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Expat-Frauen brennen auf Berufseinstieg
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Der Kanton Zug will die Partner von Expats in den Arbeitsmarkt bringen – und veranstaltet eigens dafür ein Seminar. Der Anlass stösst auf grossen Anklang. (Bild: Fotolia)

Ansturm auf neue Zuger Veranstaltung Expat-Frauen brennen auf Berufseinstieg

4 min Lesezeit 2 Kommentare 15.01.2016, 10:10 Uhr

In Zug wird ein schlummerndes Bedürfnis geweckt: Die Ehepartner von ausländischen Fachkräften werden ans Berufseinstiegs-Seminar geladen. Damit sticht der Kanton in ein Wespennest.

Zug, das ist die Stadt der Expats. Unzählige hochqualifizierte Menschen aus aller Welt pilgern Jahr für Jahr in den Zentralschweizer Kanton, um hier ihren Dienst im Namen international tätiger Unternehmen zu leisten. Oftmals kommen die Fachkräfte nicht alleine, sondern bringen auch gleich den Ehepartner und die Kinder mit. Das Problem: Die Ehemänner und -frauen von Expats haben nur selten ebenfalls einen Arbeitsvertrag in der Tasche und bekunden Mühe damit, Zugang zur Arbeitswelt zu finden. Bei ihrer Ankunft stehen sie sozusagen vor dem beruflichen Nichts.

Kommt hinzu, dass die Spezialisten aus dem Ausland zunehmend auf den hiesigen Arbeitsämtern landen und nur schwer wieder in die Berufstätigkeit zurückfinden (zentral+ berichtete). Dies sind bekannte Phänome bei der Fachstelle Migration (siehe Box) sowie dem Amt für Wirtschaft und Arbeit im Kanton Zug. Deshalb organisieren die beiden Institutionen nun eine neue Informationsveranstaltung für Englischsprachige, die auf Stellensuche sind. «Back to work», nennt sich die Veranstaltung, die am Samstag, 16. Januar 2016, erstmalig im Kaufmännischen Bildungszentrum in Zug stattfinden wird.

Um beruflich anzukommen

Die Fachstelle Migration Zug berät und informiert im Auftrag des Kantons Zug und der Zuger Gemeinden die im Kanton wohnhaften und arbeitenden ausländischen Staatsangehörigen in Alltagsfragen. Die FMZ bietet ihre Dienstleistungen in zwölf Sprachen an. Für Personen, die neu aus dem Ausland nach Zug gezogen sind, bietet die Fachstelle ein kostenloses Erstgespräch an.

Daneben führt die FMZ Informationsanlässe durch. Zum Beispiel die Veranstaltung «Grüezi Switzerland» oder das Tagesseminar «In Zug zu Hause». Neu kommt das englische Seminar zur beruflichen Wiedereingliederung «Back to work» hinzu. Die Kosten pro Teilnehmer belaufen sich dabei auf 25 Franken.

Für den beruflichen Wiedereinstieg

Hindernisse sind nicht nur fehlende Sprachkenntnisse. «Den neu einreisenden Partnern von Fachkräften stellen sich viele Fragen in Bezug auf die berufliche Integration», sagt Esther Dunn, die Leiterin der Fachstelle Migration Zug (FMZ). Vor allem rechtliche Fragen stünden im Raum. Habe ich eine Arbeitsbewilligung? Wenn nein, wie bekomme ich eine? Wie muss ich vorgehen, wenn ich einer freiwilligen Arbeit nachgehen will? Dunn könnte den Fragenkatalog problemlos weiterführen. Zusammenfassend ginge es darum, den Interessierten jene Chancen und Möglichkeiten aufzuzeigen, die sich ihnen in Zug bieten.

Zahlreiche Zugezogene haben bereits Rat bei ihr gesucht. «Getting back to work often proves to be the hardest job», zitiert Dunn die oft gehörte Essenz deren Verzweiflung. Diese beschränke sich allerdings nicht nur auf die Partner der zugezogenen Arbeitskräfte. «Es kommen alle, die Ratschläge suchen, um wieder Fuss fassen zu können. Auch Expats, die ihre Stelle verloren haben, weil der Arbeitgeber die Schweiz wieder verlässt», so Dunn. Denn diese waren bei ihrer Ankunft bereits im Besitz eines Arbeitsvertrages. Wenn sie den verlieren würden, stünden auch sie ratlos da.

«Wir sind restlos ausgebucht.»

Esther Dunn, Leiterin Fachstelle Migration Zug

Der Kanton Zug und die FMZ vermitteln nun am neuen Seminar «Back to work» den Stellensuchenden jegliche Informationen, die sie für den beruflichen (Wieder-)Einstieg benötigen. Eigentlich sei man davon ausgegangen, dass ungefähr 70 bis maximal 100 Leute den Anlass besuchen werden. Letztlich sei man aber von einer Flut von Anmeldungen überrascht worden. «Unsere Erwartungen wurden übertroffen. Wir sind restlos ausgebucht», freut sich Dunn. «Ganze 200 Teilnehmer werden an der Veranstaltung dabei sein. Damit sind wir absolut ausgeschöpft, mehr geht nicht.»

Gegen den Fachkräftemangel

«Back to work» ist neben anderen Massnahmen eine weitere Bemühung des Kantons Zug im Rahmen der Fachkräfte-Initiative, um hier ansässigen, gut qualifizierten Personen den Schritt in den Schweizer Arbeitsmarkt zu vereinfachen», sagt Volkswirtschaftsdirektor Matthias Michel. Die Eingliederung dieser Personen diene nicht nur dazu, das bereits vorhandene Potential optimal zu nutzen. Ein erfolgreicher beruflicher Wiedereinstieg könne darüber hinaus eine mögliche Unzufriedenheit der Ehepartner vermeiden. Letztlich, so Michel, gelte es auch, eine frühzeitige Rückkehr ins Heimatland zu verhindern.

«Wir gehen davon aus, dass es eine Weiterführung geben wird.»

Esther Dunn, FMZ

Der Wirtschaft sei dies längstens bekannt, erklärt Esther Dunn. «Die Unternehmen kennen das Bedürfnis ihrer Arbeitnehmer und deren Familien. Viele Firmen haben sich deshalb bereit erklärt, uns bei der Initiierung der Informationsveranstaltung unter die Arme zu greifen.» Mit Sponsoring und Werbung tragen sie ihren Teil dazu bei. Die Veranstaltung «Back to work» bekomme so den Charakter einer Ergänzung zum bereits bestehenden, firmeneigenen Angebot, erklärt Dunn.

Die erste Phase ist also erfolgreich gelaufen. Die Anmeldungen zeigen: Die Nachfrage ist da. Ob das Angebot schliesslich hält, was es verspricht, wird sich zeigen. Esther Dunn ist jedenfalls guten Mutes, dass dies nicht die letzte Veranstaltung sein wird. «Wir gehen davon aus, dass es eine Weiterführung geben wird», sagt sie. In welchem Turnus die Seminare künftig angeboten werden, darauf wolle man sich zum jetzigen Zeitpunkt allerdings nicht festlegen. «Jetzt gilt es erst einmal, eine erfolgreiche Premiere über die Bühne zu bringen», meint Dunn. Ihre Überzeugung, dass dies gelingen wird, ist nicht zu überhören.

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2 Kommentare
  1. Hans Peter Roth, 15.01.2016, 15:30 Uhr

    Bei der Besetzung von offenen Fachkräfte-Jobs sollte auf jeden Fall vom Arbeitsamt beachtet werden, dass bei gleichwertiger Qualifikation arbeitslose SchweizerInnen priorisiert berücksichtigt werden. An zweiter Stelle folgen arbeitswillige Ehepartner von SchweizerInnen und arbeitslose Ausländer mit Status F, B und C, welche nicht in ihre Heimat zurückkehren können (z.B. wegen Flüchtlingseigen-schaften).

    Die Expats und Expats-Ehefrauen dürften eher zur dritten Kategegorie gehören: Wer als Expat in der Schweiz arbeitslos wird, muss nicht unbedingt hier bleiben, sondern kann als gut qualifizierte Person auch in seinem Heimatland eine Stelle suchen.

    Die Annahme der höchst nachteiligen Masseneinwanderungsinitiative zwingt uns dazu, bei der Vergabe von Arbeitsstellen Prioritäten im oben erwähnten Sinne zu setzen.

    Dass jetzt die Volkswirtschaftsdirektion ausgerechnet bei der dritten Kategorie (EU-AusländerInnen mit B-Ausweis) zuerst Förderungsmassnahmen plant, lässt hellhörig werden.

  2. Marilena Amato, 15.01.2016, 14:07 Uhr

    nur sollten die Fachkräfte und ihre Förderer wissen, dass falls Sie Kinder haben, die Rechnung zumindest monetär kaum aufgeht. Denn dank der Schnitte bei den Subventionen der KiTa- Plätze bezahlt ein Elternpaar in der Stadt Zug mit „Fachkraft-Job“ mit 2 Vorschulkindern 37440 Fr. im Jahr Betreuungskosten für eine 50 oder 60 Prozent Stelle . Rechnet man Steuern und weitere Berufsauslagen dazu… wird es selbst bei einem überdurchschnittlichen Lohn bald zum Nullsummenspiel mit viel organisatorischem Aufwand gratis und franko dazu…. Übrigens nicht nur für Expats, auch für einheimische Fachkräfte, sprich Frauen, für deren Ausbildung der Staat ja auch schon etwas berappt hat….

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