EVZ: Grosser Goalie, grandioser Goalgetter
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Zugs Torjäger Gregory Hofmann (Zug) jubelt nach seinem Siegtreffer zum 2:1 über Bern. (Bild: Marc Schumacher/freshfocus)

Dritter Sieg in Serie zum Saisonstart EVZ: Grosser Goalie, grandioser Goalgetter

4 min Lesezeit 11.10.2020, 02:08 Uhr

Die nackten Zahlen sind nicht spektakulär: acht Tore in drei Spielen erzielt und deren fünf kassiert. Die Ausbeute des EVZ nach dem 2:1 über den SC Bern ist aber maximal: neun Punkte. Der Leader als zäher Gegner? Trainer Dan Tangnes sagt: «Wir gewinnen nicht mehr auf typische Zuger Art.»

Was ist eigentlich die typische Zuger Art, zu siegen? Kurz und knapp: Das Zelebrieren eines grossen Spektakels vor dem gegnerischen Gehäuse und eines kleineren vor dem eigenen. Unterhaltung pur. Aber zum zweiten Titelgewinn nach 1998 hat es für die Zuger so noch nicht gereicht.

Jetzt also der neue EVZ. Vielleicht zäher als die bisherigen Versionen. Zumindest spielt er schon zum Saisonstart Playoff-Hockey. «Das hat etwas», findet EVZ-Coach Dan Tangnes. «Mir gefällt die Einstellung der Spieler. Vor allem der unbedingte Wille und das hohe Verantwortungsgefühl, sich für die Defensivarbeit aufzuopfern.» Der EVZ rockt und rumpelt.

EVZ übersteht heikle Phasen

Er flog an diesem Wochenende weder in Lugano (3:2) noch am Samstag bei der Heimspiel-Premiere gegen den SC Bern in Zeiten von Corona zum Sieg. Im Gegenteil: Er musste heikle Phasen überstehen.

Die taktisch entfesselten, weil neuerdings vorwärts marschierenden Berner vergaben im ersten Drittel eine doppelte Überzahl und die Chance auf eine Eröffnung des Skores während zwei Minuten kläglich. Und sie fanden ihr offensives Glück auch zu Beginn des zweiten Drittels, als sie beim Stande von 1:1 auf eine abermalige Führung drückten, nicht.

«Wir haben keinen unserer drei Siege zum Meisterschaftsstart auf fantastische Art und Weise eingefahren.»

EVZ-Trainer Dan Tangnes

Spätestens Leonardo Genoni sollte fortan für all ihre Angriffsversuche Endstation bedeuten. Letztmals in der letzten Minute des Spiels, als der Zuger Goalie einen Abschluss von Berns Captain Simon Moser mit einem Beinreflex am rechten Pfosten vorbei wischte.

Am Ende hat der zweifache Meistergoalie mit dem SCB 25 von 26 Schüssen seiner früheren Teamkollegen gehalten. Das ergibt eine formidable Abwehrquote von 96,15 Prozent.

Säule eines perfekten Saisonstarts

Klar ist: Ohne einen grossen Genoni kann der EV Zug nicht Meister werden. Und Genoni ist schon ein halbes Jahr vor der entscheidenden Phase der Meisterschaft gross. Er hat sich darauf, wie die Zuger Feldspieler verteidigen, nach Anlaufschwierigkeiten in der letzten Saison optimal einstellen können (zentralplus berichtete).

Genoni ist eine Säule des resultatmässig perfekten Saisonstartes. Gegen den SC Bern eilte ihm Grégory Hofmann als offensiver Adjudant zu Hilfe. Denn die Partie entschieden schliesslich die «special teams», also die Phasen mit einem Mann mehr oder weniger auf dem Eis.

Der EV Zug hat nicht zuletzt wegen Genoni kein Gegentor in Unterzahl zugelassen, aber er hat mit Dario Simion (19.) und Grégory Hofmann (31.) zwei Überzahl-Gelegenheiten in Tore verwandelt.

Hofmanns Bewerbungsvideo für die NHL

Wie Hofmann beim spielentscheidenden 2:1 die drei Berner umkurvte und anschliessend Goalie Tomi Karhunen bezwang, war eine Augenweide. Ein Moment, mit dem er sein Topsalär beim EVZ rechtfertigen kann. Und einer, der sich als Bewerbungsvideo für die NHL eignet. Seit das Onlineportal «Watson» verbreitet hat, dass der mit einem Vertrag bis 2023 ausgestattete Zug-Stürmer sein sportliches Glück ab nächster Saison in der besten Liga der Welt versuchen möchte, läuft man in Zug auf Kohlen.

«Stattdessen haben wir Widerstandsfähigkeit demonstriert.»

Aber können ein grosser Goalie und ein grandioser Goalgetter das Wesen und Wirken der Zuger verändern? Vieles, aber längst nicht alles.

Vielmehr braucht es das konzentrierte und leidenschaftliche Mitwirken aller Generäle und Soldaten in einer Mannschaft. Das aktuell beste Beispiel dafür ist wohl Claudio Cadonau.

Ein Soldat namens Claudio Cadonau

Der 32-jährige Verteidiger, der im Dress des Zuger Topskorers auflief, spielt besser, als man es der Neuverpflichtung wohl je zugetraut hätte. Vor allem defensiv. Claudio Cadonau ist immer in der richtigen Position und scheint deshalb beim Aufräumen nie in Stress zu geraten. Hält er über eine lange Saison dieses Niveau, ist er ein grosser Gewinn für die defensive Stabilität des EV Zug.

Trainer Dan Tangnes ist angetan von seinem neuen Team. Gerade deshalb, weil «wir keinen unserer drei Siege zum Meisterschaftsstart auf fantastische Art und Weise eingefahren haben. Stattdessen haben wir Widerstandsfähigkeit demonstriert».

«Es waren drei dreckige Siege, für die wir hart gearbeitet haben.»

Es ist das Kontrastprogramm zur letzten Saison, als der EVZ als meistgenannter Titelfavorit in die Saison stieg und sein inferiores Defensivspiel nach rund drei Monaten neu justieren musste.

Zug gewinne jetzt auf eine andere Art, nicht wie in den vorangegangenen Monaten, sagt Tangnes: «Es waren drei dreckige Siege, für die wir hart gearbeitet haben.»

Man kann sagen: Der Weg dieses EVZ stimmt zuversichtlich. Gleichzeitig aber auch: Die Saison ist noch lang.

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