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EWL-Areal: Nachbessern beim Verkehr und im Erdgeschoss
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Das EWL-Gebäude (links) wird abgerissen und das ganze Areal überbaut. Blick von der Terrasse in Richtung Geissensteinring. (Bild: jal)

Luzerner Stadtparlament gibt grünes Licht EWL-Areal: Nachbessern beim Verkehr und im Erdgeschoss

6 min Lesezeit 28.11.2019, 12:47 Uhr

Das Luzerner Stadtparlament steht hinter den Plänen für das EWL-Areal. Eine Mehrheit findet aber: Die Industriestrasse muss ruhiger werden, was den Verkehr betrifft. Und gleichzeitig belebter, wenn es um Angebote für die breite Bevölkerung geht.

Das Gebiet Industriestrasse/Steghof steht vor grossen Veränderungen. Ein wichtiges Puzzleteil des neuen urbanen Zentrums ist das EWL-Areal. Auf der teilweise mit Zäunen abgesteckten Fläche wird in den nächsten Jahren kein Stein auf dem anderen bleiben.

Das heutige EWL-Gebäude wird abgerissen, auf der Fläche sind drei neue Bauten geplant. Diese reihen sich um das bestehende Rote Haus, das dank einem Bistro, einer Kaffeebar und als Kulturlokal mitsamt des Quartierplatzes vor der Türe zum Treffpunkt der ganzen Luzerner Bevölkerung werden soll.

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Die Federführung liegt bei der EWL Areal AG, die sich aus den drei Aktionären EWL, Allgemeine Baugenossenschaft Luzern (ABL) und Stadt Luzern zusammensetzt. Alleine für den Edelrohbau werden sie 185,5 Millionen Franken investieren.

Um das Grossprojekt voranzutreiben, hat das Luzerner Stadtparlament am Donnerstag den ersten Finanzierungsschritt von 7,83 Millionen Franken gutgeheissen (zentralplus berichtete).

Verdichtung auf die Spitze getrieben

In der politischen Debatte zeigte sich: An das komplexe Vorhaben werden hohe Erwartungen gestellt – entsprechend viel Angriffsfläche bietet das Projekt.

Denn die Liste der zukünftigen Nutzer ist lang: Auf dem Areal einquartiert wird das neue Lokal der Feuerwehr, der Rettungsdienst, der Zivilschutz, die VBL-Leitstelle, die EWL, ein Teil der städtischen Verwaltung, 72 Wohnungen und ein Pflegeheim, eine Mensa sowie eine Kindertagesstätte.

In den drei Neubauten rund um das Rote Haus sollen zahlreiche Nutzer Platz finden. Darunter städtische Abteilungen wie das Tiefbauamt (TBA), das Geoinformationszentrum (GIS), Umweltschutz Stadt Luzern (USW), das Strasseninspektorat (STIL) und die Stadtgärtnerei (STG). (Grafik: Stadt Luzern)

Das im Sommer präsentierte Siegerprojekt der Gesamtleistungsstudie, das all dies unter einen Hut zu bringen versucht, hat denn auch bereits Kritik hervorgerufen. Besonders städtebauliche Fragen gaben zu reden (zentralplus berichtete).

Feuerwerk an Protokollbemerkungen

Auch im Stadtparlament sorgte das Projekt für Unzufriedenheit – und eine lange Liste von Wünschen. Für die einen hatte es zu wenige Wohnungen (SP), für andere zu wenige Parkplätze (SVP), für weitere zu wenig innovative Energiekonzepte (GLP). Daraus resultierte ein «Feuerwerk an Protokollbemerkungen», wie es Irina Studhalter (Junge Grüne) bezeichnete.

Allen voran die SP/Juso als grösste Fraktion forderte wesentliche Verbesserungen. Besonders im Erdgeschoss müssten die Verantwortlichen nochmals über die Bücher, sagte Simon Roth (SP). Seine Fraktion bezweifelt, dass das Areal für die breite Bevölkerung genügend attraktiv sein wird. «Wer hat einen Grund, dahin zu gehen?», fragte er rhetorisch. «Es gibt im Erdgeschoss fast nur Garagen, Werkstätten und Lagerflächen.» Mit der aktuell geplanten Nutzung werde das Ziel einer lebendigen Strasse nicht erreicht.

So soll es entlang der Industriestrasse in Zukunft aussehen. (Visualisierung: EWL Areal AG)

Auch eine Mehrheit der Geschäftsprüfungskommission war der Meinung, das Projekt berücksichtige zu wenig, wie das Quartier durchmischt und mit genügend Freiraum ausgestattet wird.

Die Grünen und die Grünliberalen teilten in diesem Punkt die kritische Haltung. Gemeinsam überwiesen sie eine Protokollbemerkung, die verlangt, dass die Nutzungen im Erdgeschoss nochmals überprüft werden, um gerade entlang der Industriestrasse mehr Leben ins zukünftige Quartier zu bringen.

Der Stadtrat zeigte sich bereit, in Absprache mit den Nachbarn – insbesondere der Kooperation Industriestrasse, die gegenüber eine Überbauung plant – dem Anliegen nachzukommen.

Verkehr gibt zu reden

Für Gesprächsstoff sorgte auch der Verkehr rund um das neue Quartier. Der Stadtrat rechnet mit durchschnittlich 1300 Auto-, 210 Motorrad- und 100 Lastwagenfahrten pro Tag. Darin enthalten sind auch die Feuerwehrautos und Rettungsdienste. Der grösste Teil des Verkehrs wird über die Fruttstrasse abgewickelt, nur die rund 180 täglichen Fahrten von Anwohnern sowie ein Teil der Fahrten von Besuchern finden über die verkehrsberuhigte Industriestrasse statt.

Diese sei schon heute kein «Stau-Hotspot», argumentierte Patrick Zibung (SVP) und wehrte sich damit gegen eine weitere Beruhigung. Die CVP ihrerseits betonte, man müsse das gesamte Quartier anschauen und nicht Vorgaben für einzelne Strassen machen.

So geht es weiter
  • Bis Sommer 2020: Gestaltungsplan
  • Juni 2021: Volksabstimmung über Kostenanteil (voraussichtlich 63 Millionen Franken) der Stadt
  • Herbst 2021: Bauprojekt inklusive Baubewilligung
  • Sommer 2022: Baustart erste Etappe
  • Sommer 2024: Neues EWL-Gebäude bezugsbereit
  • Sommer 2026: Wohnungen und Sicherheitszentrum bezugsbereit

Einsprachen gegen die Teilrevision der Bau- und Zonenordnung, der Gestaltungsplan oder das Baugesuch könnten zu Verzögerungen führen.

Eine Mehrheit des Parlaments will die Industriestrasse jedoch als Begegnungszone mit Tempo 20 gestalten und für den Durchgangsverkehr sperren. Zwei entsprechende Protokollbemerkungen der GPK fanden dank SP, Grünen und GLP eine Mehrheit.

Irgendwann gibt’s eine S-Bahn-Station

Abgelehnt wurde hingegen ein Antrag der SP zum öffentlichen Verkehr. Die Fraktion wollte festhalten, dass eine gute Erschliessung durch den ÖV sichergestellt wird. Der Stadtrat selber ist der Meinung, dass das ÖV-Angebot nicht ideal ist. Im Zusammenhang mit dem Durchgangsbahnhof ist deshalb auch eine S-Bahn-Station beim Steghof vorgesehen. Eine Machbarkeitsstudie, die diese Station sowie eine Fuss- und Velobrücke über das Gleisfeld Richtung Neustadt prüft, ist im Gange.

Die SP mag jedoch nicht auf den Durchgangsbahnhof warten. Heute gibt es zwar drei Bushaltestellen in der Nähe, diese liegen aber nicht direkt an einer der umliegenden Strassen. «Ein Fussmarsch von 200 Metern ist zumutbar», konterte Patrick Zibung (SVP). Auch die Grünliberalen sind nicht der Ansicht, dass dieses zentrale Areal schlecht erschlossen sei. Die Protokollbemerkung der SP wurde deshalb abgewiesen.

Müssen Mitarbeiter Parkplätze selber zahlen?

Obwohl die FDP zu Beginn der Debatte darauf hinwies, dass es sich nicht um ein Verkehrsprojekt handelt, wurde im Rat munter über Mobilitätsfragen diskutiert. Weiter ging es mit den Parkplätzen.

Die Grünen verlangten erfolgreich, dass für städtische Mitarbeitende möglichst wenig Autoparkplätze geplant werden. Irina Studhalter (Junge Grüne) begründete das unter anderem mit dem Klimanotstand, den die Stadt kürzlich ausgerufen hat. Simon Roth ergänzte: «Es ist unverständlich, dass es an dieser Lage so viele Parkplätze braucht – und man diese noch subventionieren will.»

Entlang der Industriestrasse wird ein kleiner Bach offengelegt – und die Strasse für den Durchgangsverkehr gesperrt?

Seine SP unterstützte zusätzlich den Antrag der GPK, wonach städtische Angestellte ihren Parkplatz selber zahlen sollen, wenn sie mit dem Auto zur Arbeit fahren. Die FDP warnte vor einem «Präjudiz» in einer Frage, die nicht isoliert, sondern für die ganze Verwaltung geklärt werden sollte. Das sah die Mehrheit auch so und lehnte diese Protokollbemerkung ab.

Insgesamt positive Haltung

Trotz aller Kritik und viel Gesprächsbedarf: Insgesamt stösst das Projekt für das EWL-Areal auf positive Resonanz. Davon zeugte das Resultat in der Schlussabstimmung. Mit einer Ausnahme stimmten alle Parteien dem Kredit zu. Einzig die SP/Juso-Fraktion enthielt sich der Stimme, um ihrer Forderung nach Verbesserungen Ausdruck zu verleihen.

Sicher ist nach dieser Debatte: Das Grossprojekt wird auch in Zukunft noch zu reden geben.

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