EV Zug
Meister zum dritten Mal in Serie ohne Torerfolg

EVZ: Die Ungeheuerlichkeit, der Frust und der Hockey-Gott

Was für eine Zuger Mühsal derzeit auf dem Eisfeld – abzulesen im Gesicht des begnadetsten EVZ-Goalgetters Grégory Hofmann. (Bild: Marc Schumacher/freshfocus)

0:4 gegen Genf, 0:4 in Lausanne und nun ein 0:3 gegen den gleichen Gegner innerhalb von 24 Stunden. Seit drei Stunden Spielzeit hat der Meister keinen erfolgreichen Torschuss mehr zustande gebracht. Und das kurz vor Playoff-Beginn. Muss man sich um den EV Zug ernsthafte Sorgen machen?

Nach der ersten Niederlage im neunten Heimspiel dieses Jahres vor gut 6’400 Zuschauern macht EVZ-Stürmer Yannick Zehnder einen zerknirschten Eindruck. Die seit drei Spielen andauernde Ladehemmung der Zuger, notabene der Mannschaft mit der statistisch grössten Feuerkraft der Liga, hat ihm aufs Gemüt geschlagen.

«Ja, drei Spiele lang keinen Treffer zu erzielen, ist happig», gesteht er eine Ungeheuerlichkeit ein. In den ersten beiden Spielen hätten sie zu wenig kreiert, weil der letzte Biss vor dem Tor gefehlt habe. «Aber heute haben wir Kampf und Willen demonstriert und Chancen liegen gelassen, aus denen wir normalerweise drei Tore machen.»

Drei aufeinanderfolgende Zuger Auftritte ohne Torerfolg: Das hat absoluten Seltenheitswert. Schon im letzten November, als der EVZ in zwei Spielen gegen die Rapperswil-Jona Lakers (0:3) und den HC Davos (0:2) keinen Treffer zustande brachte, schrieb zentralplus davon, dass dies zum ersten Mal unter der Ägide von Meistertrainer Dan Tangnes und zum letzten Mal im Februar 2017 passiert sei.

Riesiger Frust und Ärger bei den EVZ-Spielern

«Der Frust ist da und der Ärger bei uns Spielern riesig», beschreibt Yannick Zehnder die Gemütslage in der Garderobe des Meisters nach dem sechsten Wettkampf in den letzten acht Tagen. Die Spiele am Samstag in Biel und am Montag zu Hause gegen die ZSC Lions stehen vor der Endabrechnung dieser Qualifikation.

«Das Wichtigste ist, dass wir Spieler das Vertrauen ineinander beibehalten.»

EVZ-Stürmer Yannick Zehnder

Jetzt hätten sie drei Tage Zeit bis zum nächsten Spiel, sagt der 24-Jährige und hält fest: «Wir müssen die Zeit nutzen, um uns darauf zu konzentrieren, wie wir unser Level deutlich steigern können. Das Wichtigste ist, dass wir Spieler das Vertrauen ineinander beibehalten.»

Am 25. März wird der EV Zug zu Hause mit dem ersten Playoff-Viertelfinalspiel in die entscheidende Phase der Mission Titelverteidigung steigen.

Wenn der EVZ-Trainer lächelt

Müssen sich die Fans der Zuger angesichts der happigen Schaffenskrise also Sorgen machen um die Leistungsfähigkeit ihrer Lieblinge in der entscheidenden Phase der Meisterschaft? Man könnte nun den Unterschied zwischen einem Optimisten und Pessimisten ins Feld führen. Davon schreiben, was die sportliche Weltanschauung dieser beiden Pole grundsätzlich unterscheidet und sie mit Momentaufnahmen unterfüttern.

Doch ein Bild sagt manchmal mehr als tausend Worte. Und so begrüsst Meistertrainer Dan Tangnes zentralplus mit einem Lächeln im Gesicht. Darauf angesprochen entgegnet der 43-jährige Norweger: «Ach, wissen Sie, in unserer Zeit gibt es Menschen, denen es viel schlechter geht als uns.» Damit entwaffnet er jeden Gesprächspartner.

«Sollte es mir schon passiert sein, habe ich mein Bestes gegeben, um es zu vergessen.»

Zugs Meistertrainer Dan Tangnes

Auch auf die Frage, ob er schon mal ein Team gecoacht habe, das in drei Spielen hintereinander nicht einen einzigen Treffer erzielt habe, kann er sich ein Schmunzeln nicht verkneifen: «Nein, ich glaube nicht. Und sollte es mir schon passiert sein, habe ich mein Bestes gegeben, um es zu vergessen.»

Der Hockey-Gott nimmt und gibt es dem EVZ

Eine Erklärung für die Misere vor dem gegnerischen Tor kann Dan Tangnes nicht bieten. Aber er verweist auf eine nicht überprüfbare Statistik: «Wir haben an diesem Abend gegen Lausanne 18 Schüsse aus dem Slot aufs gegnerische Tor abgegeben.» Zur Erklärung: Der Slot ist der gefährlichste Bereich vor einem Gehäuse, in dem die Wahrscheinlichkeit am grössten ist, einen Treffer erzielen zu können.

«Die Trainings am Donnerstag und Freitag werden unsere ersten seit zehn Tagen sein. Und sehr wichtig werden.»

Dennoch blieb die Null hartnäckig stehen. Tangnes lakonisch: «Der Hockey-Gott gibt manchmal. Aber er nimmt auch.» Als Beleg für seine These führt er den letzten Heimsieg gegen Davos (7:2) an: «Dass wir sieben Tore geschossen haben, war keinesfalls nicht zwingend.»

Nach einem freien Mittwoch freut er sich auf die Trainingseinheiten am Donnerstag und Freitag: «Es sind unsere ersten seit zehn Tagen. Und sie werden für uns sehr wichtig werden.»

EVZ: Kein Tor erzielt, aber elf Tore zugelassen

Noch mehr als die kollabierte Torproduktion seines Teams beschäftigt ihn, dass «wir dem Gegner zurzeit zu einfache Tore zugestehen.» Elf Gegentore in den letzten drei Spielen verstärken seinen Eindruck. Zumal in seinem Verständnis Eishockey eine Abfolge des Momentums ist.

«Gelingt dem Widersacher ein Erfolgserlebnis, hat er das Momentum auf seiner Seite. Wir müssen mit dem Momentum in einem Spiel wieder besser umgehen.» Das bedeutet nicht selten auch das Bewahren von Geduld in offensiv kargen Zeiten.

Jan Kovar, der tschechische Genius, wäre am Dienstag gegen Lausanne trotz zweiter Spieldauer-Disziplinarstrafe in dieser Saison spielberechtigt gewesen. Für gewöhnlich zieht eine solche eine automatische Spielsperre nach sich. Aber die Liga-Justiz kam offenbar zum Schluss, dass sein Vergehen gegen Lausannes Goalie Luca Boltshauser «nicht tragend» gewesen sei, wie der EVZ verlauten liess.

Doch Dan Tangnes entschloss sich dazu, Jan Kovar eine Verschnaufpause zu gewähren. «Nach der Belastung durch Olympia sehe ich ihn lieber in unseren letzten beiden Qualifikationsspielen frisch.»

Und was ist mit den anderen Zuger Abwesenden? Verteidiger Dominik Schlumpf erholt sich von einer Blinddarm-Operation und wird laut Dan Tangnes in den Playoffs zur Verfügung stehen. Mit der Rückkehr von Verteidiger Samuel Kreis rechnet er im besten Fall zum Schlussspurt in der Qualifikation.

Ersatzgoalie Luca Hollenstein erwischte zunächst Corona, dann eine Oberkörperverletzung, wie der Klub kommuniziert. «Er ist im Training, aber wir müssen täglich schauen, wann es Sinn macht, ihn wieder ins Aufgebot eines Ernstkampfes zu nehmen», so Tangnes.

Bei Goalgetter Lino Martschini wird es vermutlich über den Playoff-Beginn hinaus dauern bis zu einem Comeback.

Verwendete Quellen
  • Matchbesuch in der Zuger Bossard-Arena.
  • Persönliche Gespräche mit Yannick Zehnder und Dan Tangnes.
  • Statistik via sihf.ch

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