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Fabian Peter: «Meine Agenda soll bereits Termine bis ins Jahr 2023 enthalten»
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Ein letztes Mal abschliessen: Fabian Peter wird diese Woche seine Schlüssel für das Inwiler Gemeindehaus abgeben – nach 15 Jahren. (Bild: jal)

Wer ist der neue Luzerner FDP-Regierungsrat? Fabian Peter: «Meine Agenda soll bereits Termine bis ins Jahr 2023 enthalten»

8 min Lesezeit 30.05.2019, 05:00 Uhr

Fabian Peter hat geschafft, was 24 Jahre lang keinem gelungen war: Der FDP-Politiker ist als «Neuer» im ersten Wahlgang auf Anhieb in die Luzerner Regierung gewählt worden. Der 42-Jährige jodelt und ist umweltbewusst, weilt gern unter Menschen und scheint nie anzuecken. Der Inwiler über sein Erfolgsrezept – und die Vorwürfe im Nachgang der Departementsverteilung.

«Es war wie die eigene Hochzeit», sagt Fabian Peter, wenn er auf den Wahlsonntag am 31. März zu sprechen kommt. «Man steht den ganzen Tag im Mittelpunkt, und wenn der entscheidende Moment da ist, kommen Emotionen, Tränen, Feiern. Man fühlt sich wie in einem Film und fällt nach Mitternacht todmüde ins Bett. Erst in den darauffolgenden Tagen realisiert man, was geschehen ist.»

Der 42-jährige Inwiler hat die Wahl in den Luzerner Regierungsrat auf Anhieb geschafft und tritt im Juli die Nachfolge von Robert Küng als Bau-, Umwelt und Wirtschaftsdirektor an (siehe Box).

Das überrascht, weil er zu Beginn nicht als Kronfavorit galt (zentralplus berichtete). Und weil die Hürde bei den Luzerner Regierungsratswahlen relativ hoch ist: Fabian Peter ist seit 1995 – und damit seit der Verkleinerung des Luzerner Regierungsrats von sieben auf fünf Mitglieder – der erste «Neue», der gleich im ersten Durchgang den Sprung in die Exekutive schafft.

Zwar gelang dies auch Guido Graf 2009 und Daniel Bühlmann 2005, allerdings handelte es sich in beiden Fällen um eine Ersatzwahl, wobei die Gewählten jeweils nur gerade gegen eine einzelne Kandidatur der Grünen ins Rennen stiegen.

Klassisches Familienunternehmen

Besuch im Gemeindehaus in Inwil, wo Fabian Peter seit 2004 als Gemeindeammann wirkt. Ein stattliches Gebäude, unauffällig gelb gestrichen, mit Fahnen geschmückt. Es liegt unmittelbar neben dem Sanitär- und Heizungsunternehmen, das der designierte Regierungsrat gemeinsam mit seinem Bruder Markus noch bis Ende Juni führt. Die zwei Brüder in der Geschäftsleitung, zehn Monteure, zwei Lehrlinge, zwei Mitarbeiterinnen in der Administration: ein klassisches KMU.

Der jüngste Bruder der Familie, Roman, hat sich mit seiner Non-Profit-Organisation Trash Hero und dem Kampf gegen Umweltverschmutzung einen Namen gemacht (zentralplus berichtete). Ebenfalls in unmittelbarer Nähe zum Gemeindehaus und zur Firma wohnen Fabian Peter und seine Familie, seine Eltern und seine Brüder. 

Familie, Beruf, Politik: Das tägliche Leben auf wenigen hundert Metern.

Fabian Peter in der Werkstatt seiner Firma, die er gemeinsam mit seinem Bruder führte.

Fabian Peter in der Werkstatt seiner Firma, die er gemeinsam mit seinem Bruder führte.

(Bild: jal)

Als 27-Jähriger ist Fabian Peter zum Gemeindeammann gewählt worden. Diesen Freitag wird er nach 15 Jahren die Schlüssel abgeben. «Da kommt auch etwas Wehmut auf, aber ich kann gut loslassen», sagt er. Zum Abschluss organisiert er für die Mitarbeiter einen Grillabend bei sich zu Hause.

Es passt zu Fabian Peter. Bodenständig und gradlinig, das war sein Wahlslogan. Er war 2015 OK-Präsident des kantonalen Schwingfests in Inwil, jodelt seit zehn Jahren bei den «Freudejuzern», war im Vorstand beim HC Seetal und aktiv in der Jugendgruppe im Dorf. «Ich bin gerne in der Gesellschaft unterwegs», sagt er. Volksnähe im Stil von «SRF bi de Lüt».

Knochenarbeit und ein stiller Moment

Bei den Leuten sein, war auch für sein Resultat am Wahlsonntag zentral. «In den Gesprächen während des Wahlkampfs habe ich oft gespürt, dass die Luzernerinnen und Luzerner den Menschen Fabian Peter kennenlernen wollen und meine Offenheit dazu führt, dass mir die Menschen vertrauen», sagt er. «Die detaillierten politischen Positionen waren da manchmal gar nicht so wichtig, da meine liberalen Werte die Grundrichtung dafür angeben.» Er ist überzeugt: Die direkte Demokratie mit den immer komplexeren Fragestellungen funktioniert nicht, wenn der Bevölkerung das Vertrauen in die politisch Verantwortlichen fehlt. Etwas, das er indes nicht als Kritik am aktuellen Regierungsrat verstanden wissen will.

Für Fabian Peters Team war von Anfang an klar: Das Beste ist, wenn die Menschen den Inwiler persönlich kennenlernen. «Das wirkt viel stärker als das, was man mit Plakaten oder auf Facebook erreichen kann.» Von Sursee bis nach Grossdietwil und Flühli: Fabian Peter hat praktisch jede Ecke des Kantons besucht. «Knochenarbeit» sei das gewesen, sagt er. Und erzählt von einem Abend kurz vor Weihnachten, als er sich zu Hause für einen Anlass bereit machte und im Stillen dachte: so ein Abend zu Hause wäre auch ganz schön. 

«Die Menschen spüren, ob man es macht, nur um gewählt zu werden.»

Eine Bewegung auslösen, war sein Ziel. «Unabhängig von der Partei, die ich vertrete, bekamen die Leute das Gefühl: Der wird der Regierung guttun.» Es sei das Kernelement seiner Kampagne gewesen. Geholfen hat ihm dabei, dass er als politisch gemässigter Kandidat gilt, der keine Extrempositionen einnimmt. Im Gegensatz etwa zum SVP-Wortführer Roger Köppel, der aktuell alle Zürcher Gemeinden abklappert, um im Herbst die Wahl in den Ständerat zu schaffen.

Wie viel eine persönliche Begegnung bewirken kann, bezeugt eine Anekdote. Auf der Strasse sei er einem Wähler der Grünen begegnet und habe mit ihm ein paar Worte gewechselt. «Später erfuhr ich, dass er mich gewählt habe, weil ich auf ihn einen guten Eindruck machte, keine Allüren gehabt hätte – und mit einem ‹normalen› Auto davongefahren sei», erzählt Peter und freut sich.

Für ihn ist klar: «Man muss gerne Menschen haben. Sie spüren, ob man es macht, nur um gewählt zu werden, oder ob man tatsächlich Freude am Austausch hat.»

Das grüne Element

Doch Fabian Peter ist nicht einfach nur der «Gmögige» vom Dorf. Nicht einfach nur der Unternehmer, Gemeindepolitiker und FDP-Kandidat, der ohnehin im Schlafwagen in den Regierungsrat kam. Er ist auch ein Vertreter der jüngeren Generation. Zum einen zieht er mit seinen 42 Jahren den Altersdurchschnitt im Männergremium deutlich nach unten.

Der einzige Neue, der einzige unter 50 Jahren: Fabian Peter (zweiter von rechts) zieht den Altersschnitt im Luzerner Regierungsrat nach unten.

Der einzige Neue, der Einzige unter 50 Jahren: Fabian Peter (zweiter von rechts) zieht den Altersschnitt im Luzerner Regierungsrat nach unten.

(Bild: jal)

Zum anderen gehört er auch inhaltlich nicht zu den FDPlern der alten Garde. Seit vier Jahren im Kantonsrat, hat er das Luzerner Energiegesetz mitgeprägt und dabei seine grüne Seite gezeigt – in Zeiten der Klimadebatte ein wichtiger Aspekt. «Im Wahlkampf musste ich mich nicht verbiegen, sondern konnte glaubwürdig auftreten, weil ich mich schon früher für die Umwelt eingesetzt habe.» Das hat so weit geführt, dass ein SVP-Wähler auf Social Media gewarnt hat, man müsse bei Fabian Peter aufpassen, denn «der werde sogar von den Grünen gelobt».

Die Bürokratie der Grossen

Wer von aussen auf Fabian Peters Karriere blickt, erkennt kaum Umwege. «Nein, es ist nie alles perfekt», entgegnet er und lacht. Er ist auch schon gescheitert, etwa als er Präsident des Verbands Luzerner Gemeinden werden wollte.

«Nur schon die Visitenkarte musste von drei Chefs abgesegnet werden, bevor sie in den Druck durfte.»

Sein beruflicher Weg war ebenfalls nicht stets so klar vorgezeichnet. Nach seinem Ingenieurstudium wollte Fabian Peter lieber in ein Grossunternehmen statt ins elterliche KMU. So landete er bei der ABB. «Es war spannend, aber nur schon die Visitenkarte musste von drei Chefs abgesegnet werden, bevor sie in den Druck durfte», sagt er. Da habe er gemerkt, welche Bürokratie in grossen Unternehmen herrscht und welche grossen Vorteile ein kleiner Betrieb haben kann.

Fabian Peter mit seiner Familie auf der Piste:

 
 
 
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Ein Beitrag geteilt von Fabian Peter (@fabianvpeter) amFeb 27, 2019 um 7:40 PST


 

Nach einem halben Jahr in Australien und Neuseeland habe er gewusst, dass etwas Neues kommen muss. Er kandidierte für die Stelle als Gemeindeammann, wurde im zweiten Wahlgang als Parteiloser gewählt, die Stimmbeteiligung lag bei fast 70 Prozent. «Auch damals konnten wir eine Bewegung auslösen.» Rückblickend könnte es als Basis seines neuerlichen Wahlkampfs bezeichnet werden.

Der Rückhalt der Familie

Wer die Person in den Vordergrund stellt, muss auch Persönliches preisgeben. Eine besondere Rolle spielte diesbezüglich seine Familie. Was 2019 kein Thema sein sollte, ist es eben doch noch – vielleicht gerade deswegen, weil Fabian Peter auf den ersten Blick fast bilderbuchmässig bürgerlich zu sein scheint: Seine Frau Debby, die er an einem Festival kennenlernte, ist dunkelhäutig.

Auch er schweigt

Fabian Peter hat im Wahlkampf keinen Hehl daraus gemacht, dass er am liebsten das Bau-, Umwelt- und Wirtschaftsdepartement übernehmen möchte. So kam es denn auch. Doch anders als erwartet tauschen zugleich Reto Wyss (CVP) und Marcel Schwerzmann (parteilos) das Departement, wobei letzterer das kaum von sich aus gewünscht haben dürfte.

Rasch machten Vermutungen die Runde, wonach diese ungewöhnliche Rochade dank einem Machtpoker der beiden CVP-Regierungsräte unter Mithilfe von Fabian Peter zustande kam. Der Regierungsrat hüllt sich über die wahren Hintergründe in Schweigen (zentralplus berichtete). Und das tut auch Fabian Peter. «Ich kann dazu keine Stellung nehmen», sagt der zukünftige BUWD-Direktor. Er habe aber Verständnis dafür, dass manche enttäuscht seien und sich eine Erklärung wünschten.

Abgesehen von den Nebengeräuschen ist Fabian Peter zufrieden, dass er sein Wunschdepartement erhalten hat. «Ich freue mich auf mein Departement und den Start als Regierungsrat.

«Ich habe oft erlebt, dass die Menschen wegen ihr gwundrig waren», erzählt der Inwiler. Manch einer habe gestaunt, dass sie perfekt Schweizerdeutsch spricht. Sie ist in Brasilien geboren und als Kleinkind im aargauischen Seetal in Meisterschwanden aufgewachsen. «Ausser dem Temperament und der Hautfarbe hat sie kaum etwas von Brasilien», sagt Peter und schmunzelt.

Gerade auch, weil er vereinzelt auch Klischees und sogar bösen Sprüchen begegnete, war es für ihn wichtig, am Wahlsonntag gemeinsam mit Debby ins Regierungsgebäude zu gehen. «Das ist unser gemeinsames Projekt. Denn ohne meine Frau könnte ich das nicht stemmen.»

Ihre beiden Kinder sind fünf und sieben Jahre alt. Wäre Fabian Peter eine Frau, hätte er im Wahlkampf wohl erklären müssen, wer zum Nachwuchs schaut. Familie, Beruf und Politik unter einen Hut zu bringen, bezeichnet auch er als grosse Herausforderung – das dürfte sich in Zukunft kaum ändern.

Fabian Peter wird nicht mehr im Haus um die Ecke arbeiten, sondern in der Stadt. Und seine Frau möchte im Herbst ebenfalls wieder als diplomierte Pflegefachfrau ins Erwerbsleben zurück. «Früher waren die Rollen einfacher verteilt. Heute – und das ist schön, aber aufwendig – gehört es zum modernen Familienleben, dass man sich organisieren muss», sagt der designierte Regierungsrat. «Aber das betrifft alle.»

«Zu realisieren, dass bald andere über die eigene Person und Zeit verfügen werden, bereitet mir manchmal Bauchweh.»

Das Koordinieren wird also mindestens so aufwendig bleiben. «Robert Küng hat mir mal gesagt, in seinem Departement gäbe es eine Agenda, die heisse ‹Nachfolger› und enthalte bereits Termine bis 2023», erzählt Fabian Peter. Und wird für einige Sekunden nachdenklich. «Das bereitet mir manchmal Bauchweh. Zu realisieren, dass bald andere über die eigene Person und Zeit verfügen werden.»

Doch Fabian Peter ist nicht einer, der zaudert. Er lebt nach dem Motto: Chancen packen, vorwärts gehen und keine Angst haben, zu scheitern. «In der Politik geht manchmal eine Tür auf und da muss man im richtigen Moment bereitstehen.» Am 31. März ist ihm genau das gelungen.

Fabian Peter (Mitte) mit seiner Frau und Parteipräsident Markus Zenklusen.

Fabian Peter (Mitte) mit seiner Frau und Parteipräsident Markus Zenklusen.

(Bild: les)

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