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Escholzmatt hat einen Bären und bald 2’000 Kinder zu Besuch
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Der Bär wird im Entlebuch wohl noch zu reden geben (Symbolbild).   (Bild: flickr)

M29 stellt Luzerner Pfader vor Herausforderungen Escholzmatt hat einen Bären und bald 2’000 Kinder zu Besuch

5 min Lesezeit 07.06.2018, 18:15 Uhr

Der Bär soll nach 200 Jahren zurück im Kanton Luzern sein. Die Betroffenen sind versucht, nicht voreilig zu handeln. Doch bereits wird über Massnahmen wie Elektrozäune diskutiert. Auch bei einem Grossanlass der Pfadi Luzern, der ausgerechnet in Escholzmatt stattfindet.

Nun könnte es also soweit sein. Spuren deuten daraufhin, dass ein Bär in Escholzmatt vor einigen Tagen den Kanton Luzern betreten hat (zentralplus berichtete). Wie gehen die Betroffenen damit um?

Bei der Gemeinde Escholzmatt-Marbach nimmt man die Kunde über einen allfälligen Bären bisher gelassen, wie Gemeindepräsident Fritz Lötscher (CVP) auf Nachfrage sagt: «Natürlich hat jetzt die eine Hälfte der Leute Freude, während die andere Hälfte eher weniger amüsiert darüber ist.»

Aktuell keine Gefahr

Gefahr bestehe aktuell keine, da sich das Tier weit ausserhalb des bewohnten Gebietes aufhalte. «Zurzeit findet der Bär noch genügend Nahrung, weshalb er kaum in die Nähe einer Siedlung kommen wird», erklärt Lötscher.

Folglich habe man keine Vorbereitungen oder Sicherheitsmassnahmen getroffen. Einzig wenn man im weiteren Umfeld der Gemeinde in der freien Natur unterwegs ist, sei Vorsicht geboten. Dies gelte vor allem für Wanderer.

Bienen sind gut geschützt

Jedes Kind weiss, wie sehr Bären Honig lieben. Das müsste zumindest den Imkern in der Region zu denken geben. In Aktionismus verfallen will man aber auch beim Verband der Entlebucher Imker nicht, wie Präsident Beat Schärli sagt. Zumal der Bär wohl weiterziehen wird, wie er glaubt: «Im Entlebuch besteht für die Bienenvölker ohnehin eine geringere Gefahr als andernorts», so Schärli.

«Vielleicht war es ja nur ein Tagesausflug.»

Theo Schnider, Direktor Biosphäre Entlebuch

«Die grosse Mehrheit der Bienenvölker lebt in kleinen Häuschen und ist somit relativ gut geschützt. Die Bienen gelangen durch ganz kleine Löcher ins Innere. Nur wenige Bienenstöcke stehen auf den Feldern und Wiesen», schildert Schärli die Situation im Entlebuch. Grundsätzlich freut er sich, dass sich die Natur wieder Lebensraum zurückholt. Auf die leichte Schulter dürfe man die Entwicklung deshalb aber keinesfalls nehmen.

«Wir werden sicher ein wachsames Auge auf die Situation haben. Das heisst, dass wir im Ernstfall auch zusätzliche Schutzmassnahmen wie Netze oder Elektrozäune prüfen müssten», so Schärli. Vor allem wenn eines Tages noch weitere Tiere kommen würden. Dann könnten sie nämlich eine Gefahr darstellen. «Es gibt ja Gründe, wieso die Bären früher bekämpft wurden», sagt er.

Abwarten ist angesagt

«Den Ball flach halten» will man vorläufig auch bei der Biosphäre Entlebuch, wie Direktor Theo Schnider sagt. «Solange sich die Indizien nicht erhärten, beschäftigen wir uns noch nicht intensiv damit.»

Man müsse jetzt zuerst herausfinden, ob das Tier tatsächlich im Entlebuch aufgetaucht ist und ob es sich weiterhin in der Region aufhält und auch bleiben wird. «Vielleicht war es ja nur ein Tagesausflug», so Schnider. Man warte nun auf die Information der Behörden.

«Wir hoffen, dass er bis in einem Monat wieder weg ist.»

Nora Peduzzi, Hauptleiterin des Pfadi Kantonallagers in Escholzmatt

Sollten diese zum Schluss kommen, dass das Tier sich langfristig in der Region aufhalten wird, müsste man aber über Massnahmen diskutieren, sagt Schnider. Wie diese aussehen könnten, will er nicht sagen.

Pfadilager in Escholzmatt – mit 2’000 Kindern

Betroffen sind aber nicht nur die Einheimischen. Der Zufall will es, dass die Pfadi Luzern ihr Kantonallager dieses Jahr in Escholzmatt aufschlagen wird. 2’000 Kinder und rund 230 Helfer werden vom 14. bis 28. Juli am Grossanlass teilnehmen.

«Es ist der grösste Event, den die Pfadi Luzern je auf die Beine gestellt hat», sagt Hauptleiterin Nora Peduzzi (Pfadiname «Tupf»). Die Situation mit dem Bären sei natürlich unerwartet und führe zu einigem Mehraufwand für die Organisatoren, insbesondere für das Ressort Sicherheit.

«Die verantwortlichen Personen stehen in Kontakt mit den zuständigen Stellen beim Kanton, um die Situation zu analysieren und allenfalls entsprechende Massnahmen einleiten zu können»,  so Peduzzi. Die Sicherheit auf und um den Lagerplatz habe oberste Priorität.  

Rund um die Uhr Betrieb auf dem Lagerplatz

Inwiefern eine allfällige Anwesenheit des Tieres Auswirkungen auf den Lagerbetrieb haben wird, kann Peduzzi noch nicht sagen. «Ich gehe aber davon aus, dass es auf dem Lagerplatz selber nicht wirklich ein Problem sein wird. Der Bär ist ja eigentlich ein scheues Tier und auf dem Zeltplatz wird wohl trotz Nachtruhe immer viel Betrieb sein.» Die Organisatoren planen an den Abenden unter anderem Live-Konzerte in der Helfer-Bar.

Dass das Programm einzelner Gruppen durch den Bären jedoch durchaus beeinträchtigt werden könnte, schliesst Peduzzi nicht aus. «Es kann natürlich sein, dass vor allem Aktivitäten ausserhalb des Lagerplatzes wie Wanderungen oder Exkursionen allenfalls angepasst werden müssten», blickt sie voraus.

Zaun ist nicht auszuschliessen

Das grosse Kantonslager habe gegenüber den üblichen Pfadilagern jedoch einen entscheidenden Vorteil. «Wir lagern draussen auf dem Zeltplatz keine Lebensmittel. Diese lassen wir uns jeden Tag frisch liefern und die Reste werden abends wieder abgeholt», sagt Peduzzi. Man werde alle Teilnehmer aber sicherlich noch entsprechend sensibilisieren, sollte der Bär immer noch in der Gegend sein, wenn das Lager beginnt.

Wird es auch spezielle Sicherheitsmassnahmen wie beispielsweise einen Zaun geben? «Wir können nichts ausschliessen und müssen auf alle Eventualitäten vorbereitet sein.» Für unvorhergesehene Situationen wie die jetzige habe man aber selbstverständlich etwas Geld budgetiert, so Peduzzi.

Auch wenn sie es persönlich grundsätzlich begrüsst, dass der Bär in die Schweiz und jetzt auch nach Luzern zurückgekehrt ist, ist Peduzzi über den Zeitpunkt verständlicherweise nicht glücklich. «Wir alle hoffen, dass er bis in einem Monat wieder weg ist», sagt sie lachend.

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