EV Zug
Er hat Charisma und einen Plan

Warum Coach Tangnes alle Zuger Meister-Helden überragt

Sein grosser Moment: EVZ-Trainer Dan Tangnes lässt sich von den Fans mit dem Meisterpokal feiern. (Bild: Claudio Thoma/freshfocus)

Was für eine Show! Cheftrainer Dan Tangnes führt die Spieler des EV Zug in extremis zur erfolgreichen Titelverteidigung. Seine Rolle ist noch wichtiger als jene der EVZ-Titanen Leonardo Genoni, Jan Kovar & Co.

Der Erfolg hat viele Väter. Und beim EVZ sind sie an diesem unvergesslichen Sonntagabend gerade auf dem Höhepunkt ihrer Klubgeschichte angelangt. Zweimal Meister in zwei Jahren. Ab sofort gehört der EV Zug zu den «Big Five» im Schweizer Klub-Eishockey (zentralplus berichtete).

Den Aufschwung in ungeahnte Sphären des Erfolgs hat einer realisiert, der gar nicht auf dem Eis steht: Cheftrainer Dan Tangnes. Im Sommer 2018 ist EVZ-Sportchef Reto Kläy nach der Entlassung von Harold Kreis das Risiko eingegangen, einen Nobody zu verpflichten. Seine etwas seicht wirkende Begründung für den Entscheid? Der Neue passe hervorragend zur Philosophie und Strategie des Vereins.

Reto Kläy, der Architekt des Zuger Meisterteams

Aber Reto Kläy, der Architekt der neu errichteten Dynastie des EV Zug, sollte Recht behalten. Vielleicht wird er später einmal sagen, die Verpflichtung von Dan Tangnes sei sein genialster Schachzug in seinem Berufsleben als Sportchef gewesen. Zumindest ist sein Einfluss auf den triumphalen Höhenflug des EVZ mit der Verpflichtung des 43-jährigen Norwegers und der Kaderzusammenstellung für diese Saison nicht hoch genug einzuschätzen.

Neun Spieler haben den EVZ vor dieser Saison verlassen, darunter verdiente Titulare wie Meister-Captain Raphael Diaz oder Santeri Alatalo. Darum musste die Zuger Verteidigung mit Charakter und Klasse (Niklas Hansson und Christian Djoos) umgebaut und der Sturm mit Neuzugängen (Meisterschütze Fabrice Herzog, Marco Müller, Reto Suri & Co) neu modelliert werden. Reto Kläy und Dan Tangnes lösten diese Aufgabe mit Bravour.

Gleichzeitig bannte der Umbruch auch eine Gefahr: Ein Sättigungsgefühl nach dem Titelgewinn im Corona-Jahr 2021 war beim EVZ niemals aufgekommen. Stattdessen fühlte sich die Mannschaft auf einer Mission und erfüllte sie.

Die begnadeten Handwerker der Zuger

Selbstredend verfügt der alte und neue Meister über eine geballte Ladung an spielerischer Klasse und Leadership: Angefangen beim mittlerweile siebenfachen Meistergoalie Leonardo Genoni, der dann sein bestes Niveau auspackt, wenn alles auf dem Spiel steht. Und das selbst, wenn er einen Kaltstart in Kauf nehmen muss (zentralplus berichtete).

Ein unvergesslicher Moment: EVZ-Genius, Captain und Topskorer Jan Kovar nimmt seinen Filius in den schönsten Momenten des sportlichen Erfolgs in die Arme. (Claudio Thoma/freshfocus) (Bild: )

Wie im meisterlichen Vorjahr ist Jan Kovar der Chefstratege im EVZ. Der Genius ist in der entscheidenden Phase der Saison nach wie vor das Mass aller Dinge. Und zwar mit fünf Toren und 16 Assists in den 15 Playoff-Spielen. Damit überragt der 32-jährige Tscheche alle Mitstreiter der Liga und ist für sein Team gar bedeutender als sein starker Bruder, der ZSC-Goalie Jakub Kovar.

Aber die Zuger Meistermannschaft besteht nicht nur aus Goalie-Titan Leonardo Genoni und Genius Jan Kovar. Da gibt es noch eine Reihe weiterer entscheidender Spieler, die es verdienen, erwähnt zu werden: Dario Simion, Grégory Hofmann, Christian Djoos – die Liste ist lang.

Tangnes: Der charismatische Baumeister der EVZ-Dynastie

Letzten Endes hat sie ein Mann geführt und zu einer zweifachen Meistermannschaft geprägt: Dan Tangnes. Ihm ist es auf eine schier unnachahmliche Weise gelungen, grosse Spieler mit grossen Egos, Jungmillionäre und die nachrückenden Talente zu einer verschworenen Einheit zu formen.

Sein EVZ hat nicht nur vier aufeinanderfolgende Siege in den Viertel- und Halbfinals gegen Lugano und Davos errungen. Er hat auch vier Siege aneinandergereiht zu einem Zeitpunkt, als es nach drei Final-Niederlagen gegen die ZSC Lions en suite keinen Ausweg zu geben schien. Eine historische Wende.

Es ist das Meisterstück von Dan Tangnes. Vor allem deshalb, weil der Chef in den bitteren Stunden immer sich selbst geblieben ist. Er hat nie geklagt und schon gar nicht gejammert. Sondern unvermindert die Fähigkeiten und die Mentalität seines Teams hervorgehoben.

Wie sieht die sportliche Zukunft des EVZ aus?

Dan Tangnes ist der Prototyp eines modernen und erfolgreichen Eishockey-Trainers (zentralplus berichtete). Weil er eine geballte Ladung an Fach- und Sozialkompetenz in sich vereint.

Der smarte Norweger hat allen Spielern des EVZ eine Rolle zugewiesen, die sie leben und ausfüllen können. Das kann dem Trainer nur dann gelingen, wenn er Charisma hat. Dan Tangnes hat auch diese Ausstrahlung.

Aber wie sieht die EVZ-Zukunft aus? Marco Müller (zu Lugano), Jérôme Bachofner (ZSC Lions) und der Schwede Anton Lander (Timra) ziehen von dannen. Namhafte Zuzüge gibt es bislang noch keine. Einen Ersatz für Lander und die Verpflichtung eines sechsten Ausländers sind die nächsten Aufgaben für Sportchef Reto Kläy.

Verwendete Quellen
  • Beobachtung des EVZ während der gesamten Saison
  • Gespräche mit den EVZ-Verantwortlichen
  • Statistik via National League.
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