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Ex-Informatikleiter des Kantons Luzern wegen Bestechung verurteilt
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Das Kriminalgericht am Luzerner Alpenquai. (Bild: mbe.)

Zwei Jahre bedingt und Geldstrafe Ex-Informatikleiter des Kantons Luzern wegen Bestechung verurteilt

3 min Lesezeit 28.02.2017, 19:30 Uhr

Das Kriminalgericht hat einen früheren IT-Chef des Kantons Luzern zu einer bedingten Gefängnisstrafe von zwei Jahren verurteilt. Sein Verteidiger will das Urteil anfechten. Denn sein Klient sei von allen erhobenen Vorwürfen freigesprochen worden.

Der Prozess am 15. Februar erregte Aufsehen in Luzern (zentralplus berichtete). Zu reden gab auch die Rolle von Finanzdirektor Marcel Schwerzmann im IT-Debakel.

Vor den Schranken des Gerichts musste sich der ehemalige Chefbeamte Lawrence Reid verantworten, er leitete die Dienststelle Informatik von 2010 bis 2011. Der ehemalige IT-Chef soll Provisionen von mehr als 320’000 Franken eingestrichen haben.

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Durch «Provisions- und Tippgeberverträge» mit privaten Firmen hat er sich laut der Staatsanwaltschaft einen sechsstelligen Zusatzverdienst neben seinem Gehalt beim Kanton ermöglicht. Die privaten Verträge habe er gegenüber seinen Vorgesetzten verheimlicht.

Bedingte Strafe

Nun hat das Gericht den 49-jährigen ehemaligen Dienststellenleiter Informatik wegen Sich-bestechen-Lassens zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren bedingt verurteilt. Die Probezeit beträgt zwei Jahre. Zudem hat Lawrence Reid laut dem Urteil eine Geldstrafe von 10’800 Franken zu bezahlen. Auch diese hat das Gericht bedingt ausgesprochen.

Lawrence Reid wurde vom Vorwurf der mehrfachen Urkundenfälschung freigesprochen. Von den übrigen Straftatbeständen ungetreue Amtsführung und Vorteilsannahme ist im Urteil keine Rede.

Die Kosten des Verfahrens von rund 30’000 Franken muss der Beschuldigte tragen.

Medienmitteilung verschickt

Das Urteil ist nicht rechtskräftig. Lawrence Reid wollte sich persönlich nicht dazu äussern. Laut einer Medienmitteilung seines Sprechers Patrick Senn von Comexperts AG in Zürich wollen Reid und sein Anwalt Berufung einlegen und verlangen ein schriftlich begründetes Urteil.

Für das begründete Urteil hat das Gericht eine Gebühr von 5000 Franken verlangt und erlässt diese Reid, falls er darauf verzichtet.

Der Grund für die Berufung sei, dass das Luzerner Kriminalgericht den ehemaligen IT-Chef in allen von der Anklage erhobenen Vorwürfen freigesprochen habe. «Dafür verurteilt ihn das Kriminalgericht aus eigener Initiative wegen eines von der Staatsanwaltschaft nicht geltend gemachten Tatbestands», heisst es in der Mitteilung weiter. Bestechung wurde in der Anklageschrift gar nicht genannt.

Verfahren in Deutschland eingestellt

Bei einer Bestechung brauche es logischerweise immer zwei Beteiligte, den Bestechenden und den Bestochenen. Während der Verhandlung habe der Anwalt Simon Planzer darauf hingewiesen, dass die deutsche Staatsanwaltschaft das Verfahren gegen den zweiten Beschuldigten (einen deutschen IT-Geschäftsmann) eingestellt habe, schreibt Patrick Senn weiter.

Der ursprünglich vom Luzerner Regierungsrat geltend gemachte Grund für seine Strafanzeige – die absichtliche Verletzung von Vergabevorschriften – sei bereits lange vor der Anklageerhebung durch die Staatsanwaltschaft Luzern fallen gelassen worden.

Geld wird eingezogen

Das Gericht hat weiter beschlossen, das Guthaben von rund 226’000 Franken auf einem gesperrten Bankkonto einzuziehen. Das Konto lautete auf eine von Reid privat gegründeten Firma mit Sitz in Zug.

Ob Staatsanwalt Georges Frey das Urteil weiterzieht, ist momentan noch offen, sagte sein Sprecher auf Anfrage. Der stellvertretende Oberstaatsanwaltschaft hatte eine teilbedingte Strafe von drei Jahren für den Ex-Informatikleiter verlangt, zwei Jahre sollte Reid effektiv absitzen. Der Verteidiger verlangte einen vollen Freispruch.

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