«Es wird wieder Zeit, zurück zur Natur zu finden»
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Miriam Schmid in ihrem grün angehauchten Daheim. (Bild: zvg)

Luzerner Plantfluencerin erobert das Netz «Es wird wieder Zeit, zurück zur Natur zu finden»

4 min Lesezeit 31.12.2019, 05:25 Uhr

Wer das Haus von Miriam Schmid betritt, findet sich in einem Dschungel wieder. Die Luzernerin besitzt über 250 Pflanzen, welche sich stolz in ihrem Haus entfalten. Ihre 150’000 Follower auf Instagram wollen wissen, wie sie mit ihren Pflanzen lebt, wie sie ihre grünen Mitbewohnerinnen pflegt und warum es gesund ist, in einer grünen Oase zu wohnen.

Wer durch den Instagram-Account von Miriam Schmid scrollt, sieht zahlreiche grüne Pflanzen auf weissem Hintergrund. Mal an einer weissen Wand oder auf dem weissen WC-Teppich. Und für ein solches Bild sammelt die 42-Jährige schnell auch mal 3’000 Likes. Der bei Millennials beliebte Trend von Zimmerpflanzen hat die Plantfluencerin genutzt. «Noch vor ein paar Jahren hätte ich mir nicht vorstellen können, mit Pflanzen zu arbeiten, ich hatte überhaupt keinen grünen Daumen.» Aber das brauche es auch nicht, sagt der Social Media Star. «Übung macht den Meister, das Flair für Pflanzen ist einem nicht einfach so gegeben.»

Den Dschungel betreten dürfen nur Leute, die sie wirklich kennt. «Der Heimdschungel bleibt mein zu Hause, kein Pflanzenmuseum», lacht Schmid. Die Luzernerin kümmert sich nicht nur um ihre Pflanzen, sie arbeitet einen Tag pro Woche im Pferdestall und in einem Teilzeitpensum im Büro. Im Sommer könne das grüne Hobby schon mal anstrengend werden, dann gäbe es viel zu tun. «Aber für mich ist es mehr Entspannung als Arbeit. Andere schalten den Fernseher an und ich kümmere mich um die Pflanzen.» Im Sommer geht die Familie auch nicht in die Ferien, Luzern sei wunderschön.

Welcome to the Jungle: Miriam Schmid in ihrem Zuhause.

«Ich fliehe gerne im Winter», sagt Schmid. Aber auch da sei es ein bisschen schwierig, jemanden zu beauftragen, sich länger um ihre Pflanzen zu kümmern. Schmid ist kein grosser Fan von den kalten Monaten. «Meine Vision war es: Das ganze Jahr im Grünen zu sein, auch wenn es draussen schneit und kalt ist.» Vorher habe sie immer mitten in der Stadt gelebt und hatte ein paar Pflanzen, aber keinen Dschungel.

«Die Pflanzen werden bleiben, bei Social Media weiss ich nicht, wie lange ich das machen werde.»

Miriam Schmid

Ab und zu vergass ich sogar meine Pflanzen zu giessen, meint sie zu ihren Anfängen. «Jetzt leben wir in Büron mit Haus und Garten und ich setze mich mit Pflanzen und Blumen auseinander.» Sie sei selber von Instagram beeinflusst worden und wollte immer mehr Pflanzen haben, erklärt sie. Pflanzen zu haben könne jeder lernen, man brauche einfach Interesse und Leidenschaft. Über den Dschungel freuen sich nicht nur die Follower, seit sie so viele Pflanzen habe, habe sich auch die Energie im Haus verändert.

Das echte Leben ist wichtiger

Aber nicht nur die Pflanzen selber geben zu tun, die Social-Media-Plattform Instagram könne schnell zu viel werden. «Heute setze ich mich nicht mehr so unter Druck.» Schmid macht alle Fotos mit dem Handy und beantwortet Nachrichten nur dann, wenn sie dazu kommt. Das echte Leben sei ihr wichtiger als jenes auf Social Media. «Das ist heute auch etwas in den Hintergrund gerückt. Ich gehe lieber reiten, als dass ich mir überlege, welches Foto ich machen soll. Ich verpasse auch nichts. Meine Pflanzenliebe existiert auch ohne Instagram. Die Pflanzen werden bleiben, bei Social Media weiss ich nicht, wie lange ich das machen werde.»

Und trotzdem: «Wer auf Instagram Erfolg haben will, muss richtig viel investieren. Das ist eine reine Fleissarbeit.» Warum sie selber so schnell Erfolg hatte, begründet die Luzernerin wie folgt: «Es gibt aktuell eine grüne Welle in der Gesellschaft. Ich hätte nie erwartet, dass die Community so gross werde und dass es so viele Leute gibt, die fanatisch Pflanzen sammeln. Es wird wieder Zeit, zurück zur Natur zu finden.» Dazu passe auch der aktuelle Trend zu Urban Gardening.

«Mir geht es deutlich besser, seit ich so viele Pflanzen habe. Meine Haut und meine Haare sind viel weniger trocken.»

Auf Instagram ginge es oft um Beauty und Mode. Ihr Account sei hingegen echt. «Da steckt viel Arbeit, Liebe und Pflege dahinter, Leute suchen wieder mehr nach Echtem, nach Natur.» Sie weiss, von was sie erzählt. Heute kauft Schmid nicht mehr nur Pflanzen, sie züchtet auch viele selber.

Seit sie so viele Pflanzen hat, fühlt sich Miriam Schmid besser.

Nebst ihren Aktivitäten auf Instagram betreibt Schmid mittlerweile auch einen Onlineshop. Sie bietet zahlreiche Modeartikel und auch Accessoires an. Auch bei diesen Produkten steht ihr Bezug zu Pflanzen stets im Zentrum.

Schmid besitzt Exoten

Einige von Miriam Schmids Pflanzen wachsen hier bei uns nicht in der Natur. Auf die Frage, ob das nicht auch problematisch sei, antwortet sie: «Man sollte natürlich nicht einfach Pflanzen kaufen, deren Bedingungen man nicht gerecht werden kann. Bei mir überleben die Pflanzen wirklich. Mittlerweile brauche ich keinen Luftbefeuchter mehr, die Pflanzen befeuchten die jeweils anderen.»

Ob es schlecht oder gut sei, könne sie nicht sagen. Aber sie habe Freude daran und viele andere Leute auch. Zudem habe sie das Gefühl, dass sie durch die Pflanzen auch gesünder lebe. «Ich habe eine Luftfeuchtigkeit zwischen 50 und 65 Prozent. Mir geht es deutlich besser, seit ich so viele Pflanzen habe. Meine Haut und meine Haare sind viel weniger trocken. Zudem ist es gesund, sich um andere Lebewesen zu kümmern.»

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