Dickmacher in Getränken

Wie Ramseier den Bund im Kampf gegen Zucker unterstützt

Der Luzerner Getränkehersteller fokussiert sich auf neue Produkte, die weniger Kristallzucker beinhalten. (Bild: Ramseier Suisse AG)

Schweizer Getränkehersteller sollen freiwillig den Zuckergehalt ihrer Produkte senken. So will es der Bund. Betriebe wie der Luzerner Getränkehersteller Ramseier in Oberkirch tragen die Idee mit, andere stellen sich aber quer.

Cola, Biberli, eine halb gemampfte Birewegge und eine offene Packung Schaumpilze. Das Pult des zentralplus-Gastro-Redaktors gleicht tagesabhängig einer Auslage für Süssigkeiten. Denn, und das gibt der Autor unumwunden zu: Er liebt Süsses. Wider jede Vernunft. Damit ist er immerhin nicht alleine.

Die Bevölkerung in der Schweiz konsumiert rund doppelt so viel Zucker, wie die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt. Nämlich durchschnittlich etwa 100 Gramm pro Tag – das entspricht etwa 25 Würfelzuckern. Das wirkt sich auf die Gesundheit aus. Denn zu hoher Zuckerkonsum kann unter anderem zu Herzkreislaufstörungen, Diabetes Typ 2 oder Fettleibigkeit führen. Gemäss der letzten Erhebung von Lustat im Jahr 2017 sind 44 Prozent der Luzerner Bevölkerung übergewichtig (zentralplus berichtete). 2010 waren es noch 35,9 Prozent. Deutlich mehr Männer als Frauen sind von Übergewicht betroffen.

Wir futtern zu viel Zucker

Die Schweizer Politik und Wirtschaft wollen dem Problem schon seit Jahren entgegenwirken. So hat das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) unter der Ägide von Bundesrat Alain Berset an der Weltausstellung in Mailand 2015 beispielsweise die «Erklärung von Mailand» zur Zuckerreduktion ins Leben gerufen.

Ziel der Übung? Die teilnehmenden Lebensmittelproduzenten, darunter Branchengrössen wie Nestlé, Emmi und Kellogg's Schweiz, verpflichten sich freiwillig, den Zuckergehalt ihrer Produkte bis Ende 2024 um zehn Prozent zu senken. Im Gegenzug verzichtet der Bund auf die Einführung gesetzlicher Vorgaben zu einer Regulierung wie beispielsweise einer Zuckersteuer, wie sie im Vereinigten Königreich seit 2018 in Kraft ist. Eine Kompromisslösung.

Die ersten Produzenten haben die Erklärung 2019 unterzeichnet. Damals lag der Fokus auf Joghurts und Müesli. Mit der Aufnahme der Lebensmittelgruppen Erfrischungsgetränke, Milchmischgetränke und Quark sind nun zehn weitere Unternehmen zur «Erklärung von Mailand» dazugestossen.

Ramseier setzt auf grösseres Sortiment

Neu dabei ist auch Ramseier mit Sitz im Luzernischen Oberkirch. Ramseier will den Hebel bei seinen Erfrischungsgetränken ansetzen. Denn gemäss einer Erhebung des Bundes sind rund 38 Prozent des zugesetzten Zuckers in unserer Ernährung in Softdrinks zu finden. Eine Untersuchung des Bundes aus dem Jahr 2021 zeigte auf, dass bei Getränken im Schnitt auf 100 Milliliter rund 7,5 Gramm Zucker fallen. Bei Energydrinks und einigen Softgetränken wie Coca Cola liegt der Wert gar bei rund 11 Gramm.

«Es war für uns deshalb ein folgerichtiger Schritt, die Erklärung von Mailand zu unterzeichnen.»

Sarah Baumgartner, Mediensprecherin Ramseier

Auf Anfrage sagt Ramseier-Mediensprecherin Sarah Baumgartner, dass Ramseier den Trend nach Getränken mit tieferem Zuckergehalt schon seit Jahren verfolgt. So habe man mit neueren Produkten wie «Zisch», dem «Huus-Tee», «Sinalco fresh» und dem jüngst lancierten «Super T» bereits Getränke mit tieferem Zuckergehalt auf den Markt gebracht. Gesüsst wird entweder mit weniger Kristallzucker oder mit Obstsaft. «Diese Innovationspolitik werden wir auch in den nächsten Jahren weiterführen. Es war für uns deshalb ein folgerichtiger Schritt, die Erklärung von Mailand zu unterzeichnen.»

Die Erweiterung des Sortiments um zuckerarme Getränke, statt bestehende Klassiker abzuändern, ist eine Möglichkeit, die Reduktion von 10 Prozent zu erreichen. Denn für viele Betriebe, wie etwa Coca Cola, wäre es wohl undenkbar, die Rezeptur der klassischen Cola anzupassen. Was die Erklärung von Mailand in einem Anhang ausdrücklich untersagt: Regulären Zucker durch künstliche Süssungsmittel zu substituieren.

Red Bull stellt sich quer

Nebst Ramseier wollen weitere Getränkehersteller wie beispielsweise Coca Cola Schweiz, die Rivella Group, Vivi Kola und die Mineralquelle Rhäzüns den Zuckergehalt ihres Sortiments nach unten schrauben – oder dieses so weit um zuckerarme Getränke ausbauen, dass der Gesamtschnitt fällt. Grosse Einigkeit bei den Getränkeherstellern? Leider nicht. Red Bull stellt sich quer. Auch der US-Konzern Pepsico, von dem unter anderem Pepsi und Gatorade in hiesigen Regalen stehen, macht gemäss der «Sonntagszeitung» nicht mit. Über die Gründe schweigt sich Pepsico bisher aus.

Red Bull begründet die Absage: «Energydrinks sind funktionale Getränke mit charakteristischen Zutaten wie Koffein, Taurin, B-Vitaminen und Zucker», äusserte sich das Unternehmen gegenüber der «NZZ». Zwar werden die Bestrebungen des BLV begrüsst, der Energydrink-Hersteller will aber andere Massnahmen umsetzen – beispielsweise kleinere Portionen.

Die Absage der beiden Getränkehersteller ist insofern relevant, als die Reduktion von 10 Prozent nicht bloss für die einzelnen Betriebe gilt, sondern für die Branche im Allgemeinen. Scheren also welche aus, hat das einen Einfluss auf das gesamte Projekt. Nach Abschluss der Projektphase Ende 2024 findet die finale Messung statt, in welcher der Bund die Fortschritte der Branche prüft. Verfehlt sie das Ziel, könnte der Bund dem Beispiel anderer Länder folgen und gesetzliche Regulierungen ins Auge fassen, was der Branche wohl nur bedingt schmecken würde.

Beim Salz herrscht Uneinigkeit

Herr und Frau Schweizer futtern übrigens nicht nur zu viel Zucker, auch beim Salz liegt die durchschnittliche Menge über der Empfehlung der WHO. Neun Gramm nehmen wir pro Tag zu uns – die WHO empfiehlt eine Menge von fünf Gramm. Das BLV hat der Lebensmittelindustrie deshalb erste konkrete Salzreduktionsziele für Suppen und Salatsaucen vorgeschlagen. Die Marktführer haben diese bis jetzt nicht mitgetragen, wie das EDI schreibt. Darum wird das BLV nun «regulatorische Massnahmen zur Reduktion des Salzgehalts in bestimmten Produkten prüfen.»

Verwendete Quellen
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