EVZ-Stürmer Suri: «War noch nie in einem so guten Team»
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Vor dem Eingang zum OYM und zurück bei seiner «Herzensangelegenheit»: Reto Suri ist nach zwei Jahren Unterbruch wieder EVZ-Stürmer. (Bild: ain)

Der verlorene Sohn ist zurück EVZ-Stürmer Suri: «War noch nie in einem so guten Team»

6 min Lesezeit 02.08.2021, 04:59 Uhr

Mit seiner Rückkehr zum EV Zug will Reto Suri nachholen, was er in seiner Karriere in drei Anläufen verpasst hat: Der 32-jährige Flügelstürmer will endlich Meister werden. Dreimal stand er auf der Seite der Verlierer. Ein Gespräch mit dem Zürcher über seinen EVZ-Abgang 2019, die eigenen Ansprüche und die Qualitäten seines Trainers.

2012 kam er nach Zug, 2019 ging er als Cupsieger mit dem EVZ und Silbermedaillengewinner mit der Schweizer Nationalmannschaft nach Lugano. Nun, zwei Jahre später ist Reto Suri zurück. Verpasst hat er den ersten Titelgewinn mit dem EV Zug seit 23 Jahren. Was hat das in der Leaderfigur ausgelöst?

zentralplus: Reto Suri, Ihr Abgang im Sommer 2019 war von Misstönen, die Sie gegenüber zentralplus offengelegt haben, begleitet. 2018 legte Ihnen der EVZ offenbar einen Wechsel nahe, ein Jahr später schmerzte den Klub Ihr Abgang nach der Cupsieger-Saison. Warum jetzt die Rückkehr zum Meister?

Reto Suri: Es sind gewisse Sachen passiert, die mich dazu bewogen haben, mir eine neue Herausforderung zu suchen. Und ich bin dankbar für diese Erfahrung in Lugano. Wenn ich damals die Entwicklung unter dem neuen Trainer Dan Tangnes hätte voraussehen können, wäre wohl alles anders gekommen. Letztlich ist es das Wichtigste, dass wir seinerzeit im Guten auseinander gegangen sind.

zentralplus: Sonst hätte es für Sie kaum ein EVZ-Comeback gegeben.

Suri: Ich habe Freude daran, dass ich in der Garderobe des Meisters einen Platz bekommen habe. Und der Klub nach diesem Erfolg noch eine Rolle für mich fand. Der EVZ ist eine Herzensangelegenheit für mich.

zentralplus: Kann man sagen, dass Sie in Lugano ihr sportliches und privates Glück nicht gefunden haben?

Suri: Es fällt mir nicht leicht, meine Zeit in Lugano zusammenzufassen. Man darf wohl sagen, dass die letzten zwei Jahre wegen der Corona-Pandemie nicht nur für Profisportler, sondern für alle Mitmenschen nicht gerade einfach waren. Trotzdem verbrachten meine Familie und ich eine schöne Zeit in Lugano. Sportlich war es schade, dass 2019/20 kein Playoff stattfand, weil wir einen tollen Lauf hatten. Letzte Saison haben wir schlichtweg versagt.

«Als wir ausgeschieden waren, habe ich dem EVZ die Daumen gedrückt.»

zentralplus: Sie waren seit 2012 Angestellter des EV Zug. Aber das wichtigste Jahr seit dem letzten Zuger Titelgewinn 1998 haben Sie verpasst. Das muss Sie fuchsen.

Suri: Ich habe gehofft, dass wir mit Lugano einen weiten Weg in den abgelaufenen Playoffs gehen könnten. Natürlich war der EVZ schon in der Qualifikation seiner Konkurrenz weit voraus. Aber Lugano war der erste Verfolger. Als wir ausgeschieden sind, habe ich dem EVZ die Daumen gedrückt. Und ich war in Kontakt mit dem einen oder anderen Teamkollegen von damals.

zentralplus: Jetzt ist der EVZ als Titelverteidiger der Gejagte. Das ist eine andere Ausgangslage, als Meister zu werden.

Suri: Das Wichtigste ist, dass wir den Hunger auf Erfolg nicht verlieren. Ich hoffe, dass ich ein Puzzleteil auf dem Weg sein darf, den Gewinn der Meisterschaft mit dem EV Zug zu wiederholen. Was die Zuger Mannschaft in der letzten Saison geschafft hat, beeindruckte mich sehr. Das möchte ich auch gerne erleben. Jetzt geht es bei uns primär darum, eine neue Dynamik im Team zu entwickeln.

zentralplus: Grégory Hofmann als EVZ-Meisterschütze sucht nächste Saison seine Chance bei Columbus in der NHL. Mit Ihnen, Fabrice Herzog und Carl Klingberg als fünftem Ausländer versucht der EVZ, Hofmanns Lücke zu schliessen. Was können Sie zu diesem Vorhaben beitragen?

Suri: Fabrice Herzog spielte eine unglaubliche Saison bis zu seiner Sperre und ich möchte mich als Leader einbringen und meine Punkte machen. Grégory Hofmann ist als Einzelspieler unersetzlich, sonst hätte der EVZ auf dem Transfermarkt für adäquaten Ersatz gesorgt. Jetzt sind wir drei Spieler, die dazu da sind, Hofmanns Leistungsvolumen zu übernehmen.

zentralplus: Wie sieht Ihr Anspruch, den Sie bei Ihrer Rückkehr ins EVZ-Dress haben, genau aus?

Suri: Ich bin jetzt seit gut 13 Jahren Profi und schon dreimal in einem Playoff-Final gescheitert (Anm. d. Red: 2010 mit Servette, 2017 und 2019 mit Zug). Das möchte ich bei nächster Gelegenheit ändern. Ich will Leadership, Leidenschaft und Energie in unsere Mannschaft einbringen. Und ich werde die Rolle übernehmen, die mir der Trainer gibt. Mit dem Anspruch, in dieser Rolle zu wachsen und meine bestmögliche Leistung abzurufen.

«Dan Tangnes begreift den Spieler nicht nur auf, sondern auch den Menschen neben dem Eis.»

zentralplus: Der EV Zug wirkt nach dem Titelgewinn wie ein neues Team, weil es namhafte Abgänge und vielversprechende Neuzugänge gegeben hat. Dennoch steht das meisterliche Gerüst weiterhin. Wie bewerten Sie die Ausgangslage?

Suri: Der EVZ 2021/22 ist auf dem Papier die beste Mannschaft, in der ich je ein Teil sein durfte. Aber eben nur auf dem Papier. Das bringt eine Verantwortung mit sich und es liegt an uns, diese zu erfüllen.

zentralplus: Es fühlte sich am 7. Mai dieses Jahres surreal an, eine Meisterfeier zu erleben, an der maximal bloss 1’000 Zuschauer teilnehmen durften. Ein Ansporn?

Suri: Einen Titelgewinn in einem bis auf den letzten Platz gefüllten Stadion feiern zu dürfen ist eine ganz andere Hausnummer. Ich hoffe, dass dieser Aspekt ein wichtiges Puzzleteil in unserer Arbeit für nächste Saison werden wird. Sich eine halbe Stunde auf dem Balkon der Bossard-Arena mit dem Meisterpokal feiern zu lassen ist schön. Aber nichts gegen eine lange Meisternacht mit den eigenen Fans.

zentralplus: Sie müssen eine gemeinsame Wellenlänge mit EVZ-Meistertrainer Dan Tangnes haben. Ist er der beste Chef, den Sie je hatten?

Suri: Lassen Sie es mich anders formulieren: Er ist der kompletteste Trainer, den ich je hatte. Und das zeichnet ihn aus. Dan Tangnes begreift den Spieler nicht nur auf, sondern auch den Menschen neben dem Eis. Es interessiert ihn bei all seinen hohen Ansprüchen an einen Leistungssportler, was bei diesem im Privatleben abgeht. Mit seinem Charisma und seinem Charakter kann er die Spieler in der Garderobe hinter sich scharen. Weil Dan Tangnes es eben auch schafft, mit der jungen Generation und deren Bedürfnissen mitzugehen.

zentralplus: In der Schweizer Hockeyszene hat sich das topmoderne Leistungszentrum OYM in Cham den Ruf erworben, eine bis ins letzte Detail überwachte Kaserne zu sein. Gerade routinierten EVZ-Spielern soll die neue Zeitrechnung schwergefallen sein. War das kein Hindernis für Sie?

Suri: Darüber habe ich viel gehört. Aber ich bin offen an dieses Thema herangegangen. Und in den Monaten, in denen ich mich hier körperlich in Topform bringe, kann ich nur Positives sagen. Ich würde sogar so weit gehen zu behaupten, dass, wer sich hier nicht fit fühlt, seinen Leistungszenit definitiv überschritten hat. Hier hat man von optimalen Trainingsbedingungen über professionelle Betreuung bis hin zu einer optimalen Ernährung alles unter einem Dach. Mehr geht nicht.

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