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«Fakten statt Emotionen»: Gemeinde kritisiert betroffene Bauernfamilie
  • Gesellschaft
Die Familie Hofer fürchtet um ihre Existenz, wenn sie keinen Ersatzbau für den Stall finanzieren kann. (Bild: zvg)

Knatsch um Schweinestall in Meggen «Fakten statt Emotionen»: Gemeinde kritisiert betroffene Bauernfamilie

3 min Lesezeit 8 Kommentare 27.06.2019, 12:00 Uhr

Das Medienecho und die Welle der Solidarität mit der Familie Hofer aus Meggen ist riesig. Wegen des drohenden Abrisses des Schweinestalls geriet auch die Gemeinde ins Kreuzfeuer der Kritik. Nun verlangt der Gemeinderat «Fakten statt Emotionen». Die Aussagen der Familie scheinen nicht über alle Zweifel erhaben. 

Der Fall einer Megger Bauernfamilie sorgt seit Tagen für Schlagzeilen. Zur Erinnerung: Weil sich Anwohner über das Stinken der Tiere beschwert hatten, ist eine Fortführung des Bauernbetriebs nicht mehr möglich. Nun steht die Existenz von Familie Hofer auf dem Spiel (zentralplus berichtete).

Es folgte eine Welle der Solidarisierung. «Eine Schweinerei! Auch ich rieche zwar nicht gerne Saugülle. Aber ich ziehe nicht in die Nähe eines Schweinestalls …», schreibt eine Leserin als Kommentar zu dem Artikel, in dem zentralplus die Geschichte der Familie Hofer erzählt. Der Tenor: Der Bauernhof Hochrüti, der seit sieben Generationen von der Familie Hofer betrieben wird, war zuerst da. Zuzüger dürfen sich nicht beschweren. 

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Gemeinde Meggen rechtfertigt sich

Auch die Gemeinde Meggen steht dabei in der Kritik. Bauer Hofer macht aus seinem Unmut kein Geheimnis und moniert mangelnde Unterstützung. Gleichzeitig zeigt er sich wenig zuversichtlich, überhaupt noch auf Hilfe der Behörden zählen zu können. Gemeindepräsident Urs Brücker erklärte letzte Woche, dass ihn der Fall zwar berühre, eine Schweinezucht in diesem Umfang jedoch an diesem Standort nicht möglich sei (zentralplus berichtete).

Nun sieht sich die Gemeinde Meggen erneut gezwungen, zur Situation Stellung zu beziehen. «Fakten statt Emotionen», so die Überschrift der Medienmitteilung diesen Donnerstag. Der Gemeinderat äussert darin zwar Empathie mit der Familie, rollt jedoch auch die Geschichte des Hofes, und die damals gemachten Entscheidungsprozesse in Meggen auf.

Die Gemeinde verweist darauf, dass die heute bestehende Ortsplanung im Gebiet Hochrüti unter anderem die Folge der Bauernfamilie selbst ist. Diese habe zwischen den Jahren 1957 bis 1966 knapp 7’000 Quadratmeter Land ihrer Liegenschaft verkauft. Dieses befindet sich unterhalb des Schweinestalls, also da, wo heute mehrere Villen und Einfamilienhäuser stehen.

Zum Zeitpunkt der ersten Umzonung im Jahr 1977 war diese Landfläche, so die Gemeinde, bereits mehrheitlich überbaut, sodass die Gemeinde dieses Gebiet zwangsläufig einer Bauzone zuweisen musste.

Aus wenigen Mastschweinen wurden plötzlich 20 Zuchtschweine

Das Kernproblem sei jedoch ein anderes: Seit 2015 betreibe die Familie nicht nur sieben Mastschweine wie zuvor, sondern eine Schweinezucht mit 20 Zuchtschweinen und zwei Ebern. Die Umstellung von Mast- zu Zuchtschweinen erforderte bauliche Veränderungen, welche ohne Bewilligung erstellt wurden, so die Gemeinde. Bauer Hofer gab sich bisher unwissend, dass überhaupt eine Bewilligung nötig gewesen wäre. 

Das benachbarte Grundstück wurde im Jahr 2013, also noch vor der grösseren Schweinezucht, durch den heutigen Grundeigentümer erworben, hält die Gemeinde fest. Als sich mit der Erweiterung der Schweinehaltung auch die Geruchsbelastung intensivierte, legte dieser eine Geruchsklage ein. Ein Abbruch des Gebäudes wurde jedoch nicht verfügt, lediglich eine Stilllegung des bestehenden Stalls.

Gemeinde bezweifelt Aussagen der Familie Hofer

Zusätzlich kritisiert die Gemeinde die gemachten Angaben der Bauernfamilie. «Mehrmals legte die Familie Hofer dar, dass die Schweinehaltung in etwa die Hälfte des landwirtschaftlichen Einkommens ausmacht», meint die Gemeinde.

Nach einer Prüfung der Unterlagen des Betriebes dürfte jedoch die Haltung der 20 Zuchtschweinen und zwei Ebern deutlich weniger als die 50 Prozent des Erwerbes der Familie ausmachen.

Wie geht es weiter?

Die laut der Gemeinde Meggen gestartete Spendenaktion soll dazu dienen, dass ein neues Stallgebäude erstellt werden kann. «Bis zum heutigen Zeitpunkt liegt jedoch kein bewilligungsfähiges Bauprojekt vor.» Die Gemeinde fügt an: «Im Rahmen der Vorabklärung hat die Familie Hofer lediglich Standorte für die Erstellung von zwei Gebäuden aufgezeigt, für welche die kantonale Fachstellen keine Bewilligung in Aussicht stellen konnten.»

Weitere Standorte wurden bis anhin nicht geprüft. Im Moment könne deshalb nicht geklärt werden, wann und wo ein möglicher Neubau realisiert werden könnte.

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8 Kommentare
  1. Joseph de Mol, 01.07.2019, 16:04 Uhr

    Auch wenn dies nicht bewiesen werden kann: Die unangenehme Wahrheit schmerzt halt, selbst, wenn sie nicht ausgesprochen werden darf. Da hilft auch keine Nettiquette dieser Welt. Die Wahrheit ist der Beweisbarkeit überlegen. Fragen Sie mal beim Mathematiker Kurt Gödel nach. Der sagt Ihnen dasselbe!

  2. Peter Bucher, 28.06.2019, 10:22 Uhr

    Ich finde es wäre an der Zeit, dass auch Zentralplus sich Gedanken macht, welchen emotionalen Sturm der Entrüstung sie durch einseitige und unvollständig, emotionelle Berichterstattung auslöst. Leitragende sind auch von Gestank Betroffene, die nur ihr gutes Recht einfordern. Vielleicht sollte sie auch gewisse Kommentatoren kritisch redigieren: es grenzt an Rufmord. Guter Journalismus wäre gewesen von Anfang an fundiert über Beide Seiten der Medaille zu berichten.

    1. Redaktion Lena Berger, 28.06.2019, 12:13 Uhr

      Vielen Dank für die kritische Rückmeldung auf den Artikel. Ich kann ihr Anliegen gut nachvollziehen. Zwei Punkte: Bereits im ersten Bericht über den Fall hat zentralplus der Gemeinde die Möglichkeit gegeben, sich zu dem Fall zu äussern. Man tat dies mit extremer Zurückhaltung und äusserte Bedauern über die Situation der Bauernfamilie – die Tonalität war also ganz anders, als in der gestern verschickten Medienmitteilung. Zum zweiten Punkt: Kommentare zu redigieren wäre insofern heikel, als dass wir ja dann dem entsprechenden Leser oder der Leserin etwas in den Mund legen würden, was sie ja vielleicht gar nicht so gemeint hat. Aus diesem Grund werden bei uns die Kommentare so veröffentlicht, wie sie geschrieben worden sind, sofern sie unserer Nettiquette entsprechen.

    2. Peter Bucher, 29.06.2019, 12:59 Uhr

      Wo sind Ihre Grenzen der Nettiquette, wenn ein gewisser Joseph de Mol Menschen die ihre Arbeit im Vollzug der Gesetze erledigen pauschal als Schweine bezeichnet? Und auch sonst durch für mich unakzeptables Vokabular auffällt.

    3. Redaktion Christian Hug, 01.07.2019, 08:04 Uhr

      Danke für den Hinweis

  3. Sabina Renata Holdener, 27.06.2019, 20:46 Uhr

    Ich finde es peinlicher, dass alles nur nach und nach auf den Tisch kommt. Interessant ist, dass hier auf zentral plus (noch) nicht alles zu lesen ist was im neuesten (online)-Artikel der Luzerner Zeitung steht: Nämlich dass das Grundstück, wo die Häuser und Villen der ‘bösen reichen’ Leute stehen ursprünglich zu Hofers Hof gehört hat…. Und schon bebaut war, als es dann 1977 eingezont wurde… und dass der Bauer Hofer von einem jährlichen Einkommen von 80’000 CHF von der Kuhhaltung von über 100’000 CHF von der Schweinehaltung spricht. Obstbäume hat er ja auch noch… Weshalb bei einem solchen Einkommen kein neuer Stall gebaut werden kann ist mir schleierhaft. Es würde die Diskussion sehr versachlichen, wenn bei solchen Artikeln zuerst einmal sauber recherchiert werden würde und nicht nur nachgeschrieben wird was vorgeplappert wird. Und nein, ich finde nicht, dass unsere Gesetze hirnlos sind: Regelmässig lesen wir Berichte, dass der Kanton Luzern ein massives Problem wegen zu hohen Ammoniakemmissionen hat. Da würde es dem Kanton und insbesondere dem Lawa sehr gut anstehen, bei Erhöhungen der Tierhaltung besser hinzusehen und dafür zu sorgen, dass die Gesetze tatsächlich eingehalten werden. Es ist doch schlicht und einfach nicht in Ordnung, wenn jemand ohne die entsprechende Bewilligung einzuholen etwas baut/ vergrössert etc. Und dann jammert, die anderen wären die Bösen!

    1. Redaktion Lena Berger, 28.06.2019, 12:17 Uhr

      Vielen Dank für den wichtigen Hinweis betreffend die früheren Besitzverhältnisse. Das ist eine relevante Information und wir werden den Artikel nun noch entsprechend ergänzen.

  4. Michel Ebinger, 27.06.2019, 15:38 Uhr

    Es wirkt immer peinlich, wenn Bürokraten sich erklären, weshalb sie Unsinniges umsetzen. die Fakten sind klar, Der Landwirt war zuerst da und der reiche Schnösel später. Das unsere Gesetze hirnlos sind, dass wissen wir ja inzwischen zur Genüge. Bürokraten können nicht zugeben, das sie auvh heute ohne mit den Wimpern zu zucken alles umsetzen, was im Gesetz steht. mehr muss ich bald 80 Jahre nach dem 2. WK nicht sagen