Du kannst nicht ohne Fasnacht? Was du in Luzern tun darfst – und was nicht
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Guuggensound und Lärm dürfte es dieses Jahr in Luzern kaum geben. (Bild: Fabrizio Izio)

Die acht drängendsten Fragen vor dem Schmudo Du kannst nicht ohne Fasnacht? Was du in Luzern tun darfst – und was nicht

4 min Lesezeit 11 Kommentare 04.02.2021, 14:59 Uhr

Dass die Fasnacht in Luzern dieses Jahr wegen Corona ausfällt, tut vielen im Herzen weh. Manche Luzerner liebäugeln mit einer «Fasnacht light», also damit, wenigstens ein bisschen Fasnachtsstimmung aufkommen zu lassen. Wir sagen, welche Regeln es dabei zu beachten gilt.

Die Message des Kantons ist klar: Er fordert die Luzernerinnen auf, 2021 auf «fasnächtliche Aktivitäten» zu verzichten (zentralplus berichtete). Die Regierung kündigte an, dass die Luzerner Polizei während der Fasnachtstage vermehrt im öffentlichen Raum präsent sein wird. Das vom Bundesrat angeordnete Veranstaltungsverbot werde durchgesetzt – und wer dagegen verstösst, riskiert eine Anzeige.

Wie so oft in den letzten Monaten wird auch in diesem Fall wieder rege darüber diskutiert, wie diese Regeln zu verstehen sind. zentralplus hat bei der Luzerner Polizei detailliert nachgefragt.

Darf ich in voller Fasnachtsmontur inklusive «Grend» in die Stadt?

Grundsätzlich kannst du jeden Tag anziehen, was du willst. In fast allen Kantonen bis auf Weiteres auch eine Burka. Und auch an der Fasnacht gibt es keine Kleidervorschriften. Wer also eine Perücke trägt, muss nicht befürchten, gleich verhaftet zu werden.

In gewissen Fussgängerzonen gilt – man glaubt es kaum – sogar eine Maskenpflicht. Mit Maske ist aber nicht «Grend» gemeint, sondern eine Hygienemaske. Diese muss getragen werden, wenn ein Abstand von 1,5 Metern zu anderen Menschen nicht eingehalten werden kann.

Dürfen wir zu fünft unter Einhaltung der Abstandsregeln und mit Schutzmaske in der Altstadt Schlagzeug spielen?

Nein. Es gilt ein Veranstaltungsverbot, unabhängig von der Personenzahl. Wenn eine Gruppe im öffentlichen Raum musiziert, verstösst sie gegen diese Bestimmung. «Wir appellieren an die Bevölkerung, gänzlich auf sämtliche Fasnachtsaktivitäten zu verzichten, um unnötige Kontakte und Infektionen zu vermeiden», sagt dazu Polizeisprecher Christian Bertschi.

Darf ich alleine, Trompete spielend, durch die Gassen gehen?

Es ist nicht zu empfehlen. Denn sobald ein paar Passanten stehen bleiben und zuhören, könnte dies unter das schweizweit geltende Versammlungsverbot fallen. Es ist also möglich, dass die Polizei auch in solchen Fällen interveniert.

Was ist, wenn wir mit unserem Kaffeewagen unterwegs sind und zu viert ein paar Kafi-Schnaps trinken?

Es gilt ein generelles Veranstaltungsverbot – unabhängig von der Personenzahl. «Eine solche Gruppe würde an einer nicht bewilligten Veranstaltung teilnehmen. Wir appellieren an die Bevölkerung, gänzlich auf sämtliche Fasnachtsaktivitäten zu verzichten», wiederholt Bertschi die klare Anweisung. Das Ziel sei, alle unnötigen Kontakte und Infektionen zu vermeiden, auch während der Fasnacht.

Dürfen wir ein Gratis-Kafi an Passanten verteilen, wenn sich diese rasch entfernen und sich an die geltenden Abstandsregeln halten?

Nein. Der Ausschank zur Konsumation vor Ort wäre gemäss Christian Bertschi ein Verstoss gegen das Restaurationsverbot. Bei Fasnachtswagen wird das Getränk in der Regel vor Ort konsumiert. Dies ist zurzeit nicht zulässig.

Darf ich als Beizer (alkoholische) Getränke im Take-away abgeben?

Ja. Take-away ist gemäss Covid-19-Verordnung erlaubt, sofern gewährleistet wird, dass Ansammlungen vermieden werden und die Konsumation nicht vor Ort stattfindet. Betriebe, die keine gastgewerbliche Bewilligung haben, müssen sich an die Schliessungszeiten gemäss Ruhetags- und Ladenschlussgesetz halten. Die Covid-19-Verordnung wird von den kantonalen und kommunalen Behörden durchgesetzt, und zwar sowohl bei der Prüfung von Gesuchen als auch bei der Kontrolle von Situationen vor Ort.

Gilt am Schmudo am Abend die Nachtruhe um 22 Uhr oder ist Krach die ganze Nacht erlaubt?

Wer laut in den eigenen vier Wänden mit seinen vier besten Freunden Guuggenmusig hört und Holdrio trinkt, kann sich nicht auf sonst gewohnte Toleranz an der Fasnacht verlassen. Die Nachtruhe gilt gemäss Übertretungsstrafgesetz im Kanton Luzern an jedem Tag des Jahres von 22.00 bis 06.00 Uhr.

«An den Fasnachtstagen wird in der Regel wie beispielsweise auch an Silvester mehr Lärm toleriert», meint Polizeisprecher Christian Bertschi zwar. Aber: «Wir können nicht beurteilen, ob die Bevölkerung auch in diesem Jahr an den Fasnachtstagen mehr Lärm toleriert. Gehen Meldungen betreffend Ruhestörung ein oder wird gar eine Anzeige gemacht, hat die Polizei den gesetzlichen Auftrag, den Meldungen nachzugehen und Anzeigen entgegenzunehmen.»

Was passiert, wenn ich die Fasnachtsregeln ignoriere?

«Werden Fasnachtsaktivitäten festgestellt, wird die Polizei nach Möglichkeit intervenieren und den Dialog suchen», kündigt Sprecher Christian Bertschi an. Was dann passiert, hängt von der Situation vor Ort ab. Denkbar sind je nach Situation eine Verwarnung, Wegweisung, eine Ordnungsbusse oder eine Anzeige. Wer gegen die Covid-19-Verordnung verstösst, kann gemäss Bundesrat mit einer Busse in der Höhe von 50 bis 200 Franken bestraft werden.

Dieser Artikel erschien erstmals am 4. Februar 2021.

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11 Kommentare
  1. G. Trotzdem, 06.02.2021, 01:14 Uhr

    Das Sempacherlied gehört nicht an die Luzerner Fasnacht sondern an die Schlacht von Sempach bzw. deren folkloristische Verklärung. Es ist ein töteliges Lied mit garstigem Text von blutigem Heldentum, man sollte es wirklich nicht mehr spielen. Zuviele Tote. Traurig. „Haued de Chatz de Schwanz ab“, eigentlich DAS Luzerner Fasnachtslied, verstösst aber wohl gegen das Tierschutzgesetz. Trotzdem zu bevorzugen. Die Katze stirbt ja nicht, sie will bloss an die Fasnacht.

  2. Res Blaser, 05.02.2021, 14:44 Uhr

    Als angefressener Fasnächtler habe ich hier einen Link für all jene, die noch immer nicht verstanden haben, um was es bei der Epidemie Covid-19 bezüglich Fasnacht 2021 wirklich geht.
    Einen weiteren Verzicht für die Gesellschaft macht dich nicht nur zu einem richtigen Fasnächtler sondern zeigt, dass du deine Mitmenschen magst und schützen willst.
    Wir sehen uns in irgend einer Form wieder an der Fasnacht 2022.

    Res Blaser
    https://youtu.be/xIS5HPPhZjk

  3. Erich, 04.02.2021, 20:24 Uhr

    Ich finde es lachhaft was da schon wieder entschieden wurde.. diese Fastnacht könnte ganz normal weiterfahren.. schaut nach Schweden Tansania Mexico überall wo kein lockdown oder Masken vorgeschrieben sind .. die Leute leben besser .. diese dämlichen Vorschriften zerstören die gesamte Wirtschaft .. zwingt uns schon fast zu einen unsozialen verhalten . Der Bundesrat hat ganz einfach sein Volk verkauft

    1. CScherrer, 05.02.2021, 07:37 Uhr

      Auffallend, dass sich nur Menschen darüber beklagen, welche nicht in der Lage sind, einen Kommentar ohne Fehler zu schreiben.

  4. Roli Greter, 04.02.2021, 18:51 Uhr

    Es wird Fasnächtler geben in der Stadt und den Luzerner Gemeinden und das ist gut so.

  5. L. Tobler, 04.02.2021, 17:56 Uhr

    Sehr geehrter Herr Birnstiel, mit solchen Artikeln giessen Sie nur Öl ins Feuer. Leider gilt ein Veranstaltungsverbot. Die Fasnacht darf also nicht stattfinden, auch nicht „light“. Da ist es etwas müssig, bei der Polizei nachzufragen, was erlaubt ist und was nicht. Ich bin auch kein Fan von all diesen Massnahmen. Aber die Schweiz ist – zum Glück – ein Rechtsstaat und wir haben uns an die Verfassung, Gesetze und Verordnungen zu halten.

    1. Redaktion Claudio Birnstiel, 04.02.2021, 18:54 Uhr

      Vielen Dank für ihre Rückmeldung. Die Kritik, mit diesem Artikel Öl ins Feuer zu giessen, kann ich so nicht nachvollziehen. Denn wie Gespräche sowohl auf der Redaktion wie auch in meinem privaten Umfeld gezeigt haben, gibt es Leute, denen nicht klar ist, was nun tatsächlich erlaubt ist und was nicht. Ausserdem haben wir in direkten Gesprächen mit Leuten erfahren, dass sie sich zum Beispiel vorstellen können, am Schmudo um 5 Uhr verkleidet und mit einem Instrument durch die Gassen zu spazieren, worauf auch unsere Fragen basieren. Zudem wurde unseres Wissens die Fasnacht per se nie abgesagt. Wie sie richtig schreiben, gibt es ein striktes Verbot von Veranstaltungen. Deshalb hält die Polizei ja strikt fest, dass eine Menschenansammlung von fünf Personen bereits eine Veranstaltung und folglich untersagt ist. Die «Fasnacht» an sich ist gemäss unserer Interpretation indes kein Anlass, sondern ergibt sich aus dem Zusammenspiel tausender grosser und kleiner Veranstaltungen, die parallel und auf engstem Raum stattfinden. «Fasnacht» beschreibt die Zeit vor dem Aschermittwoch, der immer genau 40 Tage vor Ostern liegt und ist somit ein Begriff, der sich auf den Kalender beziehen lässt. Fazit: «Fasnacht» an sich ist auch 2021, genauso wie Ostern und Pfingsten. Und deshalb wird, Pandemie hin oder her, auch im kommenden Jahr Fasnacht sein. Egal ob die Menschen auch dann wieder zu Hause sitzen, oder auf den Gassen feiern. Und letztlich ist klar, dass es auch dieses Jahr Leute geben wird, die diese besonderen Tage irgendwie feiern und begehen – inklusive des «Sämpacher», der zur Lozärner Fasnacht gehört wie «Stille Nacht» zu Weihnachten. Aus diesen Überlegungen heraus ist dieser Artikel entstanden. Beste Grüsse, Claudio Birnstiel

  6. mebinger, 04.02.2021, 16:40 Uhr

    Wenn sich Fasnächtler an diesen fundamentalistischen Irrsinn halten, sind sie keine Fasnächtler und ich hoffe, ihr wählt alle ab, die eure Fasnacht mutwillig und in vollkommener Übertriebenheit ohne jeglichen gesunden Menschenverstand zerstöre, weil sie sklavisch Regeln einhalten, welche von einem völlig überforderten und dilettantischen Bundesamt erlassen werden und zudem verfassungswidrig sind

    1. Erich, 04.02.2021, 20:28 Uhr

      Genau so sehe ich das auch .wenigstens einer der sich den Mut hat das auszusprechen was er denkt

    2. F. Vernunft, 05.02.2021, 07:48 Uhr

      Ebinger, DER Corona-Kritiker des Ennetsees…
      Tausende Tote wäre Ihnen lieber? Schauen Sie mal nach Spanien, in die USA oder aktuell Portugal und bestätigen Sie mir, dass sie die dortige Situation gegen die unsere tauschen wollen?

    3. CScherrer, 05.02.2021, 09:56 Uhr

      @Mebinger: Ihre Kommentare sind teilweise äusserst bemühend. Wissen Sie überhaupt, was Fundamentalismus ist? Können Sie erklären, wer sich in der Schweiz kompromisslos an ideologischen oder religiösen Grundsätzen festhält? Sie haben keine Ahnung, wie es sich verhält, wenn man in einem Staat lebt, wo so etwas an der Tagesordnung ist. In der Schweiz können Sie Ihre blödsinnigen Behauptungen verbreiten, ohne dass Ihnen etwas geschieht. Seien Sie froh und dankbar, dass Sie in einer demokratischen und sozialen Gesellschaft leben können. Auch wenn Sie keine Ahnung haben, dürfen Sie Ihren Quatsch schreiben. Ich bin mir vollkommen bewusst, dass für die Nichtgehörten zurzeit sehr schwierig ist. Dennoch sind all die Infizierten, die unzähligen Toten und die Menschen, die an den Langzeitfolgen (Long Covid Syndrom) leiden, eine reale Tatsache.

Die zentralplus Redaktion wünscht Dir einen schönen Tag!

Wir möchten einfach kurz Danke sagen. Danke, dass du zentralplus liest.