Eine gierige Spielweise kann man sich in der täglichen Arbeit aneignen – davon ist Zug-Trainer Dan Tangnes überzeugt.
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Eine gierige Spielweise kann man sich in der täglichen Arbeit aneignen – davon ist Zug-Trainer Dan Tangnes überzeugt. (Bild: Patrick Straub/freshfocus)

Vor dem ersten Heimspiel der Corona-Meisterschaft EVZ-Trainer will gieriges Team – und die Rolle eines NHL-Kandidaten

4 min Lesezeit 09.10.2020, 05:00 Uhr

Alles neu in der Zuger Bossard-Arena: weniger Zuschauer wegen der Auflagen zur Bekämpfung der Corona-Pandemie, ein beeindruckender Anzeige-Würfel, LED-Lampen, die das Spielfeld besser ausleuchten und bessere Akustik. Nur das Saisonziel des EV Zug ist noch das gleiche.

Na klar: Vor dem ersten Heimspiel der Saison am Samstag gegen den SC Bern, der den EVZ in den letzten drei Jahren zweimal im Playoff-Final am Gewinn des Meistertitels gehindert hat, geht’s noch ins Tessin. Und da wartet Lugano. Der Leader der noch jungen Meisterschaft hat in zwei Spielen sechs Punkte geholt, sieben Tore geschossen und keines kassiert.

Der EVZ steht nach dem ersten Saisonsieg (3:2) gegen die Rapperswiler, die zu den Hinterbänklern der Liga gehören, und dem 25:1-Cuperfolg gegen den Zweitligisten Raron vor der ersten Standortbestimmung. «Eine happige Herausforderung, aber auch eine, der wir uns mit Freude stellen», ordnet Zugs Trainer Dan Tangnes ein.

Gier ist der zentrale Begriff

Wie das anstehende Weekend für die Zuger sportlich auch immer ausfallen wird: Der Meistertitel wird nicht im ersten Monat einer neuen Meisterschaft, von der niemand wissen kann, ob und wie sie überhaupt abgeschlossen wird, vergeben. Die sportliche Entwicklung über 52 Qualifikationsspiele ist entscheidend. Die ZSC Lions und der EV Zug starten in diesem Meisterrennen aus der Pole-Position (zentralplus berichtete).

«Der Erfolg des Teams muss für jeden Spieler über dem persönlichen stehen.»

EVZ-Trainer Dan Tangnes

Dan Tangnes rückte in der jüngsten Ausgabe des klubeigenen Hochglanz-Magazins die Gier als entscheidende Massgabe in den Mittelpunkt dessen, was seiner Ansicht nach bei der Titelvergabe entscheidend sein könnte.

Wie definiert der 41-jährige Norweger Gier? «Der unbedingte Wille, Schüsse auf dem Weg auf das eigene Gehäuse zu blockieren und gleichzeitig den schmerzhaften, gradlinigen Weg aufs gegnerische Tor zu wählen.»

Und dann formuliert er den vielleicht wichtigsten Satz seiner Einschätzung so: «Der Erfolg des Teams muss für jeden Spieler über dem persönlichen stehen.»

Gier kann man erlernen

Aber kann man einem Team diese Gier, diesen unbedingten Siegeswillen, als Trainer einimpfen? Oder ist es vielmehr eine Frage der wichtigsten Persönlichkeiten in der Garderobe, die diese Einstellung jeden Tag in jedem Training und Spiel vorleben?

«Sie muss dir als Selbstverständlichkeit ins Blut übergehen.»

«Diese Kultur kann und muss man sich in der täglichen Arbeit aneignen. Sie muss dir als Selbstverständlichkeit ins Blut übergehen, so dass jedes Training zu einem Wettkampf wird», sagt Tangnes. «Auf dem gleichen Weg eignet sich eine erfolgreiche Mannschaft auch Widerstandskraft an. Also die Fähigkeit, aus schwierigen Phasen in einer langen Meisterschaft so schnell wie möglich wieder herauszukommen.»

Steht ein Widerspruch an?

Der sportlichen EVZ-Leitung mag es aus diesem Blickwinkel entgegenkommen, dass die Verträge von 13 der insgesamt 23 Kaderspieler auslaufen (zentralplus berichtete). Die ungewisse sportliche Zukunft macht für gewöhnlich Beine und lässt Rückschlüsse auf das Wesen und Wirken eines Spielers zu.

Allerdings gibt es auch ein grosses Aber in diesem EVZ: Mit Calvin Thürkauf, Ryan McLeod, Tobias Geisser und Nico Gross gibt es vier Talente, die ihren aktuellen Arbeitgeber vor Ablauf dieser Meisterschaft in Richtung National Hockey League (NHL) verlassen könnten. Und man darf wohl keinem einen Wechsel nach Nordamerika verübeln.

Ist das nicht ein Widerspruch zur Direktive von Dan Tangnes, der jeden seiner Spieler dem Zuger Teamerfolg unterordnen will?

Berufliche Zukunft in der NHL

In seiner Denkweise steht der Plan im Vordergrund, dass der 23-jährige Thürkauf die Saison mit seinem Stammverein abschliessen wird. «Ich kann ohnehin das, was in Zukunft auf unserer Welt passieren wird, nicht beeinflussen, aber alles daran setzen, um sportlich das Beste daraus zu machen. Darum wollen wir vielmehr von Calvin Thürkaufs Einstellung und Inputs profitieren, solange er bei uns ist», sagt Tangnes.

«Es ist cool, wenn du dazu eingeladen wirst, deine Unterschrift unter einen NHL-Vertrag zu setzen.»

Zug-Stürmer Calvin Thürkauf

Jetzt steht erst mal das allererste Heimspiel des bislang dreifachen NHL-Spielers im Zuger Dress auf dem Programm. Thürkauf, der Sohn eines Kanadiers und einer Schweizerin, gibt sich vor seinem ersten Auftritt in der Bossard-Arena seit gut fünf Jahren total gelassen. «Auch wenn meine Eltern gegen den SC Bern mit von der Partie sein werden», wie er festhält.

Seit Anfang der ersten Oktober-Woche steht einer der hoffnungsvollsten Zuger NHL-Exporte in Verhandlungen mit den Columbus Blue Jackets über eine Fortsetzung seiner NHL-Karriere. Nach den Zuger Verteidigern Luca Sbisa und Raphael Diaz steht die erste und vor allem physisch starke Stürmer-Hoffnung vor dem Durchbruch in der besten Liga der Welt.

Der hochgeschossene Thürkauf (1,88 Meter) gibt in der Planung seiner beruflichen Zukunft zu: «Es ist cool, wenn du dazu eingeladen wirst, deine Unterschrift unter einen NHL-Vertrag zu setzen.» 2016 wurde er in der siebten Runde des NHL-Drafts gezogen.

Um sich in der besten Eishockey-Liga der Welt durchsetzen zu können, wird Thürkauf den Begriff Gier in englischer Sprache fehlerfrei buchstabieren müssen. Und am besten sonst noch in jeder Art und Weise, die ihm in den Sinn kommt. Sonst wird er sich in seiner beruflichen Zukunft selbst im Weg stehen.

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