EV Zug
Nicht besser als der Gegner, aber siegreich

Der EVZ-Trainer, seine Playoff-Serie und eine Drohung

Der Schuss von Luganos Luca Fazzini verschwindet im Fanghandschuh des überragenden EVZ-Goalies Leonardo Genoni. (Bild: Patrick Straub/freshfocus)

Es war schon immer so und auch zum Viertelfinal-Auftakt gegen Lugano nicht anders: Das erste Spiel einer Serie gewinnt immer der EV Zug, seit Dan Tangnes im Sommer 2018 als Cheftrainer übernommen hat. Das glückhafte 2:1 nach Verlängerung ist ein gutes Omen für den weiteren Verlauf dieser Serie.

Selbst bei der Final-Niederlage im Frühjahr 2019 mit einem 4:1 in Bern. Mittlerweile wissen wir: Damals ritt eine grosse SCB-Meistermannschaft, die ihren dritten Titel innerhalb von vier Jahren errungen und ihren Zenit überschritten hatte, dem Sonnenuntergang entgegen.

Viertelfinal-Start: Nur ein EVZ-Aus nach einem Sieg in zehn Jahren

Jetzt ist der EVZ das Mass aller Dinge im Schweizer Klub-Hockey. Der Titelverteidiger. L'équipe à battre. Und der Gejagte hat ein Spiel gewonnen, das er genauso gut hätte verlieren können. Wie wichtig der Sieg zum Playoff-Start ist, zeigt ein Blick zurück auf die letzten zehn Playoff-Saisons mit Zuger Beteiligung.

Sechs Mal hat der EVZ das erste Spiel gewonnen. Fünf Mal war das die Basis für ein Weiterkommen. Nur einmal nicht: In der Saison 2017/18 schieden die Zuger trotz einem 4:1 zum Viertelfinalauftakt gegen die ZSC Lions aus. Und die Stadtzürcher wurden Wochen später Meister.

Was eine Start-Niederlage gegen Lugano vor eigenem Publikum auslösen kann, zeigt die Saison 2015/16: Damals verlor der favorisierte EV Zug 1:2 nach Penaltyschiessen. Drei Spiele später war er sang- und klanglos ausgeschieden. Die Geschehnisse vor sechs Jahren lösten ein Erdbeben in der Zuger Spielergarderobe aus und bedeuteten im Rückblick den Aufbruch an die nationale Spitze.

Gewiss: Die Statistik vor und erst recht unter EVZ-Trainer Dan Tangnes ist noch lange kein Garant für ein Weiterkommen des Titelverteidigers. Aber zumindest als gutes Omen kann sie dienen.

Goalie lässt den Druck von den Zuger Schultern fallen

Nach dem schönen Ende zum Auftakt-Knüller wies Dan Tangnes darauf hin, dass seine Schützlinge im Spielrhythmus angekommen seien. «Jetzt ist wieder jeder im Playoff-Modus und der Druck ist von unseren Schultern gefallen.»

Vor einem negativen Spielausgang bewahrt wurde die Mannschaft hauptsächlich von Leonardo Genoni. Der Goalie, der die Zuger im letzten Frühling zum zweiten Titelgewinn in der Klubgeschichte hexte, parierte 39 von 40 Schüssen (97,5 Prozent Abwehrquote).

«Wir versuchten nur, unseren Vorsprung über die Zeit zu retten, und gaben die Initiative im Spiel auf.»

EVZ-Cheftrainer Dan Tangnes

Wenn alles auf dem Spiel steht, schraubt Leonardo Genoni sein Level auf ein maximales Niveau (zentralplus berichtete). Das durfte sich auch Nationaltrainer Patrick Fischer in Zug zu Gemüte führen, der im Olympia-Viertelfinal gegen Finnland zunächst freiwillig auf den EVZ-Goalie verzichtet hatte und letztlich gescheitert war.

Der EVZ hat es viel besser drauf

Aber zurück zum Titelverteidiger EVZ: Selbstverständlich war sich Dan Tangnes bewusst, dass sein Team nicht mal im Ansatz meisterlich gespielt hatte. Er sagte: «Den Ausgleich im letzten Drittel haben wir verdient kassiert. Wir versuchten nur, unseren Vorsprung über die Zeit zu retten, und gaben die Initiative im Spiel auf.»

Darum folgerte er: «Wir haben es besser drauf, was unsere Taktik und unser Leistungsvermögen betrifft. Nicht zuletzt können wir die Scheibe schneller laufen lassen.»

Mit dieser Einschätzung machte sich Dan Tangnes keinesfalls der Schönfärberei einer dürftigen Zuger Vorstellung schuldig. Dennoch reichte diese aus, um den ersten von vier Siegen für einen Vorstoss in die Halbfinals einzufahren. Darum wird die Feststellung des EVZ-Trainers in den Ohren der Südtessiner erst recht wie eine Drohung klingen.

Vielleicht wird genau das den Tessinern zu denken geben. Diese haben eine erstklassige Chance auf ein Break in dieser Serie ausgelassen und dafür erst noch ihre besten Kräfte an die Leistungsgrenze getrieben. Die mentalen Auswirkungen des Playoff-Auftaktes wird das zweite Duell am Sonntag in Lugano (20.00 Uhr) offenbaren.

Verwendete Quellen
  • Matchbesuch des ersten Viertelfinals in Zug
  • Gespräch mit EVZ-Trainer Dan Tangnes
  • Statistik via National League

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