermann (Reiden) auch drei Gemeindevertreter teil. Unter Einbezug der Teilnehmenden wurden die Herausforderungen der Gemeinden diskutiert. Sie seien insbesondere im Schulbereich, bei vormundschaftlichen Massnahmen sowie bei der Sozialhilfe, für welche sie nach zehn Jahren zuständig sind, gefordert.

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1 Kommentare
  1. Boris Kerzenmacher, 14.09.2015, 16:03 Uhr

    hiess es immer! Daher ist man auch immer davon ausgegangen, dass die EU-Aussengrenzen gesichert werden. Und jetzt stellt sich plötzlich heraus, dass da nicht mal ein Gartenzaun steht. Einfach nichts ist da, unglaublich!

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