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EVZ-Sportchef: «Der Coach muss an den richtigen Schräubchen drehen»
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Schafft es Zug-Trainer Dan Tangnes (Mitte), seinem Team noch mehr Stabilität und Konstanz zu verleihen? (Bild: Andy Mueller/freshfocus)

Ist der Leader für den Meisterkampf gerüstet? EVZ-Sportchef: «Der Coach muss an den richtigen Schräubchen drehen»

4 min Lesezeit 1 Kommentar 23.01.2020, 14:31 Uhr

Der EV Zug ist Leader in der Qualifikation der National League. Also darf man daraus schliessen, dass Trainer und Spieler einiges richtig machen. Aber reicht das stetige Auf und Ab der Zuger Leistungen für den Gewinn des Meistertitels? «Ich besitze keine Kristallkugel», sagt Sportchef Reto Kläy.

Professioneller Mannschaftssport ist Teil der Unterhaltungsindustrie. Darum reicht es der zahlenden Kundschaft an den allermeisten Orten nicht mehr, dass der eigene Klub «nur» erfolgreich ist. Er muss dazu auch noch attraktives Eishockey bieten.

Aber attraktives und erfolgreiches Eishockey sind zwei paar Schuhe, die nicht einfach kombinierbar sind. Nach den Investitionen in die Titanen Leonardo Genoni, Grégory Hofmann, Jan Kovar und Oscar Lindberg vor dieser Saison sind auch die Ansprüche an den EV Zug gestiegen.

Gegen eine zu hohe Erwartungshaltung wehrt sich nun Zugs Sportchef Reto Kläy: «Von uns wird erwartet, dass wir jedes Mal schöne Spielzüge zeigen und ein Offensivspektakel zelebrieren, gewinnen und in der Meisterschaft durchlaufen. Dabei geht vergessen, dass noch ein Gegner auf dem Eis steht und bei uns junge Talente eingesetzt werden, die ihren nächsten Entwicklungsschritt machen.»

Kläy und «die hohe Kunst des Eishockeys»

Der EV Zug darf aber eine von aussen zu hoch angesetzte Messlatte getrost ignorieren. Die Zuger Stammkundschaft, die die Bossard-Arena schon vor dieser Saison zu 97 Prozent ausgelastet hat, giert in der überwiegenden Mehrheit nach dem zweiten Titelgewinn in der Vereinsgeschichte.

«Gegen uns fällt ein Tor meist gegen den Spielverlauf, und in diesem Moment dürfen wir den Faden nicht verlieren.»

EVZ-Sportchef Reto Kläy

Der Erfolgshunger bedingt, dass man dem Publikum nicht immer Spektakel servieren kann. Grosse und erfolgreiche Mannschaften zeichnet es eben gerade aus, dass sie Spiele gewinnen, wenn der Puck nicht für sie gelaufen ist (zentralplus berichtete). Schliesslich sind die Gegner gegen den EV Zug als meistgenannten Titelanwärter meist darauf aus, den eigenen Kasten so lange wie möglich reinzuhalten und das offensive Glück in Kontern oder im Überzahlspiel zu suchen.

Kläy sagt: «Gegen uns fällt ein Tor meist gegen den Spielverlauf, und in diesem Moment dürfen wir den Faden nicht verlieren.» Darin sieht er den Hauptgrund dafür, dass es dem EV Zug noch zu wenig gelungen ist, Konstanz in seine Leistungen zu bringen. «In der Champions League, im Cup und bei einzelnen Meisterschaftsspielen haben wir in entscheidenden Momenten nicht ‹verhebben› und zurückschlagen können. Lässt sich ein Spielplan nicht umsetzen, müssen wir dagegenhalten und ein anderes Rezept finden. Das ist die hohe Kunst des Eishockeys.»

Und er folgert: «Diese entscheidende Fähigkeit müssen wir uns noch erarbeiten.»

Die «giftigen Spieler» im aktuellen EVZ

Aber warum ist der talentierte EVZ in diesem Prozess noch nicht weiter? Fehlt seinem Spiel ein Gewürz wie ein giftiger Spieler, der dem Gegner unter die Haut geht und die eigene Garderobe aufrütteln kann?

Playoff-Spiele sind meist mehr Krampf und Kampf als Spektakel. Kläy ist überzeugt davon, dass «wir das qualitativ beste Team der Liga sind. Aber wenn du dich im Playoff nicht mit deinen Fähigkeiten durchsetzen kannst, werden Akteure, die für ein unbequemes Spiel stehen, entscheidend.»

Früher hatte der EVZ giftige Spieler. Sie hiessen Thomas Rüfenacht, Misko Antisin oder John Fritsche, um nur ein paar aufzuzählen (zentralplus berichtete). Und heute?

Kläy zählt auf: «Diese wichtige Rolle können bei uns Carl Klingberg, Thomas Thiry, Johann Morant, Dominik Schlumpf, Jesse Zgraggen, Oscar Lindberg oder Jan Kovar einnehmen.» Wenn diese Spieler tatsächlich giftig können, wird es Zeit, damit loszulegen.

Nur der Titelgewinn ist gut genug

Kläy ist sich bewusst, dass «wir es in den Playoffs auf den Punkt bringen müssen». Nur wenn der EVZ den ersten Titel seit 1998 gewinnt, wird die Saison in der Aussenwahrnehmung als positiv bewertet.

«Es wäre definitiv schade, wenn wir die Ausgangslage nicht nutzen könnten.»

Den Zugern spielt es beim nahenden Gipfelsturm in die Hände, dass kein Konkurrent in der Liga über alle Zweifel erhaben und und stärker einzuschätzen ist. «Darum wäre es definitiv schade, wenn wir die Ausgangslage nicht nutzen könnten», weiss Kläy.

Bewährungstest gegen Lugano

Deshalb werden die 13 letzten Spiele bis zum Playoff-Start am 7. März kaum zu einem genüsslichen Spaziergang für die Zuger werden. Dafür muss Dan Tangnes sorgen. Der charismatische Traineraufsteiger der letzten Saison (Cupsieg und Playoff-Final) steht vor der Herausforderung, eine mit viel Talent aufgerüstete Mannschaft zum Titel führen zu müssen. «Der Trainer muss die Mannschaft auf Betriebstemperatur halten und an den richtigen Schräubchen drehen», sagt Kläy.

Der nächste Bewährungstest steht am Freitagabend an. Mit dem HC Lugano gastiert eine Mannschaft in der Bossard-Arena, die um den Einzug in die Playoffs kämpft. Für den EVZ geht es darum, den zarten Aufwärtstrend nach dem 2:1-Sieg am Dienstag über die SCL Tigers zu bestätigen.

Das ist in diesen Tagen und Wochen wichtiger als das grosse Spektakel.

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1 Kommentare
  1. Belinda, 24.01.2020, 11:23 Uhr

    Also Kovar muss wohl nicht mehr beweisen, dass er „giftig“ sein kann. Wer die Spiele schaut, sieht dies eigentlich Spiel für Spiel ;-).

Die zentralplus Redaktion wünscht Dir einen schönen Tag!

Wir möchten einfach kurz Danke sagen. Danke, dass du zentralplus liest.