«Ex»-Bodumvillen: Jetzt ist das Dach gesichert
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Einsturzgefährdet, aber nun zumindest abgedichtet: Das Dach der Villa an der Obergrundstrasse 99 in Luzern. (Bild: jal)

Zukunft noch immer unklar «Ex»-Bodumvillen: Jetzt ist das Dach gesichert

3 min Lesezeit 30.06.2020, 16:00 Uhr

Mehrmals besetzt, immer wieder politischer Zankapfel: Die ehemaligen Bodumvillen an der Luzerner Obergrundstrasse sorgen seit Jahren für Gesprächsstoff. Mit dem Eigentümerwechsel steigt die Zuversicht der Stadtbehörden auf eine gute Lösung. Ein möglicher Abriss ist aber nicht vom Tisch.

Blachen bedecken das ganze Dach, der Regen dringt nicht mehr ins Haus: Am 12. Juni ist das Dach der Liegenschaft an der Obergrundstrasse 99 erfolgreich abgedichtet worden. Das schreibt die Romano & Christen AG auf der firmeneigenen Website, die zum Beweis ein Luftbild zeigt.

Noch vor kurzem war es anders: Als die neue Eigentümerin im Mai die Arbeiten an die Hand nehmen wollte, wurde sie von der Suva gestoppt, da das Dach einzustürzen drohte. Inzwischen wurden mit der Unfallversicherung zusätzliche Sicherheitsmassnahmen vereinbart.

Dass das Dach gesichert werden konnte, sei auch der Stadt wichtig gewesen, sagt Baudirektorin Manuela Jost (GLP). «Nur so leidet die Substanz, die in einem wirklich schlechten Zustand ist, nicht noch weiter.» 

Abriss ist nicht ausgeschlossen

Wie und wann es weitergeht, ist noch nicht klar. Die zuständige Auskunftsperson bei Romano & Christen war am Dienstag nicht erreichbar. Im Mai hatte das Architekturunternehmen verlauten lassen, dass man trotz der schwierigen Ausgangslage die «Verantwortung gegenüber dem Gebäude wahrnehmen» wolle (zentralplus berichtete).

Für die Obergrundstrasse 101 liegt eine gültige Baubewilligung vor. Was noch fehlt, ist der formelle Baustart. Beim Gebäude Obergrundstrasse 99 ist die Zukunft hingegen noch ungewiss. «Der neue Eigentümer ist daran, die konkreten weiteren Schritte zu klären.»

«Der Stadtrat sieht den Eigentümerwechsel als Chance.»

Gerüchten zufolge ist nach wie vor nicht sicher, ob das Gebäude oder zumindest die Fassade tatsächlich erhalten werden kann. Die Stadt schliesst einen Abriss der Villa nicht aus. Jost betont aber: «Wir haben weder eine Abbruchbewilligung gesprochen noch versprochen.»

Vorgaben oder Druck mache die Stadt nicht. «Das ist auch nicht nötig», so die Baudirektorin. «Denn es liegt im Interesse der neuen Eigentümer, die Villen weiterzuentwickeln.» Den Austausch mit Romano & Christen bezeichnet sie als gut. Die Stadt werde regelmässig über die neuesten Schritte informiert. Auch wenn Jost das nicht so direkt sagt, wird klar, dass sich die Zusammenarbeit durch den Eigentümerwechsel verbessert hat.

Forderung der Enteignung ist überholt

Mit dem Verkauf der Villen von der Bodum Land Obergrund AG an die Romano & Christen Management AG ist auch ein im Januar eingereichter Bevölkerungsantrag obsolet geworden. Nachdem die Gebäude jahrelang leer gestanden hatten und verlottert waren, forderte ein Bündnis um die Aktivisten-Gruppe Resolut, dass der Stadtrat die Enteignung einleite (zentralplus berichtete).

Da dies inzwischen überholt ist, lehnt der Stadtrat die Forderung ab. In seiner Stellungnahme dazu bekräftigt er nochmals, dass «der seit Längerem anhaltende kritische Zustand der beiden Liegenschaften an der Obergrundstrasse 99 und 101» unbefriedigend sei. Gleichzeitig hält er fest: «Der Stadtrat sieht den Eigentümerwechsel als Chance.» Mit dem Start der Vorarbeiten habe Romano & Christen den Tatbeweis dafür erbracht.

An der Obergrundstrasse 101 weht seit kurzem ein anderer Wind.

Und welche Lehren hat die Stadt aus den knapp sieben Jahren im Austausch mit der Firma von Bodum gezogen? «Gerade bei Gebäuden in Schutzzonen ist es wichtig, dass man frühzeitig mit uns in Kontakt ist», sagt Manuela Jost. «Wir bieten Hand für Lösungen. Doch wir können niemanden zwingen.» 

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