EVZ Academy vor dem Aus? Zuger warten auf Klartext der Swiss League
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Eine Koryphäe an der Bande der Zuger Academy: Roger Hansson, als Spieler Weltmeister und Olympiasieger mit den Schweden, sieht einer unsicheren beruflichen Zukunft entgegen. (Bild: Pascal Muller/freshfocus)

EVZ-Verantwortlichen droht ein Shitstorm EVZ Academy vor dem Aus? Zuger warten auf Klartext der Swiss League

4 min Lesezeit 31.12.2020, 17:17 Uhr

Nach der National League hat sich auch die zweitklassige Swiss League neu konstituiert: Sie will sich künftig als eigenständige Marke verkaufen. Weniger sexy sind dabei die Farmteams der Topklubs. Die sorgen zwar für die Ausbildung künftiger Stars, aber kaum für Zuschauer. Läuft darum gerade ein Skandal ab?

Das Schweizer Eishockey, wie wir es bislang in seiner Rechtsform kannten, existiert nicht mehr: Die National League hat sich in ihrem Bestreben, möglichst viel aus dem nächsten TV-Vertrag herauszuholen, vom Verband (weiterhin zuständig für die Nationalteams in allen Altersstufen) losgesagt und sich in eine eigene Aktiengesellschaft gefasst.

Ihrem Beispiel folgte auch die zweitklassige Swiss League: Ihr bietet sich vor dem Hintergrund, dass die höchste Schweizer Liga ab der Saison 2022/23 zehn Ausländer zu jedem Meisterschaftsspiel zulassen will, die Perspektive, für echte Swissness zu stehen.

Das böse Gerücht über den EVZ

So weit, so gut: Doch nur zehn der aktuell zwölf Konkurrenten in der Swiss League wurden dazu eingeladen, neue Aktionäre der zweithöchsten Spielklasse zu werden. Es fehlten die EVZ Academy und die Ticino Rockets.

Das böse Gerücht, das dieser Tage in der Schweizer Eishockeywelt die Runde macht, lautet so: Die Zuger wollen aus eigenem Antrieb heraus das bisherige Geschäftsmodell mit Nachwuchsabteilung, EVZ Academy und National League in spätestens anderthalb Jahren über Bord werfen. Weil es angeblich billiger sei, zehn Ausländer zu verpflichten, als nahezu anderthalb Millionen jährlich in das eigene Farmteam zu investieren.

«Es ist barer Unsinn, dass wir die EVZ Academy auflösen wollen.»

EVZ-Sportchef Reto Kläy

Nur schon zehn Ausländer im Dress der Zuger zu sehen, ist für viele Fans aber ein absolutes No-go: Das bezeugen ihre Reaktionen in einschlägigen Foren und sozialen Medien. Und darum erlangt eine mögliche Auflösung der EVZ Academy eine umso grössere Sprengkraft – gerade in Zeiten erwarteter Solidarität vonseiten der zahlenden Kundschaft während der für alle anstrengenden Coronakrise.

Die pathetische Aussage des EVZ-Sportchefs

Mit den Recherchen von zentralplus konfrontiert, betont EVZ-Sportchef Reto Kläy: «Es ist barer Unsinn, dass wir die Academy auflösen wollen.»

Und auf geradezu pathetische Art und Weise geht der 42 jährige Berner sogar noch einen Schritt weiter: «So lange ich in der Verantwortung für die sportliche Abteilung des EVZ stehe, ändert sich an unserer Klubphilosophie nichts. Zehn Ausländer gleichzeitig zu beschäftigen, wird nie und nimmer unser Ziel sein.» Warum die Zuger trotzdem für eine Öffnung des Marktes sind, hat er gegenüber zentralplus unlängst erklärt.

Stattdessen wiederholt Reto Kläy im Stile einer tibetanischen Gebetsmühle: «Wir wollen ambitionierte Spieler in Schlüsselpositionen mit unseren besten Talenten voranbringen, um in den nächsten Jahren Meister werden zu können.»

Dazu muss man wissen: In den aktuell fünf Jahren seit der Geburt der EVZ Academy sind gegen 15 National-League-Spieler in Zug ausgebildet worden. Und ein Vielfaches mehr für die Konkurrenten in der Swiss League.

Warum sind die GCK Lions besser als die EVZ Academy?

Vom Gesichtspunkt eines standorttechnisch orientierten Marketings aus ist es für die sportliche Zukunft der Swiss League nachvollziehbar, dass Basel oder Chur als mögliche neue Spielorte um einiges attraktiver sind als ein trister Nebenschauplatz in Zug und ein weiterer in Biasca.

«Wir erwarten, dass sich ein Verwaltungsrat der Swiss League in den nächsten zwei Wochen bei uns melden wird.»

Trotzdem: In dieser Geschichte wird offensichtlich nicht mit gleichen Ellen gemessen. Und das ist besonders störend: Denn die GCK Lions, die das Farmteam der ZSC Lions bilden und sich nach wie vor nicht zu einem Zuschauermagneten aufgeschwungen haben, sind einer der zehn neuen Aktionäre der Swiss League. Aber nicht die EVZ Academy und die Ticino Rockets.

Wie weiter in dieser verworrenen Geschichte? Kläy sagt klipp und klar: «Wir erwarten, dass sich ein Verwaltungsrat der Swiss League in den nächsten zwei Wochen bei uns melden wird. Weil wir wissen wollen, ob wir ins künftige Konzept dieser Liga passen.»

Was sind die Zuger Alternativen?

Wenn die Zuger nicht willkommen sind, ist es in der logischen Konsequenz das Ende der Academy zum Ende der übernächsten Saison hin. Eine Alternative für Kläy ist die ziemlich abenteuerlich anmutende Überlegung, das Höchstalter der Nachwuchsbewegung in der Schweiz auf 22 Jahre anzuheben – um die Brücke zur höchsten Spielklasse der Schweiz für Talente zu gewährleisten.

Wenn die Zuger aber willkommen sind, wollen sie sich erst die damit verknüpften Konditionen der Liga anschauen. Schritt für Schritt.

Aus Sicht der Zuger Anhängerschaft mutet die aktuelle Situation mit der Aussicht auf möglicherweise zehn einsatzberechtigte Ausländer in der übernächsten Saison und dem gleichzeitigen Verschwinden der erfolgreichen Ausbildungsstätte unfassbar an.

Im Sinne des grosszügigen Erbauers und EVZ-Präsidenten Hans-Peter Strebel wurde das OYM gerade dazu erbaut, um den Zugern in Zukunft einen Wettbewerbsvorteil im Kampf um die nationale Eishockeyspitze zu erschaffen.

Irgendwie passen die Signale, die das neu aufzustellende Schweizer Eishockey und der EVZ von sich geben, noch nicht wirklich zusammen.

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