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«Ewiges Gastrecht im ‹Schweizerhof› – ich hoffe, der Direktor bereut das nicht»
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Ein letztes Mal Luzerner Kommissar Flückiger: Stefan Gubser. (Bild: zvg)

Schauspieler Stefan Gubser vor dem letzten «Tatort» «Ewiges Gastrecht im ‹Schweizerhof› – ich hoffe, der Direktor bereut das nicht»

6 min Lesezeit 1 Kommentar 23.10.2019, 12:08 Uhr

Der letzte Luzerner «Tatort» – «Der Elefant im Raum» – wird am Sonntag ausgestrahlt. Stefan Gubser alias Kommissar Flückiger über seine Beziehung zu Luzern, den Jahrhundertfälscher Beltracchi und seine Zukunft.

zentralplus: Stefan Gubser, alles Gute hat ein Ende: Delia Mayer als Kommissarin Liz Ritschard und Sie in der Rolle von Kommissar Reto Flückiger durften immerhin in acht Jahren 20 Folgen drehen. Wie blicken Sie heute zurück?

Stefan Gubser: Wir hatten eine tolle, spannende Zeit, es herrschte Aufbruchstimmung und alle waren voll motiviert. Das Schönste waren sicher all die wunderbaren Begegnungen mit Filmleuten aus allen möglichen Sparten und mit all den Luzernern, mit denen wir zu tun hatten und die immer so hilfsbereit waren. Vor allem auch der Luzerner Polizei und den Behörden sage ich mal ein ganz grosses Dankeschön!

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zentralplus: Leider vorbei. Müssen Sie in der letzten Folge «Tatort – Der Elefant im Raum» sterben?

Gubser: Wir werden sehen – im Moment lebe ich ganz gut (lacht)

zentralplus: Auch die Medien stehen auf dem Prüfstand: Es wurde bei der «LZ» gedreht. Sind Fake News ein Thema? 

Gubser: Ja, Fake News sind ein grosses Thema, wie im richtigen Leben …

zentralplus: Wie sieht Ihr Medienkonsum aus? 

Gubser: Moderat, ich lese die «NZZ» regelmässig und andere qualitativ seriöse Printprodukte selektiv. Aber je länger, je mehr lese ich Bücher, ganz nach dem Motto meines verstorbenen Schwiegervaters Jürg Ramspeck, dem ehemaligen «Weltwoche»-Chef und «Blick»-Kolumnisten: «Wenn du verstehen willst, wie die Welt funktioniert, musst du gute Bücher lesen.» Und das sagte einer der besten Journalisten, der nie ein Buch geschrieben hat.

zentralplus: Eine Art Bilanz, bitte: Sie haben den «Tatort» immer als Ihr «Baby» betrachtet?

Gubser: Als mein Baby habe ich ihn insofern betrachtet, als ich massgeblich daran beteiligt war, dass es in der Schweiz wieder einen «Tatort» gibt. Darauf bin ich ein bitzeli stolz (lacht).

zentralplus: Viel Medienpräsenz genoss der One-Take-«Tatort», den Sie im KKL drehten: «Die Musik stirbt zuletzt» unter der Regie von Dani Levy. 

Gubser: Der KKL-«Tatort» war sicher der speziellste, weil es unter zahlreichen Filmen der einzige war, den wir an einem Stück durchspielen konnten in 90 Minuten – das war eine wunderbare Erfahrung.

zentralplus: Das grösste Lob, das Sie erhielten?

Gubser: Schöne und freundliche Worte, die mir von unbekannten Menschen von Herzen entgegengebracht wurden.

«Insgesamt war ich über ein Jahr in Luzern und kenne mittlerweile fast jeden Winkel.»

Stefan Gubser, Schauspieler

zentralplus: Die härteste Kritik?

Gubser: … hat mich immer angespornt, es besser zu machen.

zentralplus: Sie werden jetzt wohl auch weniger in Luzern sein. Traurig?

Gubser: Insgesamt war ich über ein Jahr in Luzern und kenne mittlerweile fast jeden Winkel. Es ist spannend, eine Stadt durch die Arbeit kennenzulernen. Da ich nach wie vor mit Peter Studhalter – er brachte mit Ingrid Deltenre den «Tatort» nach Luzern – befreundet bin, komme ich immer wieder gerne nach Luzern.

zentralplus: Wie erlebten Sie die Luzerner?

Gubser: Offen, freundlich, hilfsbereit und mit einem schalkhaften Humor versehen.

zentralplus: Letzthin sahen wir uns per Zufall beim Znacht beim Italiener «Casa Tolone» – wo habt ihr sonst in Luzern oft gegessen?

Gubser: Die «Casa Tolone» war mein Lieblingslokal, gleich nach der «Brasserie Bodu».

zentralplus: Ihre liebste Bar in Luzern?

Gubser: An der Bar im ‹Schweizerhof› habe ich nicht nur gedreht, sondern auch sonst so manchen Absacker genommen.

zentralplus: Ihre liebste Strasse in Luzern?

Gubser: Der Alpenquai.

Ist gerne in der Bar des ‹Schweizerhofs›: Stefan Gubser. (Bild: zvg)

zentralplus: Ihre liebste Brücke in Luzern?

Gubser: Der Rathaussteg.

zentralplus: Ihr liebster Ausblick in Luzern?

Gubser: Vom ‹Schweizerhof› aufs KKL und die Berge.

Eurocop und Kurdoktor

Stefan Gubser, geboren am 1. August 1957, lebt mit seiner Frau Brigitte Gubser in der Nähe von Zürich. Er hat eine Tochter aus erster Ehe. Nach dem Gymnasium besuchte Gubser in Wien die renommierte Max-Reinhard-Theaterschule und trat an Theatern in Österreich und Deutschland auf. In New York bildete er sich in «Method Acting» weiter. Bei dieser Methode geht es darum, Gefühle sichtbar zu machen und mit der Rolle zu verschmelzen. Bekannt wurde Stefan Gubser vor allem für seine Rollen in deutschen Fernsehserien wie «Eurocops» oder «Kurklinik Rosenau». 

zentralplus: Wenn Sie in unsere Stadt kommen, steigen Sie dann weiterhin im Zimmer 49 des Hotels Schweizerhofs ab, der «Tatort»-Suite?

Gubser: Wenn ich mich recht erinnere, hat mir Direktor Clemens Hunziker ewiges Gastrecht zugesagt. Ich hoffe, er bereut es nicht dereinst. (lacht)

zentralplus: Welche Gefühle haben Sie dort?

Gubser: Da fühle ich mich wie zu Hause, das ist doch herrlich, wenn man in einem Hotel so ein Gefühl haben kann.

zentralplus: Womit kamen Sie in unserer Stadt nie klar?

Gubser: Eindeutig mit den Scharen von Touristen, das wäre für mich ein Grund, im Sommer Luzern zu meiden.

zentralplus: Was werden Sie in Luzern vor allem vermissen?

Gubser: Die Menschen und den See.

zentralplus: Werden Sie den «Tatort» weiterhin schauen?

Gubser: Wie schon seit eh und je: nach Lust und Laune.

«Man merkte in Luzern, dass die Leute stolz waren auf ihre Stadt und ihren ‹Tatort›.»

zentralplus: Wie reagierten die Luzerner in der Stadt auf Sie?

Gubser: Äusserst positiv, ich war immer wieder überrascht, wie liebenswürdig alle die mir fremden Menschen waren.

zentralplus: War das anders als sonstwo?

Gubser: Schon ja, man merkte in Luzern, dass die Leute stolz waren auf ihre Stadt und ihren «Tatort».

zentralplus: Was wünschen Sie dem neuen Zürcher «Tatort»-Team?

Gubser: Ebenso schöne Erfahrungen, wie ich sie machen durfte. Und vor allem gute Geschichten.

zentralplus: Wie finden Sie die neue Besetzung mit Carol Schuler und Anna Pieri Zuercher als Zürcher Ermittlerinnen Tessa Ott und Isabelle Grandjean?

Gubser: Mit Carol Schuler habe ich schon gedreht. Sie ist eine fantastische Schauspielerin. Anna Pieri Zuercher kenne ich leider noch nicht.

zentralplus: Durch das Format kommt ja ein Stück Schweizer Kultur nach Deutschland, und Deutschland ist bekanntlich ein wichtiger Tourismusmarkt für die Schweiz. Jetzt ist Zürich statt Luzern präsent: Welches wären Ihre Traumlocations in der Limmatstadt?

Gubser: Oh, da gibt es natürlich viele, einer meiner Lieblingsplätze ist der obere Letten, wo man herrlich in der Limmat schwimmen kann.

zentralplus: Welche Krimis schauen Sie sonst am liebsten?

Gubser: Mein momentaner Favorit ist die 5. Staffel der Serie «Peaky Blinders».

zentralplus: Und wie sieht Ihre Zukunft aus – machen Sie wieder mehr Theater?

Gubser: Ja, danach sieht es aus. 

«Maler Beltracchi und seine Frau Helene sind zwei unglaubliche Persönlichkeiten, wie man sie selten antrifft.»

zentralplus: Sie haben mit Schauspielerin Regula Grauwiller eine Firma gegründet und proben für ein Schauspiel über den in Meggen ansässigen Maler Beltracchi. Wie waren Ihre Begegnungen mit ihm?

Gubser: Er und seine Frau Helene sind zwei unglaubliche Persönlichkeiten, wie man sie selten antrifft. Das Projekt ist erst am Entstehen, aber ich bin zuversichtlich, dass wir es auch bald einmal in Luzern aufführen können.

zentralplus: Sie spielten ja früher auch mit Weltstars wie Claudia Cardinale und Ben Gazzara – haben Sie da wieder Ähnliches in petto? 

Ist in zwei US-Produktionen involviert, doch pssst: Noch ist nichts spruchreif. (Bild: zvg)

Gubser: Tatsächlich bin ich in zwei Projekte involviert, die über den grossen Teich reichen. Aber es ist noch nichts spruchreif.

zentralplus: Wie ist Ihr Befinden mit 61 – Sie sind ein Zweifler und gestehen immer wieder Ängste ein. Nehmen diese Gefühle mit dem Alter ab? 

Gubser: Fragen sie meine Frau, sie nennt mich nur noch Hadrian (lacht).

zentralplus: Sie sind aber auch ein verdammt cooler Hund, und die «Bilanz» schrieb lobend: «Privat strahlt er Stärke und Kraft aus.» Wie kommt das, was ist Ihr Rezept?

Gubser: Zu sich selber stehen, sich auch Unzulänglichkeiten eingestehen zu können und sich selber nicht zu ernst nehmen – das alles hilft schon mal sehr.

zentralplus: Und Ihr Lebensmotto?

Gubser: Wer mich in die Pfanne haut, ist selbst ein Spiegelei (lacht).

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1 Kommentare
  1. Sandra Häfliger, 24.10.2019, 17:47 Uhr

    “Sie sind aber auch ein verdammt cooler Hund” – wenn mit dem Interviewer der Fanboy durchgeht wird es meist etwas peinlich…