EV Zug
Der erste Goalie mit sieben Meistertiteln

Darum schüttelt EVZ-Goalie Genoni haltbare Tore leicht ab

Zehn Gegentore in sieben Finalspielen: Die Zürcher (vorne Garrett Roe) kamen nur selten am überragenden EVZ-Goalie Leonardo Genoni vorbei. (Bild: Claudio Thoma/freshfocus)

Über 95 Prozent der Schüsse, die in den Playoffs auf seinen Kasten geflogen sind, hat er abgewehrt. Ein Gespräch mit Zuger Meistergoalie Leonardo Genoni (34) über Selbstvertrauen, Fehler und eine Anpassung seiner Spielweise im Laufe der Finalserie.

Er hat es einmal mehr bewiesen: Wenn alles auf dem Spiel steht, ruft Leonardo Genoni sein höchstes Niveau ab. Weil die Playoffs 2020 wegen der Corona-Pandemie ausgefallen sind, ist er zum dritten Mal in Serie Meister geworden (zentralplus berichtete).

zentralplus: Leonardo Genoni, ist es richtig, dass Sie als erster EVZ-Spieler von der Meisterfeier nach Hause gegangen sind?

Leonardo Genoni: Das weiss ich nicht. Aber ich gehörte sicher zu den Ersten.

zentralplus: Sind Sie kein Festbruder?

Genoni: Das kann ich auch sein. Aber für mich hat es in der Nacht auf Montag so einfach gepasst.

zentralplus: Wie haben Sie die Meisterfeier erlebt?

Genoni: Es war lässig. Für unsere Fans war es wie ein Abschluss unserer Meistersaison 2020/21. Damals konnten ja nur wenige ins Stadion, Tausende feierten draussen. Jetzt war es drinnen und draussen ein schönes Fest.

zentralplus: Sie sind zum bereits siebten Mal Meister geworden. Beschreiben Sie uns doch Ihre Gefühlswelt!

Genoni: Ich bin happy. Alles ist aufgegangen. Die Geschichte mit dem Aufholen nach einem 0:3-Rückstand in der Finalserie ist schon speziell.

zentralplus: Ist es darum Ihr schönster Titelgewinn?

Genoni: Die Frage ist, wie lange noch über unsere Aufholjagd geredet wird. Je mehr Zeit vergeht, umso mehr wird es einfach ein Titelgewinn sein. Wenn man die engen Spiele anschaut, hätte die Serie ja auch früher fertig sein können. Ob nun für die ZSC Lions oder für uns. Es ist immer ein schönes Gefühl, wenn man am Ende den Pokal in die Höhe heben kann. Mit Davos hatten wir mal 21 Playoff-Spiele bis zum Titelgewinn. Das war damals sicher anstrengender als heuer mit den beiden 4:0-Siegen in den Viertel- und Halbfinalserien. Aber sicher ist der aktuelle ein sehr schöner Titelgewinn.

zentralplus: Was machte dieses Zuger Meisterteam aus?

Genoni: Das gesunde Selbstvertrauen, das wir nie verloren haben. Wir mussten ein paar unglückliche Niederlagen einstecken. Weil die Spiele aber auch anders hätten enden können, haben wir gewusst, dass sich die Geschichte ins Gute verkehren wird. Wir hatten eine perfekte Woche, als wir darauf angewiesen waren.

zentralplus: Sie haben bloss zehn Gegentore in sieben Finalspielen zugelassen. Sind Sie als selbstkritischer Mensch zufrieden damit?

Genoni: Wichtiger als die Anzahl Gegentore ist es mir, dass wir als Mannschaft gewinnen. Aber ich kann keine Antwort geben auf Ihre Frage, weil ich mir die Torszenen noch nicht angeschaut habe. Ich bin einfach froh darum, dass ich meine Leistung habe abrufen können, als es am Wichtigsten war.

zentralplus: Sie haben in den Playoffs 427 von 448 Pucks pariert. Das ergibt eine sensationelle Abwehrquote von gut 95,3 Prozent. Das Bemerkenswerte dabei ist, dass Sie nach einem unglücklichen Gegentor Ihren Laden oft dichtmachen. Wie stecken Sie solche Dinger so leicht weg?

«Bei mir zu Hause stehen auch keine Leibchen und Pokale herum. Für mich hiesse das, dass ich in der Vergangenheit lebe.»

Genoni: Besser wäre, wenn es gar kein Gegentor bräuchte (schmunzelt). Aber ich kann es nicht mehr ändern, der Fehler ist mir schon passiert. Da bringt Hadern nichts. Die Angst davor, Fehler zu machen, darf nicht sein. Ich mache sie und weitere werden folgen. Aber ich glaube, dass wir als Goalieteam in dieser Saison einen recht grossen Schritt nach vorne gemacht haben. Diese Überzeugung war im Kopf und im Gefühl drin, ich brauchte es nur noch laufen zu lassen. Und die kleinen Veränderungen haben sich ausbezahlt.

zentralplus: Was für Veränderungen?

Genoni: Die ZSC Lions haben in unserer Zone oft den Querpass gesucht und sofort abgeschlossen. In den ersten drei Spielen habe ich mich so das eine oder andere Mal erwischen lassen. Die Frage war, wie viel Druck ich künftig auf den die Scheibe führenden Spieler machen sollte. Das ist ein Abwägen. Denis Malgin hat mich einmal in der nahen Torecke erwischt, weil er plötzlich schoss und ich auf einen Querpass spekulierte.

zentralplus: Andererseits haben Sie in Spiel 6 gegen Marco Pedretti mirakulös gerettet, als Sie nach einem Querpass den Beinschoner ausgefahren haben.

Genoni: Genau. Denis Malgin hat gezögert und gewartet und ich ahnte, dass da noch was kommen würde. Also habe ich Schwung geholt.

zentralplus: Sie sind der erste Goalie, der zum siebenten Mal Schweizer Meister geworden ist. Was bedeutet Ihnen das?

Genoni: Im Moment nicht viel. Vielleicht bekommt es einen höheren Stellenwert, wenn ich meine Karriere beendet habe. Bei mir zu Hause stehen auch keine Leibchen und Pokale herum. Für mich hiesse das, dass ich in der Vergangenheit lebe. Aber ich habe im Eishockey noch einiges vor.

zentralplus: Wann rücken Sie in die Nationalmannschaft ein?

Genoni: Ich weiss es nicht. Ich warte auf den Anruf von Patrick Fischer. Es wäre schön, an der WM teilnehmen zu können.

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