«Familie Eichwäldli» muss definitiv aus der Soldatenstube ausziehen
  • Regionales Leben
Das besetzte Haus war eine ehemalige Soldatenstube. (Bild: jru)

Keine Einigung mit der Stadt Luzern «Familie Eichwäldli» muss definitiv aus der Soldatenstube ausziehen

3 min Lesezeit 8 Kommentare 29.09.2020, 11:05 Uhr

Der Stadtrat hat entschieden, dass die «Familie Eichwäldli» bis Ende Januar 2021 aus der einsturzgefährdeten ehemaligen Soldatenstube am Murmattweg 2 ausziehen muss. Das Gebäude soll danach abgerissen werden. Auf Vorschläge der Stadt hat die Gruppe nicht reagiert.

Nun ist’s vorbei mit der Zwischennutzung in der ehemaligen Soldatenstube am Rande der Luzerner Allmend. Die «Eichwäldli-Familie» muss aus dem Gebäude ausziehen. Damit findet eine emotionale und in der Stadt von vielen Misstönen begleitete Geschichte ein Ende. Für die Anliegen der Eichwäldli-Bewohnerinnen gingen im Januar 2019 sogar rund 80 Menschen auf die Strasse (zentralplus berichtete).

Als Grund für den erzwungenen Auszug der Gruppe nennt die Stadt Sicherheitsrisiken in der Gebäudestatik. Bereits im Sommer 2019 hat die Stadt ein Bewohnen des Anbaus aus Sicherheitsgründen untersagt und den Gebäudeteil räumen lassen.

Nicht zu weiteren Gesprächen bereit

Nun haben bautechnische und statische Gutachten gezeigt, dass auch das Hauptgebäude baufällig ist. «Eine Gesamtsanierung des Gebäudes wäre wirtschaftlich nicht verhältnismässig», heisst es in einer Medienmitteilung der Stadt. Darum soll die ehemalige Soldatenstube abgerissen werden.

Der Stadtrat habe die Anliegen der Familie «grundsätzlich respektiert», heisst es weiter. Deswegen hat er angeboten, über eine Nutzung des Areals beispielsweise mit einer Wagenburg zu diskutieren. Dies auch, weil heute schon einige Wagen auf dem Gelände stünden.

Areal soll neu genutzt werden

Mitte September kam dann die Absage der Familie an die Stadt. Sie könne sich «eine Lösung ohne das Haus nicht vorstellen». Gemäss Stadt sei die Gruppe nicht zu weiteren Gesprächen bereit und halte daran fest, sowohl das Haus als auch den einsturzgefährdeten Anbau zu bewohnen. Vor Ort wollten die Bewohnerinnen noch keine Auskunft geben. Für den Sonntag ist jedoch eine Sitzung anberaumt, an welcher unter anderem über die Zukunft des Kollektivs diskutiert werden soll.

Aus Kulanzgründen hat sich die Stadt dazu bereiterklärt, der Familie bis Ende Januar 2021 Aufschub zu gewähren und Zeit zu geben, ein neues Zuhause zu finden. Spätestens dann aber rollen die Abrissbagger an. Das Gelände soll künftig für eine «quartiernahe Nutzung» verwendet werden und Platz für KMU, Kleingewerbe und Kultur bieten. Kurzfristig will die Stadt das Areal «durch die Quartierbevölkerung beleben» und steht darum mit dem Quartierverein Obergrund und dem Verein Brache Eichwäldli in Kontakt.

Komplizierte Geschichte

Der Rauswurf ist wohl die letzte Konsequenz einer komplizierten Beziehung zwischen Stadt und den Hausbewohnern. Die «Familie Eichwäldli» zog im Sommer 2018 als Untermieterin des damaligen Vermieters in die alte Soldatenstube ein. Nach dem Ablauf des Mietvertrags Ende 2018 weigerte sich die «Familie Eichwäldli» jedoch, auszuziehen und rief die Besetzung des Gebäudes aus (zentralplus berichtete).

Nach einigen Gesprächen im Frühling 2019 hat die Stadt Luzern mit der Familie einen befristeten Gebrauchsleihvertrag für den Hauptteil des Gebäudes abgeschlossen – der Anbau wurde aus Sicherheitsgründen geräumt. Der Vertrag wurde später bis zum 30. September verlängert.

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8 Kommentare
  1. Tobias Mueller, 30.09.2020, 16:58 Uhr

    Die Begriffe “baufällig” und “einsturzgefährdet” sind ganz offensichtlich nur einigen Erlesenen verständlich, weshalb ein Hinweis auf die Worte “Eigenverantwortung” und “fahrlässig” wohl wenig Resonanz auslöst. Umso heftiger kann deshalb die Reaktion erwartet werden, sollte durch einen etwaigen Einsturz tatsächlich ein Familienmitglied zu Schaden kommen.

    Es existiert übrigens nicht sehr weit westlich von der Allmend ein stillgelegtes Fabrikareal eines Turbinenherstellers, welches sich gefahrlos kreativ bewohnen liesse.

  2. Müller, 29.09.2020, 15:16 Uhr

    WER googelt Luzern ano als dort noch der Flughafen war wird Staunen ein kleines Seeli so auch ein Sessellift der über Allmend schwebte , klar die Allmend ist Baureserve nur wie lange noch man hätte ja die Allmend Hochhäuser auch da Bauen können einer als Miete 2 Eigentum, oder man macht endlich was Vernünftiges daraus ein Park, ein Gelände wie ZH für Knie und Mäs man hat ja den ZUG, oder eben wie Geplant die Seilbahn Krienseregg in die Almend wäre ja genial, die Anbindung zu Luzern Kriens wäre das Caos los nur eben die CH,

    1. Michael Weinberg, 29.09.2020, 17:34 Uhr

      Vielen Dank für die wertvollen und gut nachvollziehbaren Gedanken!

  3. Hans Hafen, 29.09.2020, 14:51 Uhr

    Das auf falsch verstandener Nachsichtigkeit basierende Verhalten der Stadt Luzern kann ich persönlich nicht nachvollziehen. Eine ganz offensichtliche, widerrechtliche und unverschämte Bevorzugung gewisser pseudopolitisch aktiver (ausserparlamentarische Opposition?) Gruppen und eine Nicht-Ahndung (im städtischen Kommunikationsmodus heisst es dann folgenschwer: Deeskalation u/o Bürgernähe) fehlbaren Verhaltens sind im Rahmen der Gewaltenteilung Kompetenzen, welche die Stadt ohnehin gar nicht hat. Handeln und gleichbehandeln jetzt! Die Stadt Luzern muss langsam aber sicher selber mit einer Beschwerde beim Verwaltungsgericht rechnen, wenn sie nicht endlich tätig wird und geltende Verträge durchsetzt. Alles andere ist eine Klatsche ins Gesicht der StadtluzernerInnen, welche sich korrekt verhalten.

    1. CScherrer, 30.09.2020, 08:52 Uhr

      Zum Glück haben wir in der Stadt besonnene Mitarbeiter. Würde diese wie frustrierte Wutbürger reagieren, hätten wir vermutlich schon einen Bürgerkrieg. Kriegen Sie sich also wieder ein. Das kommte schon gut.

    2. Hans Hafen, 30.09.2020, 09:48 Uhr

      Die Denunziationsfigur des «frustrierten Wutbürgers» verfängt schon lange nicht mehr. Ist lediglich das pendant zum «naiven Gutmenschen» . Auch das hat Null Wertigkeit. Mir wäre es lieber, Sie könnten inhaltlich etwas beitragen. Herzlich, Ihr Hans Hafen.

  4. Eich Wäldler, 29.09.2020, 13:45 Uhr

    Etwas verstehe ich wirklich nicht! Wenn ein Mietvertrag Ende September 2020 ausläuft, warum muss man dann das Gebäude erst Ende Januar 2021 verlassen haben? Aufgrund der Wischi-Waschi-Politik des Stadtrates in diesem Thema müsste man ihn auf die Höhe des ausstehenden Mietzinses verklagen können. Mieteinnahmen sind ein wesentlicher Teil der Staatskasse (und gehören somit dem Steuerzahler). Man braucht wohl kein Prophet zu sein, um vorauszusagen, dass diese «Bewohner» auch im Februar 2021 noch in diesem Haus wohnen werden.

  5. Joseph de Mol, 29.09.2020, 11:30 Uhr

    Die Stadt hat bisher einfach den Weg der geringsten Widerstandes gewählt und versucht, die Eichwäldli-Frage fernab der öffentlichen Wahrnehmung stillschweigend auszusitzen. Es war im Vornherein klar, dass dieses Verhalten nicht von Erfolg gekrönt sein würde. Interessant sind auch die zukünftigen Auswirkungen einer Handlung oder einer Nicht-Handlung der Exekutive auf das Grundstück vis-à-vis (Wagenburg-Stellplatz). Die EBG will im Frühjahr 2021 die neuen Genossenschaftshäuser hochziehen. Ob die Wagenburg-Bewohner bis dann räumen oder doch auch lieber «bleiben wollen»? Besser als jede Soap-Opera! Und das ganz ohne Gebührenfinanzierung.

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