Europa League – schafft der FCL das Unmögliche?
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30. August 2012: Die zahlreich nach Genk (Belgien) gereisten FCL-Fans hoffen auf ein Weiterkommen. Doch das Spiel geht 2:0 verloren, die Luzerner fliegen raus. (Bild: Dominik Stegemann)

Teilnahme würde Millionen bringen Europa League – schafft der FCL das Unmögliche?

5 min Lesezeit 21.05.2015, 09:00 Uhr

Vom Abstiegs- zum Europa-League-Kandidaten: Der Wandel des FC Luzern gleicht einem Märchen. Wird das Märchen wahr, winkt dem chronisch defizitären Club eine schöne Stange Geld. Doch Europa war bislang ein zu hartes Pflaster für die Innerschweizer.

In der Winterpause traute sich nicht einmal der kühnste Optimist unter den FCL-Anhängern, vom Europacup zu sprechen. Das Abstiegsgespenst schwebte über dem FCL. Die gutbesetzte Mannschaft erspielte sich miserable Vorrundenresultate. Drei Spiele vor dem Rückrundenende sieht die Welt komplett anders aus.

Vom Abstiegskandidaten zum Spitzenteam

Der FC Luzern steht vor möglichen Qualifikationsspielen zur Europa League in der Saison 2016/2017, das Unmögliche ist wieder möglich. Zwar trat der Cheftrainer Markus Babbel nach dem Auswärtssieg gegen Vaduz (2:0) gegenüber SRF noch auf die Euphoriebremse mit einem Slogan, welcher er auf die Vorrunde bezieht: «Wir wissen, wo wir herkommen.» Diese Aussage ist wichtig, um die aktuell hervorragende Moral der Mannschaft aufrechtzuhalten. Jedoch kann man von aussen einen gigantischen Ruck im Team erkennen. Siege sind nicht mehr die Ausnahme, sondern die Gewohnheit. Die FCL-Mannschaft gewinnt mit einer Selbstverständlichkeit, wie seit Jahren nicht mehr. Grund genug für die Vereinsleitung, mit dem deutschen Trainergespann Markus Babbel und Roland Vrabec den Vertrag um mindestens ein Jahr zu verlängern.

30. August 2012: Nach dem 2:1 Sieg im Hinspiel verlieren die Luzerner in Genk 2:0. Daran konnte auch Adrian Winter nichts ändern (Bild: Dominik Stegemann).

30. August 2012: Nach dem 2:1 Sieg im Hinspiel verlieren die Luzerner in Genk 2:0. Daran konnte auch Adrian Winter nichts ändern (Bild: Dominik Stegemann).

FCL will nicht übermütig werden

Aktuell liegt der FCL mit 41 Punkten nur je einen Punkt hiner St. Gallen und Sion auf Rang 7. Gewinnt die Mannschaft heute Donnerstag gegen YB, winkt Platz 5. Dieser würde zur Teilnahme an den beliebten europäischen Spielen in der nächsten Saison berechtigen, vorausgesetzt, der Schweizermeister FC Basel gewinnt auch noch den Schweizer Cup gegen den FC Sion. Der 4. Platz berechtigt in jedem Falle zur Teilnahme in der Europa-League-Qualifikation. Auf diesem befindet sich der formschwache FC Zürich.

Es fehlen dem FCL zwar 5 Punkte auf den FCZ, jedoch steht noch ein Direktduell gegen eben diesen Lieblingsgegner aus. «Die Europa League steht für uns momentan nicht im Vordergrund», sagt Rudolf Stäger. «Wir nehmen nun Spiel für Spiel und wollen nicht übermütig werden.» Trotz dieser wohlüberlegten Aussage des FCL-Präsidenten gibt es gewisse Punkte, welche für den FCL von Bedeutung sein könnten im Hinblick auf die nächste Saison.

Keine Risiken, nur Chancen

Die Qualifikation an europäischen Spielen könnte dem FC Luzern dringend benötigte finanzielle Mittel generieren. Dies wäre nach einer teuren Saison mit einer Trainerentlassung und sinkendem Zuschauerinteresse Balsam für die Vereinskasse. Im Jahr 2014 resultierte ein Defizit von fast 2 Millionen Franken. Auch in den letzten Jahren gabs stets rote Zahlen. «Das strukturelle Defizit – zu wenige Einnahmen, zu hohe Ausgaben – kann nur mit sportlichem Erfolg und den entsprechenden positiven Auswirkungen abgebaut werden. Erst wenn dies gelingt und wir zudem noch in der Europa League mitspielen können, können wir profitablen Fussball spielen», sagt Stäger bezüglich der finanziellen Auswirkungen der Europa League. Um näher an dieses Ziel heran zu rücken, konnte Stäger die FCL-Investoren motivieren, einen ordentlichen Zusatzbatzen in die 1. Mannschaft zu investieren (zentral+ berichtete).

Der FCL-Präsident sieht in europäischen Geschäften keine finanziellen Risiken. Weiter erwähnt er, dass sich die Spielerwerte auf dem Transfermarkt bei einer erfolgreichen Europa-League-Teilnahme steigern können. «Nur schon aus diesem Grund lohnt sich eine Teilnahme!», sagt Stäger.

«Nur schon wegen der steigenden Spielerwerte auf dem Transfermarkt lohnt sich eine Teilnahme an der Europa League.»

Ruedi Stäger, FCL-Präsident

2,4 Millionen Franken locken

Bedingungen für einen Griff in den europäischen Honigtopf: Der FCL muss sich in der Europa League sportlich behaupten oder er bekommt einen attraktiven Gegner zugelost. Erfolge auf dieser begehrten Bühne sucht man vergebens in der neueren FCL-Geschichte. Der FCL scheiterte in den letzten Jahren gegen Utrecht (Holland), Genk (Belgien) und im letzten Sommer in einem dramatischen Elfmeterschiessen gegen Perth (Schottland). Attraktive Gegner sieht Stäger eher in Westeuropa: «Müssen wir zum Beispiel nach Kasachstan reisen, schaut unter dem Strich nicht viel raus.»

«Müssen wir zum Beispiel nach Kasachstan reisen, schaut unter dem Strich nicht viel raus.»

Ruedi Stäger, FCL-Präsident

Die UEFA hat die Auszahlungen in der Champions League und in der Europa League auf die kommende Saison erhöht. Wer die Gruppenphase der Europa League erreicht, erhält neu beträchtliche 2,4 Millionen Euro. Bis anhin waren es «nur» 1,3 Millionen. Für jeden Sieg kämen dem FCL zusätzlich stolze 360 000 Euro zugute. Man muss bedenken, dass bei diesen Zahlen die Zuschauereinnahmen nicht miteinberechnet sind. Bis zur Gruppenphase wären, je nach Platzierung, 2 bis 3 Qualifikationsrunden zu überstehen.

Juli 2010: Hunderte FCL-Fans reisen nach Utrecht in Holland und feuern ihre Mannschaft an. Allerdings vergebens, der FCL verliert 1:0. Das Heimspiel eine Woche später geht dann gleich mit 1:3 in die Hose (Bild: Dominik Stegemann).

Juli 2010: Hunderte FCL-Fans reisen nach Utrecht in Holland und feuern ihre Mannschaft an. Allerdings vergebens, der FCL verliert 1:0. Das Heimspiel eine Woche später geht dann gleich mit 1:3 in die Hose (Bild: Dominik Stegemann).

Brauchts neue Spieler?

Das schmale Kader sollte auf die neue Saison hin und im Hinblick auf eine Europa-League-Teilnahme vor allem in der verletzungsanfälligen Defensive erweitert werden. Jedoch tragen teure Transfers neuer Spieler Risiken mit sich. Nach nur einer Qualifikationsrunde könnte, wie in den letzten Jahren, Schluss sein. Transfers wären auch noch nach einem allfälligen Erreichen der Gruppenphase möglich. Wenn ein Spieler jedoch später verpflichtet wird, besteht die Gefahr, dass er sich nicht an den Spielrhythmus gewöhnen kann. Europäische Spiele würden sich unter anderem positiv auf den Bleibewillen der stark aufspielenden Offensivspieler Marco Schneuwly, Dario Lezcano und Jakob Jantscher auswirken.

Nicht nur für die Spieler und das Portemonnaie des FCL ist die Europa League interessant, sondern auch für die Fans ist sie ein Highlight. An das letzte europäische Auswärtsspiel nach Schottland begaben sich knapp 500 FCL-Fans. Mit Cars, Flugzeugen, Autos und gar Velos reisten die Anhänger an die letzten drei europäischen Auswärtsspiele. Für sie wäre die Teilnahmeberechtigung an den europäischen Spielen eine Genugtuung, mussten sie doch in der Vorrunde unter den dürftigen Resultaten der Mannschaft leiden.

In Luzern trauen sich die Fans wieder, über Auswärtsfahrten nach Europa zu sprechen. Der Traum Europa League ist in Griffweite. Diesen Donnerstag kann die Mannschaft mit einem Sieg in Bern gegen die Young Boys dem Ziel einen grossen Schritt näher kommen. Es wäre diese Saison zweifellos die bemerkenswerteste Entwicklung aller Super-League-Clubs.

Das Restprogramm des FCL sieht wie folgt aus: YB – FCL (21. Mai), FCL – FC Zürich (25. Mai), FCL – Sion (29. Mai).

Ein Video sowie mehr Bilder von den zwei Auswärtsspielen gegen Genk und Utrecht zeigen wir Ihnen hier in unserer Galerie:




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