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Familien in der Teiggi mussten ihre Wohnung wieder räumen
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Die Terrassen der Wohnungen sind miteinander verbunden. (Bild: jwy)

Rückschlag für Krienser Wohnexperiment Familien in der Teiggi mussten ihre Wohnung wieder räumen

4 min Lesezeit 09.02.2019, 05:03 Uhr

Seit einem halben Jahr ist die Teiggi im Krienser Zentrum bevölkert. Nun muss ein Haus wegen Schimmelbefall bereits wieder aufwendig saniert werden. Die betroffenen Familien hatten dabei Glück im Unglück.

Familien, Gross-WGs, Einzelwohnungen, Gewerbe: Die Teiggi ist eine bunt durchmischte Überbauung im Zentrum Kriens. In der ehemaligen Teigwarenfabrik hat die Luzerner Baugenossenschaft Wohnwerk 90 Wohnungen und 25 Ateliers realisiert (zentralplus berichtete).

Im letztem Herbst hat die Teiggi ihren «Betrieb» aufgenommen und gilt als autoarme Vorzeigesiedlung. Doch nun folgt nach einem halben Jahr bereits ein Rückschlag: Bewohner eines Gebäudeteils mussten vorübergehend wieder ausziehen. Betroffen sind fünf Familien, ein Single-Haushalt und drei Gewerbe-Ateliers.

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Feuchtigkeit in der alten Bausubstanz

«Wir haben im Gebäude Degenstrasse 1 einen Feuchtigkeitsschaden, der behoben werden muss», bestätigt Barbara Bitterli, Geschäftsführerin des Wohnwerks Luzern. Das betroffene Gebäude ist kein Neubau, sondern einer der Altbauten, die saniert wurden.

Der Sturm Burglinde habe im Januar 2018 eine Schutz-Abdeckung des Hauses weggefegt. Die Folge: «Es konnte sehr viel Feuchtigkeit in die alte Bausubstanz eindringen», so Bitterli. Offenbar sei es in der Folge nicht gelungen, das Gebäude genügend auszutrocknen – so kam es zum Schimmelbefall.

Bei den Ateliers und Gewerberäumen im Erdgeschoss der Degenstrasse 1 dringt zudem Bodenfeuchtigkeit ein. «Die Mängel werden nun sorgfältig behoben, was nicht schnell geht und einen tiefen Eingriff in die Wohnung bedarf», sagt Bitterli weiter. Der Generalunternehmer setze nun alles dran, das Problem sehr seriös zu lösen.

Die Wohnsiedlung Teiggi in Kriens.

Die Wohnsiedlung Teiggi in Kriens.

(Bild: zvg)

Familien konnten in der Teiggi bleiben

Glück im Unglück für die betroffenen Bewohner: Sie müssen zwar nach wenigen Monaten ihre Wohnung verlassen, finden aber während der gestaffelten Sanierung in den letzten drei freien Wohnungen in der Teiggi Unterschlupf. «Wir sind sehr froh darüber, dass alle Familien in der Teiggi bleiben können», so Bitterli. Bis im Sommer sollen alle wieder in ihre angestammten Wohnungen zurück können.

Bezüglich Zusatzkosten kann das Wohnwerk noch keine Angaben machen. Die Sanierung ist ein Versicherungsfall, der aber noch hängig sei.

«Es konnte sehr viel Feuchtigkeit in die alte Bausubstanz eindringen.»

Barbara Bitterli, Wohnwerk

Abgesehen von diesem Vorfall gab es kaum Wechsel in der Teiggi. Auf September werden zwei Wohn-Ateliers für 1655 Franken monatlich wieder frei, die jetzt während der Sanierung vorübergehend genutzt werden. Eine Mieterin hat zudem auf Ende April gekündigt.

Dass die Räume der Teiggi seit Ende 2018 komplett vermietet sind, sei keine Selbstverständlichkeit, so Bitterli, zumal die Wohnform in der Teiggi als Wohnexperiment gilt. Die meisten Mieter hätten sich aufgrund von Plänen, Skizzen und Visualisierung für die Teiggi entschieden.

Zwei Wohn-Ateliers zu haben

«Die Vollvermietung sehen wir als schöne Bestätigung für das Projekt und dafür, dass gutes Wohnen für viele Menschen heute mehr bedeutet als vier Wände und eine schöne Marmorabdeckung in der Küche», sagt Bitterli.

Mit der Vollvermietung in so kurzer Zeit stehe man im regionalen Vergleich sehr gut da. Darum sei die Baugenossenschaft zuversichtlich für das nächste Projekt: An der Industriestrasse in Luzern wird das Wohnwerk neben anderen Genossenschaften bis 2023 44 Wohnungen realisieren (zentralplus berichtete).

Neben dem Waschsalon befindet sich die eigene Kita.

Neben dem Waschsalon befindet sich die eigene Kita.

(Bild: jwy)

Viel los in der Siedlung

Mit dem bisherigen Zusammenleben in der Teiggi sind die Verantwortlichen zufrieden. Die bisherigen Rückmeldungen seien positiv. Unter den Mieterinnen, Stockwerkeigentümern und Gewerbetreibenden gebe es spontane Begegnungen, Vernetzung und neue Freundschaften. «Es finden Lesungen, Degustationen, Workshops, interne und externe Anlässe statt», sagt Barbara Bitterli. Auf dem Gelände gibt es unter anderem ein Büchercafé, eine Pizzeria, eine Bierbrauerei, Ateliers oder eine eigene Energie-Genossenschaft.

Bewohnerinnen und Gewerbe hätten die Teiggi «übernommen» und gestalten das Leben aktiv mit. «Es passiert so viel und die Siedlungswerkstatt wird stark genutzt», freut sich Bitterli über die engagierte Bewohnerschaft.

Ob die Ziele bezüglich Zusammenleben, Lebensqualität und Nachhaltigkeit auch längerfristig erreicht werden, wird sich weisen. «Ob das dann wirklich funktioniert, ist auch für uns spannend zu sehen», sagt Bitterli. Für eine Bilanz sei es jetzt noch zu früh.

Parkplätze sind nicht begehrt

Überrascht ist die Baugenossenschaft Wohnwerk vom Verkehrskonzept: Von den 30 Parkplätzen in der Einstellhalle sind bis heute nicht alle vermietet. «Das zeigt, dass wir hier auf dem richtigen Weg sind», sagt Bitterli. Besser ausgelastet seien die total 279 Veloabstellplätze auf dem Areal.

Priorität hätten in der Einstellhalle übrigens Elektroautos, jedoch hat noch keiner der Bewohner ein solches. Das würde eine noch effizientere Nutzung der Solaranlage auf dem Dach zulassen, so Bitterli.

Baumängel im Kulturquadrat?

Einwohnerrat Enrico Ercolani (FDP) kritisiert in einer Interpellation Bauschäden im neuen Kulturquadrat Schappe, das verschiedene Kulturangebote vereint. Der Kulturraum weise bereits nach einem halben Jahr sichtbare Schäden auf. «Wie nicht anders zu erwarten und von der FDP vorausgesagt», so Ercolani.

Hohlstellen und Risse an der Fassade seien besonders problematisch. «Werden kurzfristig keine Gegenmassnahmen ergriffen, können grössere Schäden nicht ausgeschlossen werden.» Frost, Nässe und Schnee würden der Fassade besonders zusetzen.

Der Politiker glaubt auch bereits die Ursachen zu kennen: Der Schaden sei auf fachliche lnkompetenz zurückzuführen und hätte mit einer Fachbegleitung verhindert werden können. Ercolani will vom Krienser Stadtrat jetzt wissen, wer für die Schäden verantwortlich sei, was er jetzt unternehme und wer die Sanierung bezahle. «Hat der Stadtrat ein Konzept, wie die bautechnischen Mängel, die teilweise tief im Erdreich liegen und Haupursache für die Mängel sind, saniert werden sollen?», so der Einwohnerrat.

Das Kulturquadrat Schappe in Kriens.

Das Kulturquadrat Schappe in Kriens.

(Bild: zvg)

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