Essen & Trinken
Ernte von nur drei Bäumen

Das ist der wohl exklusivste Kirsch aus Zug

Cordula und Thomas Heiner von der prämierten «Schnapsmacherei» in Zug haben einen speziellen Kirsch gebrannt. (Bild: zvg)

Der Chriesi-Kanton Zug ist für seinen Kirsch bekannt. Eine Kleinbrennerei hat heuer zum ersten Mal eine spezielle Sorte gebrannt, deren Chriesi von nur drei Bäumen stammen.

Der Kanton Zug und Kirschen gehören zusammen wie Bruder und Schwester. Seit rund 600 Jahren werden hier nachweislich Kirschen angebaut. Die kleine Frucht hat sich in all der Zeit in mehreren Traditionen niedergeschlagen. Sei es der Chriesisturm, die Kirschtorte oder der Kirsch selbst.

Zuger Chriesi hatten dieses Jahr jedoch einen schweren Stand. Schon im Vorjahr hat das kalte Wetter für lange Gesichter bei den Kirschbauern gesorgt. Die diesjährige Kirschenernte fiel im Kanton Zug in ihrer Menge noch bescheidener aus. Schuld daran war die Kirschessigfliege, die aufgrund des feuchtwarmen Wetters besonders umtriebig unterwegs war und sich mit Vorliebe auf die Kirschen stürzte.

Eine Misere, die sich in den kommenden Jahren wohl noch weiter zuspitzen wird, wie Aurelia Jud vom Berufsbildungszentrum Natur und Ernährung Hohenrain (BBZN) im Juli gegenüber zentralplus erklärte. «Die Kirschessigfliege wird nicht mehr weggehen. Man wird sich mit ihr arrangieren müssen.»

Weg mit den Kirschbäumen

Das ist aber gar nicht so einfach. Einen verlässlichen Schutz gegen den Schädling gibt es gemäss BBZN für Hochstammbäume – abgesehen von Insektenschutzmitteln – kaum. Darum, und auch aus wirtschaftlichen Gründen, hat der Landwirt beim historischen Zurlaubenhof, der seit Juli offiziell der Stadt Zug gehört (zentralplus berichtete), alle Kirschbäume durch Obstbäume ersetzt. Alle bis auf drei.

Zurlaubenhof Zug
Rund um den Zurlaubenhof standen bis vor kurzem noch zahlreiche Kirschbäume. (Bild: cs)

Dass genau drei Bäume übriggeblieben sind, hat seinen Grund. Denn Thomas und Cordula Heiner von der Schnapsbrennerei Heiner's Destillate haben mit dem Landwirt eine Abmachung getroffen. Sie kaufen ihm die Kirschen des Chriesibaum-Trios ab und brennen daraus in der nahegelegenen Brennerei den exklusiven Zurlauben-Kirsch. Vor wenigen Tagen konnten sie die erste Charge davon in Flaschen abfüllen.

100 Liter Kirsch

«Das ist für uns eine Herzensangelegenheit», sagt Thomas Heiner gegenüber zentralplus. «Einer der drei Bäume steht nämlich direkt vor unserer Brennerei. Wäre der weg, würde es hier ganz anders aussehen. Es wäre nicht mehr dasselbe.» Es geht aber auch um die Verwertung der Kirschen selbst, so Heiner. Zumindest von denen, die von der Kirschessigfliege verschont geblieben sind – was bei der diesjährigen Ernte etwa 900 Kilo entspricht. Die Früchte für ihre anderen Obstbrände wie Williams, Wildkirsche oder Quitte beziehen die Heiners aus der Region und anderen Teilen der Schweiz.

Insgesamt haben die drei Bäume Früchte für etwa 300 Flaschen Zurlauben-Kirsch hergegeben. Die rund 160 Halbliter- und 140 2dl-Flaschen verkauft das Schnapsbrennerpaar nun über den eigenen Laden und übers Internet. Schmeckt der Zurlauben-Kirsch denn speziell? «Ja», bestätigt Thomas Heiner. Die Bäume tragen nämlich unterschiedliche Kirschenarten. «Alle drei Kirschsorten sind darin enthalten. Schwarze Brennkirschen, Tafelkirschen und Gelbe Kirschen. Letztere bringen einen leichten Bittermandelgeschmack mit sich.» Passend zur Herbstzeit also.

Der Zuger Künstler Ivo Moosberger hat für den Zurlauben-Kirsch ein eigenes Logo entworfen.
Das gemalte Etikett des Zurlauben-Kirschs hat der Zuger Künstler Ivo Moosberger entworfen. (Bild: zvg)

Besonders Freude hat das Paar auch am Etikett der Flaschen. «Das hat der Zuger Künstler Ivo Moosberger 2009 gestaltet und uns zur Verfügung gestellt.» Moosberger, der auch als Landartkünstler und Fotograf unterwegs ist (zentralplus berichtete), hat selbst einige Jahre im Zurlaubenhof gewohnt, wie die Heiners in einer Mitteilung schreiben.

Preisgekrönte Kleinbrennerei im Herzen von Zug

Die Kleinbrennerei «Heiner's Destillate – Die Schnapsmacherei» auf dem Zurlaubenhof an der Hofstrasse in Zug hat für ihre Destillate schon zahlreiche nationale und internationale Preise abgeräumt (zentralplus berichtete). 2021 wurden sie an der nationalen Spirituosenprämierung DistiSuisse in Luzern zum «Brenner des Jahres» gekürt.

Mit ihrem exklusiven Zurlauben-Kirsch planen sie, diese Erfolgssträhne weiterzuführen. «Ich glaube, dass wir ihn an nationalen und internationalen Wettbewerben präsentieren werden», sagt Heiner. Zumindest, solange sie noch können. Denn wie lange die drei verbliebenen Kirschbäume beim Zurlaubenhof noch stehen werden, ist derzeit noch unklar. Heiner nimmt's gelassen und meint: «Es het, solang's het.»

Verwendete Quellen
  • Telefongespräch mit Thomas Heiner
  • Geschichte Zuger Kirschen: Website Stadt Zug
(Bild: )

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