EV Zug
Kameras vom Bahnhof bis zum Stadion

Was hat die Video-Überwachung in Zug gebracht?

EVZ-CEO Patrick Lengwiler posiert auf dem Arena-Platz vor dem Stadion: Nicht erst seit der Installation der Videokameras tendiert die Anzahl Straftaten im Zusammenhang mit Zuger Heimspielen gegen null. (Bild: EVZ)

Kurz vor dem Eidgenössischen 2019 sind in Zug zwischen Bahnhof und Arena-Platz vor dem Eishockey-Stadion Videokameras installiert worden. Sie sollten dazu dienen, die Straftaten in diesem Gebiet zu reduzieren. Zeit für eine Zwischenbilanz.

Der Bahnhofplatz und die westlichen Ausgänge in die Stadt Zug werden seit drei Jahren durchgehend mit über zehn Kameras videoüberwacht. Das Gebiet zwischen Bahnhof über die Gubelstrasse bis hin zum Arenaplatz vor dem Zuger Eishockey-Stadion nur während Veranstaltungen (zentralplus berichtete).

750 Straftaten in den vorangegangenen drei Jahren waren für die Zuger Polizei 2017 Anlass, dieses Regime beim Regierungsrat zu beantragen. Es sollte dazu dienen, Straftaten wegen der abschreckenden Wirkung von Videokameras zu reduzieren. Oder dabei helfen, begangene Straftaten besser verfolgen und aufklären zu können.

Weil eine Privatperson gegen die vom Regierungsrat bewilligte Videoüberwachung Beschwerde erhob, ging der Fall vors Verwaltungsgericht. Und dieses gab der Polizei Anfang 2019 grünes Licht (zentralplus berichtete).

Videokameras: Polizei stellt neuen Bewilligungsantrag

Seit der Inbetriebnahme der Überwachungsanlage im Gebiet um den Zuger Bahnhof sind ziemlich genau drei Jahre ins Land gezogen. Da drängt sich die Frage auf: Wie viele Straftaten gab es weniger im Vergleich zu den 750 in den Jahren 2014 bis 2016?

«Im erneuten Bewilligungsantrag wird eine Evaluation über die bisherigen Erfahrungen mit der Überwachungsanlage dargelegt.»

Judith Aklin, Kommunikationsverantwortliche der Zuger Polizei

Judith Aklin, die Kommunikationsverantwortliche der Zuger Polizei, schreibt auf Anfrage: «Der Verhältnismässigkeitsgrundsatz erfordert, dass der Entscheid über den Einsatz von Videoüberwachungsgeräten regelmässig überprüft wird. Die Bewilligung im öffentlichen und öffentlich zugänglichen Raum ist auf fünf Jahre befristet.»

Aklin zufolge ist die Zuger Polizei zurzeit daran, den Erneuerungsantrag zu stellen. «Im erneuten Bewilligungsantrag wird eine Evaluation über die bisherigen Erfahrungen mit der Überwachungsanlage dargelegt.»

Genaue Zahlen erhält zuerst der Regierungsrat

Auch auf Nachfrage von zentralplus rückt sie keine Zahlen herraus: «Wir erheben die Zahlen im Rahmen des Erneuerungsantrages zu Handen der Regierung. Deshalb werden wir diese erst zu einem späteren Zeitpunkt den Medien zur Verfügung stellen können.»

Man braucht allerdings kein Hellseher zu sein, um davon auszugehen, dass die Bilanz aus Sicht der Zuger Polizei positiv zu lesen ist. Sonst wäre ein Erneuerungsantrag ohne Aussicht auf Erfolg.

Die Frage, ob die Videoüberwachung aus Sicht der Zuger Strafverfolgungsbehörden ein Erfolg sei, beantwortet Aklin so: «Wir konnten in der Vergangenheit auch schon Delikte klären und die Täterschaft überführen.»

«Unsere Einlasskontrolle hat zwar zu Fan-Boykotts geführt. Aber dafür sind andere Leute gekommen.»

EVZ-CEO Patrick Lengwiler

Als Beispiel dafür nennt sie den Vorfall mit einem 60-jährigen Taxifahrer, der im Mai 2020 von drei jungen Männern auf dem Bundesplatz verprügelt und schwer verletzt wurde. Dank zwei vorbeifahrenden Zeugen, die beherzt eingriffen, konnte die Bande in die Flucht geschlagen und später ermittelt werden. Das Duo wurde ein Jahr später mit dem Zuger Preis für Zivilcourage geehrt (zentralplus berichtete).

Judith Aklin gelangt zum Schluss: «Jedes Delikt, das verhindert oder geklärt werden kann, ist ein Erfolg.»

EVZ: Seit ID-Überprüfung kaum mehr Straftaten

Es ist so gut wie sicher, dass die Heimspiele des EV Zug in den letzten drei Jahren nicht in Straftaten mündeten. Vor allem deshalb, weil Zuschauer an Spielen in der Bossard Arena während der Corona-Pandemie entweder gänzlich ausgeschlossen oder nur sehr reduziert zugelassen waren.

EVZ-CEO Patrick Lengwiler sagt, er könne sich nicht daran erinnern, wann es zuletzt zu einer relevanten Straftat im Zusammenhang mit einem Heimspiel der Zuger gekommen sei. Und das betrifft viele Jahre vor Ausbruch der Weltvirus-Krise.

Der Wendepunkt kam 2012, als der EV Zug ausschliesslich für die Fans im Gästesektor personalisierte Tickets einführte. Hintergrund für diese Massnahme war die kantonale Verfügung zur Übernahme von Polizeikosten. Dem Klub wird seit zehn Jahren ein Kostenanteil von 60 Prozent in Rechnung gestellt.

Die ID-Kontrolle der Gästefans beim Eintritt ins Stadion und die Abgleichung mit der Hooligan-Datenbank ist für Lengwiler der Hauptgrund dafür, dass EVZ-Heimspiele schon viele Jahre vor Installation der Überwachungsanlage gesittet abliefen. «Unsere Einlasskontrolle hat zwar zu Fan-Boykotts geführt», sagt der CEO. «Aber dafür sind andere Leute gekommen.»

Ausserhalb der Pandemie weist der Schweizer Meister der letzten beiden Jahre regelmässig eine Stadionauslastung von gut 97 Prozent aus. Deshalb beschäftigt derzeit der Ausbau der Bossard Arena von aktuell 7'200 auf gut 9'000 Plätze die Zuger Stadtpolitik (zentralplus berichtete).

Gibt's bald Videokameras in weiteren Zuger Stadtgebieten?

Die Zuger Polizei macht gemäss Judith Aklin keine separaten Erhebungen darüber, wie viele Straftaten in Zusammenhang mit EVZ-Heimspielen begangen werden. Das gilt für die Zeit vor und nach der Installation der Überwachungsanlage im öffentlichen Bereich.

Die abschreckende Wirkung der Videoüberwachung im Gebiet zwischen dem Zuger Bahnhof und dem Arena-Platz wird mutmasslich zur Reduktion von Straftaten beigetragen haben. Dient die positive Erfahrung dazu, die Überwachung auf weitere Zuger Stadtgebiete auszudehnen?

Die Polizei sagt dazu klipp und klar: «Nein.»

Verwendete Quellen
  • Schriftlicher E-Mail-Verkehr mit Judith Aklin, Kommunikationsverantwortliche der Zuger Polizei.
  • Telefonat mit EVZ-CEO Patrick Lengwiler.
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