EVZ wird teurer – Klub erhöht Preise für Saisonabos und Einzeltickets
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Die Preise für Saisonabos in der Zuger Bossard-Arena steigen zwischen 30 und 100 Franken. (Bild: Daniela Frutiger/freshfocus)

Fans müssen tiefer in die Tasche greifen EVZ wird teurer – Klub erhöht Preise für Saisonabos und Einzeltickets

4 min Lesezeit 4 Kommentare 12.05.2020, 15:45 Uhr

In diesen Tagen erhalten die Saisonkartenbesitzer des EV Zug Post. Sie werden feststellen, dass sich die Erneuerung des Abos zwischen 30 und 100 Franken verteuert hat. Wie erklärt Zugs CEO Patrick Lengwiler die Preissteigerung in Zeiten der Corona-Krise?

Über die nächste Saison wissen wir: Sie wird keinen Absteiger in den höchsten beiden Spielklassen, aber bei wirtschaftlicher und infrastruktureller Eignung einen Aufsteiger produzieren (zentralplus berichtete). Sie wird mit zwei (ausgelosten) Solidaritätsspielen 52 statt wie bisher 50 Qualifikationsrunden umfassen. Und sie wird erstmals Pre-Playoffs beinhalten (der Siebte gegen den Zehnten und der Achte gegen den Neunten um die letzten beiden Playoff-Plätze im Best-of-3-Modus).

Aber wir wissen wegen der Corona-Krise nicht, wann und ob die nächste Saison überhaupt starten wird. Bis dato ist klar: Bis Ende August sind Grossveranstaltungen mit mehr als 1’000 Teilnehmenden nicht erlaubt.

«Alle drei Jahre passen wir die Preise moderat an, um konkurrenzfähig zu bleiben.»

EVZ-CEO Patrick Lengwiler

Im aktuellen EVZ-Magazin «Eiszeit» steht im Interview mit Patrick Lengwiler geschrieben: «Wir gehen davon aus, dass wir die kommende Saison wie geplant mit Zuschauern durchführen können.»

Falls sich die Annahme, dass die National League 2020/21 im gesamten Umfang und im Beisein von Zuschauern über die Bühne geht, als falsch erweisen sollte, «werden wir uns gegenüber den Saisonkartenbesitzern situationsbedingt und angemessen erkenntlich zeigen», verspricht Lengwiler.

EVZ auf Liquidität angewiesen

Der Hintergrund: Die Saisonkartenbesitzer des EV Zug erhalten dieser Tage eine Rechnung für die Erneuerung des Abos. Der Betrag wird höher ausfallen als gewohnt. Die Erklärung für die Preissteigerung soll ein Begleitbrief nachvollziehbar machen. Der EVZ ist auf die Liquidität angewiesen.

Zugs CEO Patrick Lengwiler hält auf Anfrage von zentralplus fest: «Alle drei Jahre passen wir die Preise moderat an, um konkurrenzfähig zu bleiben. Darüber hinaus ist bei uns die Nachfrage sehr gross.»

«Einige Fans haben mir gesagt, dass sie für die Erneuerung des Abos halt auf das eine oder andere Bier verzichten werden.»

Dazu muss man wissen: Die Klubverantwortlichen hätten in den letzten Jahren mehr Saisonabos verkaufen können. Aber sie stoppten den Verkauf jeweils aus freien Stücken, um Tickets für die 7’200 Zuschauer fassende Bossard-Arena in den Einzelverkauf bringen zu können.

Preisanpassung anhand der Kaufkraft

Patrick Lengwiler geht davon aus, dass die Preissteigerung die Mehrheit seiner Kunden nicht auf dem falschen Fuss erwischen wird: «Wir haben schon weit vor der Corona-Krise definiert, dass wir die Preise erhöhen werden. Das haben wir mit den Fans und weiteren Teilen unserer Kundschaft schon vor Monaten thematisiert.»

Unmut will er seinerzeit nicht zu spüren bekommen haben. Lengwiler sagt: «Einige Fans haben mir gesagt, dass sie für die Erneuerung des Abos halt auf das eine oder andere Bier verzichten werden.» Vielleicht geht das schnell vergessen, wenn der Titelanwärter EVZ begeistert und siegt.

Die Klubführung hat sich laut Lengwiler für eine Anpassung anhand der Kaufkraft in den verschiedenen Bereichen entschieden. «Für den Abonnenten eines Sitzplatzes bedeutet eine Preiserhöhung von 75 bis 100 Franken etwa das gleiche wie 30 Franken für den Inhaber eines Stehplatzabos.»

Preis für Einzelticket wird erhöht

Dass die Saisonabopreise des EVZ für nächste Saison nicht linear erhöht worden sind, hat auch mit einer Vereinheitlichung zu tun. Lengwiler: «Die Sitzplatzabos in unserem Stadion waren bisher in sechs Kategorien unterteilt, die Einzeltickets aber nur in deren zwei. Das haben wir jetzt angepasst. Zudem fallen die Systemgebühren für die Billette aller Art weg. Daraus ergeben sich unterschiedliche Preiserhöhungen in den verschiedenen Kategorien», erklärt Lengwiler.

«Jetzt verlangen wir einen Franken mehr für ein Stehplatz-Einzelticket. Dafür fallen aber die Systemgebühren weg, wodurch das Ticket sogar etwas günstiger wird.»

Da der Kauf eines Saisonabos über die Anzahl Spiele einer Meisterschaft mit dem EV Zug immer die billigste Variante ist, werden in der Konsequenz auch die den dynamischen Preisen unterliegenden Einzeltickets geringfügig nach oben angepasst. Lengwiler: «Bei der Berechnung der dynamischen Preise vor einer Saison gingen wir vom damals geltenden Einzelticketpreis für einen Stehplatz von 28 Franken aus. Jetzt verlangen wir einen Franken mehr. Dafür fallen aber die Systemgebühren weg, wodurch das Ticket sogar etwas günstiger wird.»

EVZ kulant bei Zahlungsfrist

Aber fehlt dem EVZ letzten Endes nicht das Fingerspitzengefühl, wenn er in Zeiten der Corona-Krise die Eintrittspreise in die Bossard-Arena erhöht?

Er könne verstehen, wenn man auf dieser Schiene argumentiere, so Lengwiler. Aber die Klubleitung begründe die Preiserhöhung nicht mit Corona: «Unser Produkt hat seinen Wert. Zudem wollen wir sportlich und wirtschaftlich konkurrenzfähig bleiben.»

Lengwiler versichert, dass sie sich in der Klubführung darüber Gedanken gemacht hätten, ob sie die Preiserhöhung aussetzen sollten. Aber die Konkurrenzfähigkeit gegenüber anderen Klubs mit grösseren Arenen und damit grösseren Einnahmemöglichkeiten bleibt. Wir werden je nach weiterem Verlauf all der behördlichen Anordnungen ohnehin Einsparungen machen müssen, aber so einfach ist dies leider nicht, wenn ein Grossteil der Kosten gebunden ist.»

Letzten Endes entscheidet der EVZ-Konsument, ob er sich das Saisonabo weiterhin leisten kann und mit dem Vorgehen einverstanden ist.

Lengwiler kommt den treuen Kunden entgegen und sagt: «Wir zeigen uns sicher kulant bei den Zahlungsfristen und warten so lange wie möglich zu, bis der Platz in den freien Verkauf gelangt.»

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4 Kommentare
  1. mebinger, 13.05.2020, 17:08 Uhr

    Diese Massnahmen werden uns allen noch sehr, sehr, viel Geld kosten und sehr viele in den Ruin treiben und dies für nichts. Es wurde kein einziges Leben gerettet und kein Spital wäre auch nur annähernd an Kapazitätsgrenzen geraten

  2. Tito A, 12.05.2020, 20:23 Uhr

    Perfekt, waren ja schon super kulant bei den letzten Spielen welche nicht stattfinden konnten. 200.- in Tickets verloren, kein Wort vom EVZ und keine Rückerstattung. Tja Pech gehabt. Ich würde definitiv auch in eine neue, teure Saisonkarte investieren in dieser Situation.

  3. iten, 12.05.2020, 19:49 Uhr

    Super, und wann hört man was von den Spielerlöhnen?

    1. Hofstetter, 12.05.2020, 21:22 Uhr

      Ist das Ihr einziges Problem?

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