EV Zug
Nur ein Duo vereint mehr Meistertitel auf sich

EVZ-Goalie Genoni greift Schweizer Titel-Rekord an

EVZ-Goalie Leonardo Genoni will gefährliche Situation vor seinem Tor klären, bevor er das Glück bei einem «big save» beanspruchen muss. (Bild: Andy Müller/freshfocus)

Die Titanen im Profisport sind vom Ehrgeiz Getriebene. Leonardo Genoni (34) ist so zum besten Goalie geworden, den die National League je sah. Mit den Playoffs beginnt am Freitag die entscheidende Meisterschaftsphase. Es ist sein Spielplatz. Der Torhüter des EV Zug hat trotz sechs Meistertiteln noch lange nicht genug.

Leonardo Genoni lacht und sagt: «Immer wenn ich Sie treffe, blüht mir eine solche Frage. Aber dabei lerne ich wenigstens etwas.»

Die Frage, die der Chronist von zentralplus dem EVZ-Meistergoalie stellte, war: Wissen Sie, welche zwei Spieler noch mehr Titel in der höchsten Schweizer Spielklasse gesammelt haben als Sie?

Leonardo Genoni kehrt kurz in sich, nennt erst einen falschen Namen und sagt dann: «Ich komme nicht darauf.» Es sind Jörg Eberle und Michel Türler. Beide haben sich in der Neuzeit des Schweizer Eishockeys je sieben Mal als Schweizer Meister feiern lassen können.

Also einmal mehr als Leonardo Genoni, der dreimal mit Davos (2009, 2011, 2015), zweimal mit Bern (2017 und 2019) und einmal mit Zug (2021) den Titel gewann. Meister mit drei verschiedenen Vereinen – damit ist der 34-Jährige bereits Mitglied in einem exklusiven Zirkel des Schweizer Klub-Eishockeys (zentralplus berichtete).

Genonis Ziel vor jeder Saison: Sieg im letzten Playoffspiel

Sein Vertrag mit den Zugern läuft noch bis im Sommer 2024. Aller Voraussicht nach bleiben Leonardo Genoni also noch mindestens drei Chancen, um den Titel-Rekord zu egalisieren oder gar für sich alleine zu beanspruchen.

Er sagt: «Jede Saison startest du mit dem Ziel, den letzten Match in den Playoffs zu gewinnen. Aber ich möchte vor dem Start nicht von Dingen schwätzen, die in drei Runden sein könnten. Vor einem Jahr hatten wir in der ersten Runde am meisten Mühe.» Und ergänzt, dass es auch heuer wieder ähnlich schwierig werden würde.

«In Bern haben wir uns das Selbstvertrauen für den späteren Titelgewinn geholt.»

EVZ-Goalie Leonardo Genoni

Schwingen bei Leonardo Genoni leise Zweifel mit bei der Zuger Mission Titelverteidigung? Der Blick zurück hilft bei der Einordnung.

Vor einem Jahr haben die Zuger, die zuvor mit 119 Punkten in der Qualifikation einen Rekord hinlegten, den Pre-Playoff-Klub SC Bern erst im sechsten Viertelfinal-Spiel mit einem 1:0 in dessen Arena gebodigt. «Damals haben wir uns das Selbstvertrauen für den späteren Titelgewinn geholt», so Genoni.

EVZ-Nachlässigkeiten: Meckert Genoni öfters?

Den Qualifikationssieg in diesem Frühjahr hat der Meister EVZ wiederholt (zentralplus berichtete). Und Leonardo Genoni betont, dass er um die Stärken der eigenen Mannschaft trotz fünf Niederlagen zum Schluss wisse. «Ich bin alt genug, um diese negative Serie nicht zu überbewerten. Aber auch, um das Ganze nicht auf die leichte Schulter zu nehmen. Wir sind noch nicht im Playoff-Modus angelangt.»

Bei der Beurteilung der Zuger Unzulänglichkeiten im Schlussspurt der Qualifikation fängt er bei sich an: «Ich habe zwar hart gearbeitet, aber zweimal nicht den Output hingekriegt, als wir dreimal in Folge zu null verloren haben. Wir führen uns nun in intensiven Trainingseinheiten vor Augen, dass es in den Playoffs keine Nachlässigkeit geben darf.»

Die Folge davon? «Unser Coaching-Staff unterbricht nun öfters die Trainingseinheiten, um explizit auf die Fehler hinzuweisen», so Genoni. Meckert der Goalie-Titan auch mehr? Er weise auf Verbesserungen hin, ob es nun September oder März sei, hält der 34-Jährige fest.

Warum Genonis Riesenparaden nicht wichtig sind

Bemerkenswert: Der EV Zug hat in der abgelaufenen Qualifikation einen Gegentreffer weniger zugelassen als in der vorangegangenen Rekord-Saison. Das bestätigt Genonis Gefühl, in dieser Saison einen kleinen Schritt in die richtige Richtung gemacht zu haben. «Wir haben die Trainingsqualität gesteigert und bis auf die letzten fünf Spiele auch unser Spiel in Unterzahl. Ein wichtiger Faktor in den Playoffs.»

Die Qualität seiner bisherigen Saison bemisst er nicht an der Anzahl der «big saves», die sich wohl gut mit «Riesenparaden» übersetzen lassen. Szenen, in denen er seine Vorderleute mit einem unglaublichen Reflex vor einem (weiteren) Verlusttor bewahren kann. Solche Rettungstaten hätten vor allem mit Glück zu tun, denkt er.

«Ich möchte mich so wenig wie möglich vom Glück abhängig machen.»

«Mein Ziel ist es, dass es gar nicht so weit kommt. Dass ich eine gefährlich werdende Situation vorher richtig lesen und die passende Antwort darauf geben kann, bevor es richtig brenzlig wird», erläutert Genoni. «Wenn mir das nicht gelingt, bin ich im ‹Seich› und aufs Glück angewiesen. Und davon möchte ich so wenig wie möglich abhängig sein.»

EVZ: Genoni liebt die Herausforderung

Zum Glück für den EVZ ist Leonardo Genoni einer der ganz seltenen Charaktere, die dann sein bestes Niveau abzurufen pflegen, wenn alles auf dem Spiel steht. Bei Berufskollegen beginnt vor solchen Herausforderungen das Nervenflattern, den sechsfachen Meistergoalie scheint das zu stimulieren. Warum?

Er versteife sich nicht, weil er jeden Match gewinnen wolle, schon in der Qualifikation. «Ich weiss zwar um die Brisanz und die Bedeutung eines Spiels. Aber ich liebe diese Herausforderung. Erst recht auch, weil in diesen Spielen für gewöhnlich mehr los ist in den Stadien», sagt Leonardo Genoni.

«Ich würde gerne alles können, aber ich weiss auch, dass das unmöglich ist.»

Es ist sein Ehrgeiz, der ihn permanent antreibt. «Der Ehrgeiz ist meine grösste Stärke und Schwäche zugleich», sagt er. «Ich würde gerne alles können, aber ich weiss auch, dass das unmöglich ist.»

Genoni macht jeden Tag alles mit einem Ziel

Aber er weiss vor allem: «An dem Tag, an dem du zufrieden bist, hörst du auf, besser zu werden.» Aus seinem Mund tönt das wie eine grauenhafte Vorstellung.

Dazu muss man wissen: Leonardo Genoni hat sich das, was er heute ist, hart erarbeiten müssen. «In meiner Nachwuchszeit beim ZSC habe ich nicht kämpfen müssen um Spielpraxis. Es ging einfach nach oben. Bei meinem Wechsel nach Davos bin ich mit dieser Einstellung aber in eine Wand gefahren.»

Er habe lernen müssen, jeden Arbeitstag mit einem Ziel beginnen zu müssen. «Das ist mir geblieben. Alles, was ich tue, mache ich mit einem Ziel. Mittlerweile sind die Entwicklungsschritte nicht mehr so gross wie am Anfang meiner Karriere», räumt Leonardo Genoni ein. Aber er habe sich nie vorwerfen lassen wollen, nicht alles versucht zu haben.

Wie es dereinst wohl in der Hitliste der Schweizer Spieler mit den meisten Meistertiteln heissen wird? Genoni vor Eberle und Türler? Der EVZ und seine Anhänger hätten ganz bestimmt nichts dagegen.

Verwendete Quellen
  • Persönliches Gespräch mit Leonardo Genoni im OYM
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