Lieferdienst-Knatsch (noch) kein Thema

Bier und Pizza in die Badi liefern lassen? In Luzern gehts

Die Jungparteien und das Jugendparlament der Stadt Luzern sehen in einer AG Ufschötti die beste Möglichkeit, den Herausforderungen zu begegnen. (Bild: Stefan Kämpfen)

Mit dem Lieferdienst das kühle Bier direkt in die Badi liefern lassen. In Zürich stösst das sauer auf. In Luzern hingegen herrscht friedliches Zusammenleben – Probleme gibt es, aber woanders.

Sich nach Feierabend draussen gemütlich ein kühles Bier genehmigen ist besonders bei sommerlichen Temperaturen, wie wir sie derzeit gerade erleben, sehr angesagt. Beliebte Hotspots dafür sind in Luzern beispielsweise die Ufschötti oder die Wiese beim Richard Wagner Museum. Hier trifft man an sonnigen Abenden und Wochenenden die halbe Stadt. Es wird geplaudert, getrunken und gegessen. Mal Mitgebrachtes, mal was von den umliegenden Buvetten, mal was vom Lieferdienst.

Denn Essenslieferdienste und Quick-Commerce-Anbieterinnen wie beispielsweise «Stash» sind immer beliebter geworden. Sie liefern innert kürzester Zeit Speisen und gekühlte Getränke – auch auf Badewiesen wie die Ufschötti.

In Zürich kämpft man um die Gebühren

In der Stadt Zürich sorgt dieser Trend für rote Köpfe, wie der «Tages-Anzeiger» schreibt. Denn die Spiesse für Kuriere und Verpflegungsstände scheinen ungleich lang zu sein. Glacéverkäufer und Standbetreiberinnen am Zürcher Seeufer beschweren sich im Artikel darüber, dass sie Standgebühren berappen müssen, Kurierfahrerinnen aber nicht.

Auch beim Alkoholausschank gelten andere Regeln. Möchten Stände Alkohol ausschenken, brauchen sie nicht nur eine Bewilligung, sondern sind auch an bestimmte Öffnungszeiten gebunden. Lieferdienste hingegen dürfen Bier und Co. bis spät nachts ausliefern – Onlineregeln machens möglich.

Wieso der Platzkampf in Luzern (noch) kein Thema ist

In Luzern ist von einem Knatsch wie an der Seepromenade in Zürich nichts zu spüren. Wohl auch, weil das Verkaufsangebot am Hotspot Ufschötti viel kleiner ist. Hier gibt es nebst der Buvette Strandleben noch den «Ufschötti-Kiosk» mit Sitzplätzen und einem Angebot von warmen Snacks und kalten Getränken. Negative Rückmeldungen an die Stadt wegen «Kurierwilderei» gab es gemäss Mario Lütolf, Leiter Stadtraum und Veranstaltungen, bisher nicht. Leben und leben lassen, scheint die Devise zu lauten.

Der «Ufschötti Kiosk» ist ein beliebter Treffpunkt zum Plaudern und Schnausen. (Bild: kae)

Grundsätzlich gilt: Lieferdienste dürfen alkoholische Getränke ausliefern – vorausgesetzt, sie haben eine Getränkehandelsbewilligung. «Diese wird nur an einen Betrieb mit festem Geschäftssitz erteilt», schreibt Urs Renggli von der Gastgewerbe- und Gewerbepolizei Luzern auf Anfrage. Ein mobiler Kurier darf also nicht herumkurven und Bier quasi frisch ab Velo verkaufen. «Hingegen ist das Liefern ab Geschäftssitz auf Bestellung möglich.» Beim Lieferdienst «Stash» beispielsweise ist das der Sitz an der Gibraltarstrasse (zentralplus berichtete).

Luzerner Badegäste sind brav – mehrheitlich

Was der Stadt sauer aufstösst, sind andere Dinge. Da ist zum einen die Sache mit dem Fahrverbot. In der Ufschötti besteht ein Fahrverbot – und das gilt auch für Velokuriere mit Cargovelos. So bequem es ist, vom Badetuch aus direkt eine Pizza vor die Nase zu bestellen, liefern dürften die Kuriere sie eigentlich nicht – es sei denn, sie tragen sie zu Fuss über die Wiese.

«Viele unterschiedliche Gruppierungen auf relativ engem Raum, das birgt auch Konfliktpotenzial.»

Urs Wigger, Pressesprecher Luzerner Polizei

Die Luzerner Polizei erklärt auf Anfrage, dass bislang «keine derartige Übertretungen» festgestellt wurden. «Es kann aber durchaus sein, dass dies in Einzelfällen geschieht», so Pressesprecher Urs Wigger. Auch die Stadt schreibt: «Der Sachverhalt ist uns bekannt.»

Brennpunkt Ufschötti: Eher Schlägereien als Lieferdienste

Die grösseren Probleme sind hingegen alte Bekannte. Laue Sommerabende und Verpflegungen bis zu später Stunde verleiten zu gemütlichem Beisammensein. Oder zum weniger gemütlichen. «Dies führt unweigerlich dazu, dass es zu Beschwerden wegen Nachtruhestörungen kommt», schreibt Urs Wigger von der Luzerner Polizei.

«Viele unterschiedliche Gruppierungen auf relativ engem Raum, das birgt auch Konfliktpotenzial. Dort wo viele Personen unterwegs sind, kommt es zu mehr Delikten.» Beispielsweise Diebstahl, Streitigkeiten oder gar Schlägereien. Für die Polizei sind die Ufschötti und das Gebiet beim Richard-Wagner-Museum ein «Brennpunkt», den sie mit entsprechend grosser Polizeipräsenz abdecken muss.

Abfallstationen wie diese sollen der Güsel-Flut Einhalt gebieten. (Bild: kae)

Grillen, trinken, vergessen: Der liebe Abfall

Ist die Nacht vorüber, offenbart sich dann das nächste Ärgernis. Das leidige Thema Littering. Bei der Ufschötti hat die Stadt in der Vergangenheit immer wieder Massnahmen ergriffen, um der Verschmutzung vorzubeugen.

Seien dies zusätzliche Entsorgungsstationen (zentralplus berichtete) oder gar ein Elektrogrill, der Einweggrills ablösen soll, die gerne liegengelassen werden (zentralplus berichtete). Besserung ist in Sicht, aber Mario Lütolf stellt fest: «Littering ist generell ein Problem und richtet sich auch – und in erster Priorität – an die Verursachenden.»

Verwendete Quellen
  • Schriftlicher Austausch mit Mario Lütolf und Urs Renggli von der Gastgewerbe- und Gewerbepolizei Luzern
  • Artikel im «Tages-Anzeiger»
  • Schriftlicher Austausch mit Urs Wigger, Pressesprecher, Luzerner Polizei
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