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Rück- und Ausblick mit Reto Kläy
EVZ-Sportchef: «Weiterspielen während Olympia? Nicht fair!»

  • Lesezeit: 6 min
EVZ-Sportchef Reto Kläy (hier bei der Ehrung von Reto Suri für dessen 750. Spiel in der National League) vermisst Konstanz auf hohem Niveau im Spiel des Titelverteidigers.
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EVZ-Sportchef Reto Kläy (hier bei der Ehrung von Reto Suri für dessen 750. Spiel in der National League) vermisst Konstanz auf hohem Niveau im Spiel des Titelverteidigers. (Bild: Marc Schumacher/freshfocus)

In der Klubchronik des EV Zug wird dem Jahr 2021 ein grosses Kapitel gewidmet. Zum ersten Mal nach 23 Jahren holten die Zuger den Meistertitel. Und das in einem Jahr, das nach wie vor durch die Corona-Krise geprägt wird. Wir haben mit EVZ-Sportchef Reto Kläy über ein aufwühlendes Jahr und die kommenden Herausforderungen geredet.

Trotz zweifacher Impfung grassiert im EV Zug derzeit die Omikron-Variante des Corona-Virus. Mittlerweile sind es schon über zehn Spieler, die sich in Selbstisolation befinden. Der Rest der Mannschaft steckt in Quarantäne. Die nächsten beiden Spiele gegen Fribourg und Lausanne sind deshalb schon auf einen späteren Zeitpunkt verschoben worden (zentralplus berichtete).

Nicht vom Coronavirus betroffen ist Reto Kläy. Der 43-jährige Sportchef der Zuger gönnt sich zum Abschluss eines intensiven Jahres ein paar erholsame Tage in den Bergen. Schliesslich kündigt sich 2022 nicht minder anspruchsvoll an.

zentralplus: Reto Kläy, was kommt Ihnen in den Sinn, wenn Sie an das auslaufende 2021 denken?

Reto Kläy: Dass die positiven Erlebnisse die omnipräsenten Herausforderungen in einem zweiten Jahr, das durch die Corona-Krise geprägt war, überwogen haben. Unser Gewinn des Meistertitels war super schön und kontrastierte mit der wirtschaftlichen Unsicherheit und den Sorgen, was noch alles auf uns zukommen könnte. Die Hoffnung war da, dass mit der laufenden Saison alles besser werden würde. Aber jetzt sind wir wieder an einem heiklen Punkt mit Spielverschiebungen und Ungewissheiten angelangt.

zentralplus: Sie liefern das aktuelle Stichwort: Wie beurteilen Sie die unmittelbare Zukunft der National League?

Kläy: Wir Klubs müssen uns nun überlegen, was konkret zu tun ist. Mit der Meisterschaft sind wir quasi im Sandwich zwischen Olympia im Februar und WM im Mai. Und mir als Klubvertreter liegen natürlich in der aktuellen Situation die Meisterschaft und die Wirtschaftlichkeit des EV Zug noch näher als die internationale Schlagkraft des Schweizer Eishockeys. Die jetzige Ausgangslage stellt sich für mich noch herausfordernder dar als jene vor ziemlich genau einem Jahr.

zentralplus: Jetzt steht der Gedanke im Raum, dass man den Meisterschaftsbetrieb auch während Olympia weiterführen könnte. Als EV Zug, der wohl einige Schweizer und ausländische Spieler für Peking 2022 abstellen müsste, ist dieser Reiz wohl überschaubar.

Kläy: Das ist für uns kein realistisches Szenario und wäre auch nicht fair. Durch die Olympia-Absage der NHL hat sich für die meisten Schweizer Klubs in der höchsten Spielklasse eine andere Ausgangslage ergeben. Jetzt werden wohl mehr Spieler aus unserer Liga von den Olympia-Teilnehmern angefordert. Dass verschobene Meisterschaftspartien bis zum Beginn der Olympischen Spiele am 9. Februar nachgeholt werden können, ist ein Kompromiss, mit dem wir leben müssen.

«Der Booster für unsere Spieler stand bereits auf dem Programm.»

zentralplus: Wie sieht die Strategie der Zuger Klubverantwortlichen für die unmittelbare Zukunft genau aus?

Kläy: Einen ersten Schritt haben die Klubs an diesem Donnerstag gemacht, indem die Tabelle wie zum Abschluss der letzten Qualifikation, als auch nicht alle Mannschaften auf die gleichen Anzahl Spiele kamen, nach Punkten pro Spiel erstellt wird. Das unter der Voraussetzung, dass alle Konkurrenten mindestens 37 der 52 Qualifikationsspiele austragen konnten. Und dann muss man sich ähnliche Gedanken bezüglich der Playoffs machen.

zentralplus: Aber das widerstrebt der Wirtschaftlichkeit jedes Vereins: Die Playoff-Serie, in der vier Siege für ein Weiterkommen benötigt werden, sind das Highlight einer Eishockey-Saison.

Kläy: Allerdings werden wir seit fast zwei Jahren nicht von unserem Wunschdenken, sondern von möglichen Bestimmungen, auf die wir nur bedingt Einfluss haben, geleitet. Darum müssen wir auf alle Eventualitäten vorbereitet sein.

zentralplus: Beim Titelverteidiger EVZ sind seit Beginn dieser Saison alle Spieler und der Staff doppelt geimpft. Sind diese auch schon geboostert?

Kläy: Das Gros unserer Spieler erhielt im Juli und August die zweite Impfung. Danach hiess es vom Bundesamt für Gesundheit, dass ein Booster innerhalb von sechs Monaten keinen Sinn mache. Erst vor kurzem wurde diese Frist aber wegen der hoch ansteckenden Omikron-Variante auf vier Monate gesenkt. Der Booster für unsere Spieler stand bereits auf dem Programm. Nun hat uns aber der neueste Corona-Ausbruch einen Strich durch die Rechnung gemacht. Jetzt liegt es im Ermessen unserer medizinischen Abteilung, zu beurteilen, bei welchen Spielern ein Booster Sinn macht. Oder eben nicht.

zentralplus: In der letzten Saison hat der EV Zug auf regelmässige Corona-Tests seiner Spieler innerhalb weniger Tage gesetzt. Sind diese weggefallen, nachdem die ganze Mannschaft gegen das Corona-Virus geimpft worden war?

Kläy: Ja, weil die Spieler und deren Betreuer zu 100 Prozent geimpft waren. Aber wir haben das für alle Klubs geltende Schutzkonzept der Liga hochgefahren, wenn Spieler Symptome zeigten. Nachdem wir gegen Mannschaften mit vielen positiv getesteten Spielern angetreten waren, schrillten bei uns jeweils die Alarmsignale.

«Als Team sind wir noch fit geworden mit unserem System.»

zentralplus: Ist es richtig, aus Ihren Ausführungen zu folgern, dass es beim EV Zug noch mehr als die bislang sechs positiven Fälle geben könnte?

Kläy: Ja, wegen der Inkubationszeit der Krankheit müssen wir die Spieler, die nicht bereits als positiv identifiziert worden sind, in den nächsten Tagen mehrmals testen lassen. Mittlerweile haben wir über zehn Corona-Fälle. Die positiv getesteten Spieler werden zehn Tage in Selbstisolation verbringen und dann für weitere fünf Tage das «Return to Play»-Programm bestehen müssen, um in den Wettkampfbetrieb zurückkehren zu können. Unsere bis dato nicht positiv getesteten Spieler müssen grundsätzlich in Quarantäne bleiben.

zentralplus: Beim EVZ ist das Mannschaftstraining über den Jahreswechsel also wortwörtlich auf Eis gelegt worden.

Kläy: Ja, leider kann man das so ausdrücken.

zentralplus: Wir haben nach dem 1:5 im letzten Spiel 2021 gegen Genf geschrieben, dass der EVZ am Tiefpunkt eines unvergesslichen Jahres angekommen sei. Und dies deshalb, weil sich der Meister zum ersten Mal seit langer Zeit nicht gegen eine Niederlage aufgelehnt hat. Wie stehen Sie zu dieser Schlagzeile?

Kläy: Es war ein sehr schwacher Auftritt von uns, keine Frage. Wir haben in der laufenden Saison daran zu beissen, ein konstant hohes Level zu erreichen. Bis jetzt hat unsere Mannschaft ihre Automatismen noch nicht gefunden, weil jeweils zu grosse Wellenbewegungen zwischen den Spielen drin waren. Aber man darf bei aller Kritik nicht ausser Acht lassen: Wir hatten eine stattliche Anzahl von Neuzugängen und Abgängen vor der laufenden Saison. Und dazu kam, dass wir wegen verschiedener Verletzungen und Corona-Ausfälle noch nie komplett spielen konnten. Als Team sind wir noch fit geworden mit unserem System.

zentralplus: Dennoch gehört der EVZ zu den Spitzenteams der Liga.

Kläy: Das macht mir Mut, das werte ich als positives Zeichen. Viele Spieler sind aus verschiedenen Gründen noch nicht auf ihrem gewohnten Leistungsniveau angelangt. Das zeigt mir das Potenzial, das in unserer aktuellen Mannschaft steckt, an. Wir haben die Werkzeuge, um erfolgreich sein zu können. Umso mehr hoffe ich darauf, dass wir sie in den entscheidenden Momenten abrufen und zum Einsatz bringen können.

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