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«Es wird zur Posse»
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Die Seerose mit Sonnen- und Schattenseiten.

Kultur & Sponsoren – Klappe die Zweite «Es wird zur Posse»

3 min Lesezeit 2 Kommentare 25.06.2015, 14:05 Uhr

«Canaille du Jour» wurden ans Gästival gebucht. Nun wurden sie wieder ausgeladen. Nach einer Firmenvorstellung, bei welcher Gäste und Kulturprogramm nicht kompatibel waren, krebsen Sponsor und Veranstalter zurück: Die Band wird in Nidwalden nicht auf der Seerose spielen.

«Sämtliche ‹Carte blanche›»-Werke werden an allen Standorten aufgeführt», heisst es auf der Website des Gästivals. Dies wird nun nicht der Fall sein. Die Band Canaille du Jour wurde von der eigenen Vorstellung in Nidwalden ausgeladen. Es handelt sich dabei um eine Aufführung, die an die Sponsoren verkauft worden war (zentral+ berichtete). Doch der Sponsor «Bild + Ton AG» hat schlussendlich den Abend gekauft, nicht aber die Band.

Auf der Facbookseite von Canaille du Jour hiess es am Mittwochabend: «Soeben wurde die Show von Canaille du Jour am 30. Juni in Stansstad abgesagt, da der Festivalsponsor und Käufer des gesamten Abends (kein Freiverkauf) kein Risiko mit der Carte blanche des Kantons Luzern eingehen möchte. So geht Gastfreundschaft in – äh, ach ja: Nidwalden.
Wir möchten an dieser Stelle betonen, dass wir gerne und gut für diesen Sponsor und seine Kunden gespielt hätten, nicht zu der Ausladung beigetragen haben und diese bedauern.
Möglicherweise findet dafür im Sommer ein Zusatzkonzert an einem anderen Seerosen-Ankerplatz statt, für freies (und angstfreies) Publikum. Dann freuen wir uns also darauf.

Aber, Leute, sagt mal ehrlich: Gibt es eigentlich nichts Wichtigeres auf der Welt? Wir nehmen das Gästival ernst, aber dieser Sturm im Wasserglas wird jetzt vollends zur Posse. Ein alter Freund schrieb vorhin: ‹Nicht scheitern ist auch keine Lösung.› In diesem Sinne: Ruhe im Schiff! Wir sehen uns auf der Seerose.»

Ruhe bewahren

Die Reaktionen in der Kommentarspalte reichen von einem Mani Matter Zitat: «Kunscht isch gäng äs Risiko!», über «Skandalös», bis hin zu «Hab’s sonst nicht so mit den wüsten Worten, aber: Scheisse.»

Galgenhumor bei der Band. «Wir lassen das Ganze jetzt mal ruhen», sagt Christov Rolla. Sein musikalischer Partner Max Christan Graeff weilt die Tage in Kassel und versucht telefonisch mit den Veranstaltern einen geeigneten Ersatztermin zu finden, was sich schwierig gestalte. Wahrscheinlich werde die Band an dem Abend gemeinsam Grillieren gehen. Die Gage erhalten sie trotzdem.

Auf Kritik reagiert

Wie erklärt das Gästival eine solch kurzfristige Absage an die «Carte Blanche» von Luzern? Stefan Ragaz, Mediensprecher des Gästivals, sagt: «Wir mussten auf die Kritik reagieren». Die Kritik, die Ragaz erwähnt betrifft die Vorstellung vom 18. Juni in Luzern, über welche hitzig diskutiert und geschrieben wurde.

Auch der Luzerner SP-Kantonsrat David Roth schaltete sich in die Diskussion ein. Er platzierte einen vielbeachteten Kommentar und holte zum Rundumschlag gegen die Organisatoren aus. 

«Aufgrund der Erfahrungen werden wir die Kombination von Sponsorenevent und Carte Blanche nicht mehr veranstalten. Deshalb haben wir im gemeinsamen Gespräch mit den Sponsoren entschieden, dass etwas anderes besser zu ihnen passt.» Das heisst, der Auftritt wird abgesagt, die Gäste bleiben, man lädt etwas Neues ein.

Die Sponsoren hatten die Termine teilweise gebucht, ohne tatsächlich zu wissen, was sie sehen werden. Wichtig sei ihnen der Abend auf der Seerose, gewesen. «Das war nicht ideal für die Planung», gibt Ragaz zu. Und auch: «Die Absage ist sehr kurzfristig. Doch wir versuchen alles, um einen Ersatztermin zu finden.» Wo dieser stattfinden würde, sei noch nicht klar. Doch die Vorstellung wäre sicher keine geschlossene mehr.

Die «Carte Blanche»-Veranstaltungen sollen von nun an öffentliche sein. «Es ist eine Chance, dass die Öffentlichkeit dieses Programm sehen kann», so Ragaz.

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2 Kommentare
  1. Peter Baggenstos, 26.06.2015, 09:52 Uhr

    Sponsoren, die einen Event unterstützen, braucht es….müsste man meinen, wenn aber Sponsoren die Zügel der Kultur in die Hand nehmen wollen, würde ich als Veranstalter lieber darauf verzichten mich zu prostituieren und mich dem Geld zu unterwerfen. Banken, Versicherungen und Co. haben ja schon längst die wichtigen Zügel unseres Lebens in der Hand, müssen sie tatsächlich auch noch unsere Kultur bestimmen?
    Ich denke, wahre Kultur ist nicht käuflich, braucht keine tonnenschwere, rote Riesenblumen und keine knalligen Werbebanner auf der Bühne.
    Als ich noch Kind war, hatte es meist auf der Rückseite vom Ticket irgend ein Sponsor drauf und das wars auch schon. Heute werden die Künstler auf der Bühne manchmal fast ins Abseits gedrängt, sie spielen neben Grossbildschirmen, die Werbung der Sponsoren zeigen. Traurig, für die Künster, traurig für die Zuschauer und traurig für die Sponsoren, die eigentlich mit diesem Auftritt neben dem Ziel vorbeischiessen, ohne dass sie es merken. Für mich hat eine solche Dominanz an Kulturveranstaltungen nichts verloren und ist einfach nur peinlich.
    Veranstalter sollten doch eigentlich schon längst bemerkt haben, dass Kultur im kleinen Rahmen genau so gut rüberkommt, wie an einer riesigen, aufwendig inszinierten Veranstaltung, wie eben der Seerose. Das ist das Ergebnis immer wahnwitzigeren Projekte, die ohne Sponsoren nicht mehr realisiert werden können.
    Man verkauft sich, weil man gross sein will…..und stirbt, weil man gross ist….
    in diesem Sinne wünsch ich euch einen guten Sommer mit vielen ECHTEN Blumen!
    Peter Baggenstos aus dem Kulturkeller Backstube Stans

  2. der Muger, 26.06.2015, 08:00 Uhr

    Immer diese lästigen Gäste – wie so oft tut sich die Kultur schwer mit Kritik!