Eveline Suter zwischen New York und Zuger Wurzeln
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«Die Schöne» Eveline Suter schaut sich im Spiegel an, beobachtet vom Biest. (Bild: Andy Mettler)

Musicalsängerin als «Schöne» auf der Walenseebühne Eveline Suter zwischen New York und Zuger Wurzeln

4 min Lesezeit 15.07.2018, 11:27 Uhr

Die gebürtige Zugerin Eveline Suter machte ihre Berufung als Sängerin zur Profession. Zurzeit ist sie als Bella im Musical «Die Schöne und das Biest» auf der Walenseebühne zu sehen. Suter sieht in ihrer Figur eine charakterstarke Frau, die für das Gute kämpft.

Als Eveline Suter auf dem Gelände der Walenseebühne ankommt, ist sie ein wenig aus der Puste. Es ist bereits das dritte Interview für die Zugerin an diesem Tag. Suter spielt auf der Freilichtbühne in Walenstadt im Musical «Die Schöne und das Biest» – na, wen wohl? – die Schöne. Bella heisst das Mädchen passenderweise. Eine tapfere junge Frau, deren Schönheit ihrem treuen Glauben an das Gute und Gerechte in nichts nachsteht. Punkt. Ende des Persönlichkeitsprofils.

Der vage Traum vom fernen Glück

Keine Macken, keinen Sinn für Humor, keine Vergangenheit. Nur der vage Traum vom fernen Glück bleibt als Treibkraft für den Plot. Eine der x Versionen «jung, hübsch und Spielball der Geschichte», wie sie etwa bei Disney in den letzten neunzig Jahren vom Stapel liefen. Cinderella, Schneewittchen, Alice im Wunderland. Alle zusammen so viel Charakter wie ein Knopf.

«Auf der Bühne nehme ich Ferien von mir selbst.»

Eveline Suter, Musicalsängerin in «die Schöne und das Biest»

Suter sieht das anders: «Bella ist eine sehr junge, aber sehr charakterstarke Frau, die für das Gute kämpft. ‹Die Schöne und das Biest› ist und bleibt natürlich ein Märchen, bei dem das Gute siegt. Aber in der heutigen Zeit finde ich das erfrischend und schön.»

Bella kann auch anders

Auf der Bühne steht eine andere Frau, als jene, die zuvor in der hauseigenen Musicalbar routiniert über ihre Arbeit spricht. Keine Spur von nerviger Autofahrt durch Zürich im Abendverkehr. Die Strapazen des Tages scheinen weggeblasen, wie Staub von einer Lampe. Wenn sie spielt, leuchtet Suter. «Auf der Bühne nehme ich Ferien von mir selbst», gab sie einst in einem Interview preis.

Entzückt dreht sie sich mit den Waldelfen im Kreis. Strahlendes Lächeln, entrückte Augen, wie eine Barbiepuppe. Doch wo sie nur kann, verleiht die 39-Jährige dem engen Korsett Bella ihre eigene Spannkraft und das brave Kleid mit blondem Haar wird Mensch.

Eveline Suter hat geschafft, wovon viele träumen: Sie kann von ihrem Beruf als Künstlerin leben.

Eveline Suter hat geschafft, wovon viele träumen: Sie kann von ihrem Beruf als Künstlerin leben.

(Bild: wom )

«Lass das!», herrscht sie das selbstmitleidige Biest an, und die Power, die in der 1,64 Meter grossen Frau aufblitzt, spricht den nominalen Machtverhältnissen auf der Bühne Hohn. Das kleine «Blondie» zerrisse hier alle in der Luft, wenn man sie nur liesse.

Schon als Kind zielstrebig

«Ich war schon immer so», erzählt sie und meint damit ihre Zielstrebigkeit. «Ich wusste schon als Kind genau, was ich wollte.» Ballett tanzen. Später singen und Trompete spielen.

Dafür hat Suter stets gearbeitet. «Ich war kein Mädchen, das nur die Hand aufmachte.» Sie putzte im Altersheim, in dem ihre Mutter arbeitete, übernahm «Kopierjobs» in Büros, Frühschichten in der Bäckerei oder Spätschichten an der Bar.

Bella Eveline Suter tanzt mit den verwunschenen Seelen im Schloss auf der Walenseebühne.

Bella Eveline Suter tanzt mit den verwunschenen Seelen im Schloss auf der Walenseebühne.

(Bild: Andy Mettler)

Heute lebt sie von ihrem Beruf als Künstlerin. Neben Musicals ist sie in Spielfilmen,TV und Werbung zu sehen oder arbeitet als Sprecherin. Auch der SBS, der schweizerischen Bibliothek für Blinde, Seh- und Lesebehinderte in Zürich, leiht sie des Öfteren ihre Stimme. «Keines dieser Felder möchte ich missen», sagt sie.

Ein Leben zwischen zwei Welten

Heute lebt und arbeitet die Sängerin abwechslungsweise in New York und der Schweiz. In ihre neue Wahlheimat brachte sie ein Atelierplatz des Zuger Amtes für Kultur. «Drei Monate durfte ich an der Upper Westside spielen, lernen und mich weiterentwickeln.» Aus den drei Monaten wurden bald eineinhalb Jahre.

«Kunst kommt aus dem Herzen und ist heute wichtiger denn je in unserer Gesellschaft.»

Heute ist ihr Lebensmittelpunkt in New York. Ihr gefällt die Nonchalance der New Yorker. Die alte Heimat will sie aber nicht missen. «Hier liegen meine Wurzeln. Meine Familie. Ich geniesse es, dass ich in beiden Welten leben kann.»

Der Traum eines eigenen Programms

Kunst machen sollte jeder, findet sie. «Ob mit 50 oder 15 Jahren – es ist nie zu spät, damit anzufangen. Kunst kommt aus dem Herzen und ist heute wichtiger denn je in unserer Gesellschaft.» Selbsterfahrung statt Leistungslust. Darf also nur malen, wer malen kann? «Quatsch», findet die Zugerin. Sie skizziert in ihrer Freizeit. Zwar «alles andere als perfekt», wie sie findet. «Aber mit Leidenschaft.»

Noch bis Ende Juli spielt Suter auf der Freilichtbühne am Walensee vor wildromantischer Voralpenkulisse die schöne Bella. Für die Zukunft spielt sie mit einer neuen Idee: «Ich hätte Lust, mal ein eigenes kleines Programm mit Freunden zu machen. Mit Witz und Pep und viel Freude am Spielen.» Ob für die Öffentlichkeit oder erst mal nur im vertrauten Kreis, bleibt noch offen. Vielleicht sehen wir aber schon bald mehr von Suter als zuckersüss und lieblich.

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