Essen & Trinken

Feierabendbier im Bruchquartier
Dieser Luzerner betreibt die ungewöhnlichste Bar der Stadt

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Nicola Blatter betreibt eine kleine Pop-up-Bar an der Bruchstrasse. (Bild: cbu)

Während viele Bars auf modernes Ambiente setzen, braucht der Luzerner Student Nicola Blatter für seine nicht mehr als einen Stromkasten.

Wer eine neue eröffnet, überlegt sich in der Regel ein spannendes Konzept. Hip und modern? Urchig und verraucht? Oder lieber urban? In der ist alles vertreten. Und dann gibt es noch Nicola Blatter (23). Für seine Bar braucht er nicht einmal eine Räumlichkeit.

Ihm reicht ein Stromkasten in der Bruchstrasse. Ja, richtig gelesen. Ein Stromkasten.

Blatter betreibt seit rund zwei Jahren in unregelmässigen Abständen die «Kastenbar». Sein Ziel ist es, Leute unkompliziert an einen Tisch – sprich: Stromkasten – zu bringen und gemütlich «eine gute Zeit zu haben und sich auszutauschen.» Wer fette Partys mit dröhnenden Beats erwartet, wird hier also enttäuscht.

Die Barhocker gaben den Ton an

Entstanden ist das Projekt nach einem Wohnungswechsel. Vom Elternhaus hat Nicola Blatter einige Barhocker mitnehmen können, die gut zum eingebauten Tresen in seiner ersten eigenen Bleibe passten. Als er dann an die Bruchstrasse weitergezogen ist, konnte er zwar die Barhocker, nicht aber den Tresen mitnehmen. «Dann hab ich aus dem Fenster geschaut und den Stromkasten gesehen», erzählt uns der Student.

An sommerlichen Tagen verwandelt sich dieser Stromkasten an der Kreuzung Bruchstrasse und Kasimir-Pfyffer-Strasse zu einem gemütlichen Treffpunkt.
An sommerlichen Tagen verwandelt sich dieser Stromkasten an der Kreuzung Bruchstrasse und Kasimir-Pfyffer-Strasse zu einem gemütlichen Treffpunkt.

Aus einer Laune heraus habe er mit einigen Freunden die Stühle nach unten gebracht und beim Stromkasten an der Ecke Bruchstrasse-Kasimir-Pfyffer-Strasse ein gemütliches «get together» gemacht. Die Kastenbar war geboren. «Das ist der italienische Seniorentraum: an der frischen Luft etwas trinken und das bunte Treiben beobachten», sagt Blatter gut gelaunt.

In den zwei Sommern, die seit der «Gründung» vergangen sind, haben sich Blatter, Freunde und Kolleginnen, aber auch Wildfremde über 20 Mal zu einem Bier, Wein oder Cocktail getroffen.

Die «Kastenbar» zieht Sponsoren an

«Die Leute wurden irgendwann darauf aufmerksam und neugierig.» Das eigenwillige Konzept hat mittlerweile nebst befreundeten Barkeepern und Cocktailmixern auch Musikerinnen und Sänger angelockt.

«Die müssen allerdings unplugged spielen», erklärt Blatter. Weil – Achtung Ironie – sie keinen Zugang zu Strom haben. Aber auch aus Rücksichtnahme zu den Nachbarn.

«Ich betreibe die Bar als Nonprofit-Projekt.»

Nicola Blatter, Betreiber

Sogar Sponsoren sind auf die «Kastenbar» aufmerksam geworden. So haben in der Vergangenheit sowohl Fritz-Kola als auch Luzerner Bier und El Tony Mate Getränke zur Verfügung gestellt. Solche Sponsorings hat Nicola Blatter nötig, denn er bezahlt Getränke und Snacks aus eigener Tasche. Und Einnahmen darf er keine generieren. Aus rechtlichen Gründen.

«Ich habe mich lange mit rechtlichen Fragen beschäftigt», sagt Blatter. Weil er die Getränke nicht verkauft, braucht er auch kein Wirtepatent «Ich betreibe die Bar als Nonprofit-Projekt.» Sollte aber mal etwas Geld reinkommen – durch Spenden oder als Trinkgeld – dann geht dieses vollumfänglich an diverse Hilfsprojekte.

Im guten Austausch mit der Nachbarschaft

Zoff mit den Nachbarn gab es bisher kaum. Im Gegenteil. «Wenn Live-Musik gespielt wird, sitzen viele Leute auf ihren Balkonen und hören zu.» Und da man sich akribisch an die Nachtruhe und hält und den Platz sauber und aufgeräumt verlasse, gäbe es auch keine Probleme mit der Polizei.

Obschon diese auch schon mal von einer genervten Anwohnerin auf den Platz gerufen wurde – aber unverrichteter Dinge wieder abzog. Letztlich, so findet Nicola Blatter, «machen wir sicher mehr Leute glücklich als unglücklich.»

Eine Bar nach Verfügbarkeit

Die Kastenbar betreibt Blatter grundsätzlich alleine, kann aber jeweils auf Mithilfe von seinem Freundeskreis zählen. «Darum führe ich sie auch nur durch, wenn ich nebst Studium und Nebenjob Zeit dafür habe.» Meistens findet sie am frühen Abend statt. Mal am Wochenende, mal unter der Woche. Was Blatters Terminkalender eben zulässt. Denn aktuell absolviert er die Passerelle, um später an der Uni Bern Sozialanthropologie zu studieren.

In die wird es ihn trotz Kastenbar nicht ziehen – voraussichtlich. «Ich habe schon den Traum, irgendwann ein eigenes Café oder eine Bar zu führen.» Im Moment sei das aber noch kein Thema für den 23-Jährigen. Ausserdem ist er mit dem Ist-Zustand sehr zufrieden. «Die Kastenbar hat eine eigene Dynamik entwickelt.»

Die nächste «Kastenbar» kommt – aber wann?

Obwohl sich langsam herumspricht, dass es beim Stromkasten an der Bruchstrasse hin und wieder ein gemütliches Beisammensein gibt, will Blatter den Ball flach halten. Darum informiert er jeweils nur wenige Tage vor der Durchführung und nur via Instagram über die kommende Ausgabe.

Der nächste «Kastenbar»-Event ist bereits in den Startlöchern, wie Nicola Blatter sagt. Ein konkretes Datum steht aber noch nicht. Blatter schätzt, dass es aber in zwei bis drei Wochen so weit sein wird. Man wird es auf Instagram erfahren.

Verwendete Quellen
  • Persönliches Gespräch mit Nicola Blatter
Weitere Quellen
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1 Kommentare
  1. Jörg, 07.05.2022, 16:54 Uhr

    Ja Nicola da haste Recht als ich vor vielen Jahren noch als ich noch so jung war ,gab es noch Wohnquartier dazumal Emmenbrücke, auch Gärten gehörten dazu die man mieten konnte, und im Sommer tat es ein Zuber zum Baden für uns Kids, einmal Im Monat Ramschte man Stühle Tische Geschirr zusammen,, und ab in den Garten das Haus hatte 6 Parteien noch Kids dazu etwa so 20 ,das war Toll ,,,einer machte Kartoffelsalat der andere also die Männer machten das Fleisch
    wenn Geld da war, und Das Dessert von einer Älteren Dame,, ja Nicola und heute schade, gell, schön bist du so gesellig im Innenhof wärs wohl zu laut und wenn es regnet ein Party Zelt darüber.

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