EVZ: Abdelkader oder Geld ausgeben in Zeiten finanzieller Not
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Stürmte einst für Detroit an der Seite von Henrik Zetterberg: die neue Zuger Verstärkung Justin Abdelkader. (Bild: zvg)

Wie passt ein fünfter Ausländer ins Budget? EVZ: Abdelkader oder Geld ausgeben in Zeiten finanzieller Not

3 min Lesezeit 03.02.2021, 11:06 Uhr

Erst kürzlich klagte CEO Patrick Lengwiler darüber, dass Corona in dieser Saison einen Verlust von über 12 Millionen in die Kasse des EV Zug reissen werde. Und nun steht mit Justin Abdelkader (33) ein erfahrener NHL-Stürmer als Verstärkung für den Rest der Saison auf der Matte. Wie passt das zusammen?

Der EV Zug hat sich mit der Transferoffensive vor Beginn der letzten Saison zu einem ernsthaften Titelanwärter aufgeschwungen. Der Corona-Ausbruch verhinderte aber den Gipfelsturm, weil die Playoffs abgesagt werden mussten.

Ihre grossen Ambitionen untermauern die Zuger auch rund zehn Monate später, indem sie trotz zwei Niederlagen in den letzten beiden Ernstkämpfen unangefochten an der Spitze der National League liegen. Dass sie sich in den Playoffs mit einem fünften Ausländer – deren vier sind in jedem Match spielberechtigt – gegen alle Eventualitäten absichern wollen, ist aus sportlicher Sicht nachvollziehbar.

Kläy redet von «Low-Budget-Lösung»

Allerdings widerspricht das den Signalen, die die EVZ-Verantwortlichen bei jeder Gelegenheit aussenden: Dass sie in Zeiten der Corona-Krise und dem Lohnverzicht aller Angestellten sparen und jeden Franken umdrehen müssten. Denn schon vor drei Wochen wurde Nick Shore als Kompensation für den nach Nordamerika zurückgerufenen «Billig-Ausländer» Ryan McLeod engagiert (zentralplus berichtete).

«Unser Verhalten könnte sich mit der öffentlichen Wahrnehmung beissen.»

EVZ-Sportchef Reto Kläy

Und jetzt also auch noch Justin Abdelkader. Selbst EVZ-Sportchef Reto Kläy gibt zu, dass «sich unser Verhalten mit der öffentlichen Wahrnehmung beissen könnte».

Allerdings sagt er dezidiert: «Der Transfer von Abdelkader wäre von der Klubführung nie genehmigt worden, wenn es keine Low-Budget-Lösung wäre.»

So sieht die Rechnung der Zuger aus

Will heissen: «Justin Abdelkader spielt mehr oder weniger für eine Spesenentschädigung», wie es Reto Kläy ausdrückt.

Für den Amerikaner mag Geld nicht mehr der erste Antrieb sein, um seine Karriere fortzusetzen. Im Oktober letzten Jahres haben die Detroit Red Wings, für die er all seine 803 NHL-Spiele (112 Tore und 153 Assists) bestritten hatte, den noch bis 2023 gültigen Millionenvertrag ausbezahlt. Seither war er auf Klubsuche.

«Es ist kein Geheimnis, dass Erik Thorell nicht auf dem Level spielt, das er sich und wir uns vorgestellt haben.»

«Das Gute an der Krise ist, dass es Spieler gibt, die unbedingt ins Schaufenster wollen», hält der Zuger Sportchef fest. «Wir haben Justin Abdelkader klargemacht, dass wir finanziell kaum etwas bieten können. Aber er hat akzeptiert.»

Und Kläy verweist darauf, dass die Ausgaben für Nick Shore und Justin Abdelkader durch die Verletzungen von Calvin Thürkauf und Dario Wüthrich sowie die Ausleihe von Jesse Zgraggen nach Davos keinen finanziellen Mehraufwand für den Klub bedeuteten.

Erst Visum, dann Quarantäne

Justin Abdelkader, der in Detroit längere Zeit an der Seite von Zugs Lockout-Superstar Henrik Zetterberg stürmte, ist laut Kläys Einschätzung fit. Aber seit vielen Monaten halt ohne Spielpraxis.

Mit Abdelkader erhält das Kader eine interessante Ergänzung. Der Flügel steht für eine harte Spielweise. Gerade in den Playoffs erhält dieser Aspekt eine zusätzliche Bedeutung.

Abdelkader heizt aber auch den Konkurrenzkampf unter den Ausländern im EVZ-Kader an. Allen voran der Schwede Erik Thorell ist nie der Reputation einer spektakulären Flügelfräse, die ihn im Sommer 2019 nach Zug begleitete, gerecht geworden. «Es ist kein Geheimnis, dass Erik Thorell nicht auf dem Level spielt, das er sich und wir uns vorgestellt haben», sagt Reto Kläy.

Mit dem fünften Ausländer erhält Zug-Trainer Dan Tangnes nun eine weitere Option für seine Aufstellung. Doch Justin Abdelkader muss erst noch das Visum bekommen und in Quarantäne gehen, bevor er sich seinem neuen Arbeitgeber anschliessen kann.

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