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Bauern müssen «erste Hilfe» leisten

Kälteeinbruch sorgt bei Zuger Chriesi-Bauern für Stress

Arnold Keiser muss um seine Hochstammbäume zittern. Bei einem Kälteeinbruch kann er nicht viel machen. (Bild: )

Der April macht seinem Namen alle Ehre. Nach einer langen trockenen Phase kommt nun Frau Holle zurück. Müssen wir uns jetzt Sorgen um die Zuger Chriesi machen?

Die letzten Wochen waren massiv zu trocken. Dass es nun endlich wieder Niederschlag gibt, ist ein echter Segen für die Natur. Allerdings gibt es ja nicht einfach nur Regen, Petrus reisst gleichzeitig auch das Gefrierfach auf. Was bedeutet dies für die Zuger Chriesi?

Sehr viel machen kann Arnold Keiser nicht. Er betreibt die Lohnbrennerei Keiser in Baar und hat rund 200 Hochstammbäume. «Wir haben nur Hochstammbäume. Wenn jemand Niederstammbäume hat, kann er noch mit Feuer wärmen.»

«Wir können nicht viel machen, sondern nur das Beste hoffen. Wenn einer gläubig ist, kann er noch in die Kirche gehen und beten.»

Arnold Keiser, Lohnbrennerei Keiser Baar

Die Blüten und Knospen sind zu weit oben, um sie mit wärmenden Feuern noch retten zu können. «Wir können nicht viel machen, sondern nur das Beste hoffen. Wenn einer gläubig ist, kann er noch in die Kirche gehen und beten», sagt Arnold Keiser.

Zuger Obstbauern legen wohl Nachtschicht ein

Anders als Arnold Keiser hat Roger Iten aus Zug Niederstammbäume. In der Kirschenanlage vom Hof «Iten Letzi Zug» finden sich etwa 400 Exemplare. Und diese werden nun zum ersten Mal mit Wärme-Kerzen geschützt. «Wir haben vorsichtshalber schon jetzt 250 Kerzen aufgestellt», sagt uns Roger Iten.

In der Nacht auf Sonntag könnte es gut sein, dass diese Kerzen tatsächlich zum Einsatz kommen. «Wir haben Thermometer vor Ort. Ab 1,5 Grad werden die Kerzen dann angezündet, um die Chriesi zu schützen.» Wann die Temperatur erreicht ist, um die Kerzen zu entzünden, muss manuell geprüft werden.

«Ab 1 Uhr nachts geht jemand im 40-Minuten-Rhythmus die Temperaturen kontrollieren», sagt Keiser. Die «Ehre», die Kontrolle vorzunehmen, fällt auf den Wochenenddienst. Die Bäume haben schon Blüten gebildet, diese sind zum Glück aber noch fast zu. «Dadurch ertragen die Bäume auch gut mal –2 Grad.»

Mit einem schlechten Bauchgefühl in das Frostwochenende

Freud und Leid liegen oft nahe beieinander. Dass es nach der langen Trockenphase nun endlich wieder Niederschlag gibt, ist für viele Landwirte zentral. Der prognostizierte Wintereinbruch sorgt bei den Bauern allerdings auch für Bauchschmerzen.

«Wir sind schon angespannt. Auch, weil wir in den letzten Jahren Pech hatten», sagt Roger Iten. Letztes Jahr kämpften die Bauern gegen den Frost und auch noch gegen den Hagel. So sprach Armin Ott, Präsident des Vereins Aegeri Chriesi, 2021 von einem frostbedingten Chriesiernte-Ausfall von 80 bis 90 Prozent (zentralplus berichtete).

«Ich hoffe nicht, dass es wieder so schlimm wird wie 2021. Wir werden sicherlich die nächsten ein, zwei Nächte ein mulmiges Gefühl haben», sagt Arnold Keiser. Aus seiner Erfahrung ist es dann am schlimmsten, wenn die niedrigen Temperaturen lange bleiben und zusätzlich die Bise bläst. Dies scheint zum Glück diesmal nicht der Fall zu sein. So wie die Prognosen aussehen, bleiben die Temperaturen in der Nacht auf Dienstag wieder über dem Gefrierpunkt.

Verwendete Quellen
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