Essen & Trinken
Foodtrucks aus Zug auf Reisen

Warum Essen auf Rädern in der Zentralschweiz begehrt ist

Der Zuger Enrico Tezzele ist mit seinem Foodtruck das ganze Jahr über unterwegs. (Bild: zvg)

Foodtrucks sind beliebt. Mehrere Zuger Anbieter können sich vor Aufträgen kaum noch retten. Einen Knackpunkt gibt es für einige Betreiber allerdings.

Ob als Buvette am See, an Streetfood-Festivals oder als mobiles Restaurant: Foodtrucks erleben seit der Corona-Pandemie Hochkonjunktur. Was macht den Reiz des fahrenden Essens aus?

Einige Gastronomen sehen in einem Foodtruck eine neue Herausforderung. So hat beispielsweise das mehrfach ausgezeichnete Gastro-Paar Raffaele und Daniela Muzzi während der Pandemie ihr Restaurant in Luzern aufgegeben und ist auf einen Foodtruck umgestiegen. Seit 2021 kurven sie mit ihrem Truck «Danilelé» im Kanton Zug und Mettmenstetten herum (zentralplus berichtete).

Damit sind sie im Kanton Zug nicht die einzigen. Es tuckert eine ganze Bandbreite von Trucks, Töffs und Piaggos umher und verkauft Speisen und Getränke aus aller Welt.

Lieber ein Foodtruck als ein Restaurant

Einer von ihnen ist Enrico Tezzele. Er ist seit März 2018 mit seinem Foodtruck «Food on Wheels» unterwegs. Der gelernte Koch träumte schon lange von der Selbstständigkeit. «Ein eigenes Restaurant zu führen, ist schwierig. Besonders auch in finanzieller Hinsicht», sagt der Zuger gegenüber zentralplus. «Darum habe ich mich dazu entschieden, einen Foodtruck zu eröffnen.»

Das Gefährt hat er fixfertig gekauft, aber nach seinen Wünschen noch angepasst. «Ich habe einen stärkeren Grill und Gaskochfelder eingebaut.» Denn Tezzele steht selbst am Herd. «Dann weiss ich, dass die Qualität stimmt und kann auf Kundenwünsche eingehen.»

Amerikanische Mac 'n' Cheese aus Zuger Küche

Auf Tezzeles Speisekarte stehen nebst wechselnden Speisen auch seine Signature-Dishes wie die «allseits bekannten» Mac 'n' Cheese, der Caesar Salad und der Farmer Burger. Seine Kreationen kommen an. Enrico Tezzeles «Food on Wheels» wurde im vergangenen Jahr beim «European Streetfood Award» zum besten Foodtruck ausgezeichnet.

Enrico Tezzele betreibt seinen Foodtruck das ganze Jahr hindurch – abgesehen von zwei Wochen Urlaub zwischen Weihnachten und Neujahr. Und da er seinen Betrieb als mobiles Restaurant, aber auch Catering-Angebot führt, hat er alle Hände voll zu tun.

«Ich werde für Streetfood-Festivals, Openairs oder private Catering-Anlässe gebucht. Die Nachfrage ist sehr gross, ein regelrechter Boom.» Das erfreut ihn auch deswegen, weil die vergangenen Pandemiejahre gerade im Catering-Bereich einen lohnenswerten Betrieb unmöglich gemacht haben.

Die Krux mit dem Stellplatz

Tezzele hat seine fixen Standorte, darunter Cham und Hünenberg im Kanton Zug, Küssnacht am Rigi in Schwyz und Rothenburg im Kanton Luzern. Einfach war die Platzsuche jedoch nicht. «Es müssen private Areale sein, denn auf öffentlichem Grund ist es fast unmöglich eine Bewilligung zu bekommen», sagt der Gastronom.

So ist die Stellplatz-Thematik auch gleich eine der grössten Hürden für Foodtruck-Betreiber generell. Denn, wenn es um die Bewilligungen auf öffentlichem Grund geht, zeigen sich die Behörden eher restriktiv (zentralplus berichtete).

Zug ist bewusst zurückhaltend

Das hat auch seine Gründe, wie Stadtrat Urs Raschle erklärt. «Wir sind an das Reglement über die Benützung der öffentlichen Anlagen gebunden», sagt Raschle auf Anfrage. Dieses besagt, dass nichts Privates auf öffentlichem Boden verkauft werden darf – es sei denn, man erhält eine Sonderbewilligung.

«Mit Sonderbewilligungen müssen wir zurückhaltend vorgehen.»

Urs Raschle, Stadtrat

Diese wird etwa für die «Jazz Night» Ende August oder die «Zuger Messe» vergeben, für Foodtrucks ist sie allerdings nicht angedacht. «Mit Sonderbewilligungen müssen wir zurückhaltend vorgehen», so der Stadtrat. Mit der Regelung, nicht alle mobilen Teilzeit-Projekte auf öffentlichen Plätzen zu bewilligen, will man auch die lokale Gastronomie schützen.

Zug setzt auf befristete Events

Stattdessen setzt die Stadt Zug auf zeitlich befristete Events, wie der Degustationsevent «Zuger Gluscht» im Mai oder das bald stattfindende «Summer Line»-Streetfood-Festival an der Bahnhofstrasse. «Solche Anlässe unterstützen und ermöglichen wir gerne», so Raschle.

Auch spezifische Ausschreibungen für gastronomische Angebote gibt es in Zug hin und wieder. Daraus ist beispielsweise die Buvette «Quai Pasa» an der Seepromenade entstanden (zentralplus berichtete). Und bei solchen Ausschreibungen seien gemäss Raschle selbstverständlich auch Foodtruck-Konzepte willkommen.

Eine Zuger Bar auf Rädern

Eine andere Richtung schlägt hingegen der gelernte Hotelier und Restaurateur Alvaro Prestel Vazquez ein. Statt Essen bietet er auf seiner «3 Rad Bar» Drinks und Cocktails an. Fix gibt es die rollende Bar seit April 2021, aber Vazquez spielte schon länger mit dem Gedanken, eine eigene mobile Bar zu betreiben. «Es dauerte jedoch einige Zeit, dass ich mich auf ein spezifisches Konzept einigen konnte», schreibt er gegenüber zentralplus.

Zuerst schwebte ihm ein Tapas-Konzept vor, dann fand er jedoch Gefallen an der Barkultur und Mixologie. Rein auf Getränke zu setzen hat auch einen wirtschaftlichen Aspekt: «In der Gastronomie ist es nach wie vor so, dass man mit Getränken eine bessere Gewinn-Marge erzielt. Ebenso sind Spirituosen und andere Getränke nicht so verderblich wie Lebensmittel.»

Rege Einsätze dank Firmenkultur 

Alvaro Prestel Vazquez betreibt seine «3 Rad Bar» als Nebenjob, damit sein «Gastro-Herz weiterhin schlägt.» Und seine von Profis umgebaute Piaggo APE ist gefragt. Zwar gebe es in Zug nicht viele Streetfood-Festivals, dafür aber jede Menge Firmen.

Die «3 Rad Bar» wird von KMU bis Grosskonzernen unter anderem für Firmenanlässe, Sommerfeste und Abschieds-Aperos gebucht. Aber auch für private Hochzeiten und Geburtstage. Angestossen wird eben immer. Weil sein Gefährt ziemlich klein ist, kann es auch für Indoor-Anlässe genutzt werden. «Ich durfte bereits im Dolder Grand in der Empfangshalle einen Winterapero durchführen», schwärmt der Unternehmer.

Alvaro Prestel Vazquez kann seine Piaggo sogar in Innenräumen aufstellen.
Alvaro Prestel Vazquez kann seine Piaggo sogar in Innenräumen aufstellen. (Bild: Instagram / «3 Rad Bar»)

Noch geniesst Vazquez «die Ruhe vor dem Sturm» mit einem Urlaub in Spanien. Danach heisst es Zündschlüssel drehen und lostuckern. «Bis Ende September bin ich jedes Wochenende für Events gebucht.»

Einer der nächsten Anlässe, an denen Vazquez' Piaggo einen Halt einlegen wird, ist das «Summer Line»-Foodfestival, das Ende August in Zug stattfindet (zentralplus berichtete).

Verwendete Quellen
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