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«Es wird Leserbriefe hageln»
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Am Quai zwischen Luzernerhof und Verkehrshaus gilt ein Fahrverbot für Velos. (Bild: Emanuel Ammon/AURA)

Luzern: Veloverbot am Quai soll fallen «Es wird Leserbriefe hageln»

5 min Lesezeit 1 Kommentar 27.09.2016, 18:01 Uhr

Auf der Promenade zwischen Verkehrshaus und Luzernerhof gilt heute ein Fahrverbot für Velos. SP und Grüne wollen das ändern: Sie verlangen am Quai eine gemischte Zone mit Vortritt für die Fussgänger. Doch die Fussgängerlobby wehrt sich – und warnt vor Unfällen.

Dem See entlang vom Luzernerhof zum Schweizerquai radeln? Das ist heute verboten. Der Quai ist eine Flanierzone für Einheimische und Touristen, auf der Velos nichts zu suchen haben. 

Das wollen die Linken ändern: Sie fordern, dass in Zukunft zwischen dem Verkehrshaus und dem Luzernerhof Velos am Seeufer gestattet sind. Die Fraktionen Grüne/Junge Grüne und SP/Juso haben im Stadtparlament ein entsprechendes Postulat eingereicht.

Unsicherheit auf der Haldenstrasse

Der Vorschlag von SP und Grüne: Am Quai hätten nach wie vor Fussgänger Vortritt. Entsprechend müssten Velos ihr Tempo der Situation anpassen. Das heisst: Für Velos würde bei grossem Fussgängeraufkommen Schritttempo gelten.

Im vorderen Teil, vom Luzernerhof bis zum Tivoli, besteht der Quai aus zwei durch Baumreihen abgetrennte Wege: Da wäre der seenahe Weg weiterhin nur für die Fussgänger, Velos dürften nur auf dem wenige Meter danebenliegenden Pfad fahren.

Auf der seenahen Seite wären Velos nach wie vor verboten, geht es nach dem Postulat von SP und Grüne. (Bild: Emanuel Ammon/AURA, Montage: les)

Auf der seenahen Seite wären Velos nach wie vor verboten, geht es nach dem Postulat von SP und Grüne. (Bild:
Emanuel Ammon/AURA, Montage: les)

Heute müssen Velofahrer stadteinwärts und -auswärts auf der Haldenstrasse fahren. Gerade für Familien, Touristen und ungeübte Velofahrer sei diese Strecke aber ungeeignet, sagen die Postulanten. «Die Haldenstrasse ist relativ schmal und oft parkieren Anlieferer oder Cars auf dem Radweg», sagt Christian Hochstrasser (Grüne). Negative Rückmeldungen von Velofahrern erhält auch Nico van der Heiden, SP-Grossstadtrat und Ko-Präsident von Pro Velo Luzern. Die vielen Ein- und Ausfahrten, viel Verkehr und eine enge Strasse: «Viele Leute fühlen sich auf dieser Strecke unsicher.» Tatsächlich wurden im September beim städtischen Velozähler an der Haldenstrasse durchschnittlich weniger als 2000 Velos pro Tag gezählt, während es am Schweizerhofquai über 5000 waren.

«Ein E-Bike hätte am Quai weiterhin nichts verloren.»

Nico van der Heiden, SP-Grossstadtrat

Ihr Vorstoss zielt denn auch nicht darauf ab, eine Alternative zum bestehenden Veloweg auf der Haldenstrasse zu schaffen. «Wenn ich rasch zum Verkehrshaus muss, würde ich nicht am Quai fahren», sagt Hochstrasser. «Es geht um all jene, die gemütlich fahren, sich nicht sicher fühlen und Zeit haben. Familien mit Veloanhänger zum Beispiel oder Touristen, die das Seeufer erkunden.» Und auch van der Heiden stellt klar: «Ein E-Bike hat am Quai nichts verloren. Da muss man zwingend langsam fahren.»

Auch auf dem Velo gibt’s schwarze Schafe

Hochstrasser und van der Heiden verweisen auf andere Städte, in denen solch gemischte Zonen am See- oder Flussufer existieren. «Die Erfahrungen zeigen, dass dies funktioniert», sagt van der Heiden. Die beiden nennen Zürich, Lausanne und Basel, aber auch Ulm in Deutschland.

<p>Der Velobarometer am Schweizerhofquai zählt deutlich mehr Fahrräder als der Zähler an der Haldenstrasse.</p>

(Bild: zvg. Andreas Merz)

Auch in der Altstadt, der Reussbrücke oder vor der Jesuitenkirche funktioniere das Miteinander von Fussgängern und Velofahrern bestens, sagen Hochstrasser und van der Heiden. Zwar räumt van der Heiden ein, dass es auch unter den Velofahrern schwarze Schafe gebe, die mit 35 Stundenkilometern durch die Begegnungszone rasen. «Aber es gibt grundsätzlich eine relativ friedliche Koexistenz von Velos und Fussgängern.»

Verein Fussverkehr stellt sich quer

Bei der Fussgängerlobby beissen die Linken mit ihrer Idee auf Granit. Kurt Aeschlimann, Präsident von Fussverkehr Region Luzern, hält gar nichts vom Vorschlag. «Sowohl gesetzliche Argumente als auch praktische sprechen gegen diese Idee.» Aeschlimann verweist auf das Strassenverkehrsgesetz und den Richtplan für Fusswege. Sie würden klarstellen, dass Fusswege vom Fahrverkehr zu trennen seien.

«Wenn ungeübte Velofahrer am Quai radeln dürften, sind Zusammenstösse garantiert.»

Kurt Aeschlimann, Präsident Fussverkehr Region Luzern

«Die Fussgänger haben das Trottoir und die Radfahrer den Radstreifen. Und der Quai ist ein Trottoir, das in der Touristenstadt exklusiv Touristen und einheimischen Fussgängern zur Verfügung stehen soll.» Fussgänger seien die schwächsten Mitglieder im Verkehr und vor allem Senioren hätten besonderen Schutz nötig, so Aeschlimann.

Es bestehe zudem parallel zum Quai bereits eine Veloroute, sagt Aeschlimann und meint den Veloweg auf der Haldenstrasse. «Wir bestehen darauf, dass beim Quai keine Durchmischung stattfindet. An diesem sensiblen Ort kann das unmöglich funktionieren.» Wenn ungeübte Velofahrer am Quai radeln dürften, seien unliebsame Vorfälle und Zusammenstösse garantiert.

«Von Schritttempo kann in der Altstadt oder vor der Jesuitenkirche keine Rede sein.»

Kurt Aeschlimann, Präsident Fussverkehr Region Luzern

Aeschlimann findet nicht, dass Velos und Fussgänger in Luzern, etwa beim Mühleplatz oder vor der Jesuitenkirche gut nebeneinander existieren. Er verweist auf Unfälle und sagt: «Von Schritttempo kann dort keine Rede sein.» Entsprechend bezweifelt er auch, dass diese Vorgabe am Quai eingehalten würde. «In Luzern drücken viele Velofahrer aufs Pedal, anstatt mal abzusteigen oder abzubremsen, wenn es angezeigt wäre.» Zudem seien auch immer mehr E-Bikes unterwegs und auch diese würden auf dem Quai zirkulieren, befürchtet er und verweist auf einen Unfall, bei dem diesen Sommer in Cham ein E-Bike-Fahrer nach einem Zusammenstoss mit einem Velofahrer verstarb.

Nicht zuletzt glaubt Aeschlimann, dass die Aufhebung des Fahrverbots am Quai weiterreichende Folgen hätte. Er bezweifelt, dass die Velos dann beim Luzernerhof oder Schwanenplatz die Strassenseite wechselten, sondern glaubt, dass die meisten auf dem Trottoir über die Seebrücke weiterfahren würden.

Gemischte Zone bedinge Rücksichtnahme

Das Thema ist indes nicht neu. Bereits vor einigen Jahren gab es eine grosse Debatte über das Miteinander von Velofahrern und Fussgängern. Gerade ältere Fussgänger fühlen sich oft unsicher, wenn sie von Velos überholt werden.

«Am Quai sind zu rund 95 Prozent der Zeit nur wenige Fussgänger unterwegs.»

Christian Hochstrasser, Grossstadtrat (Grüne)

Wäre ein separater Veloweg da nicht die bessere Variante? van der Heiden winkt ab. Gerade diese Durchmischung erachtet er als Vorteil. «Auf einem separaten Veloweg könnten Radfahrer so schnell fahren wie sie wollen. So hingegen müssen sie Rücksicht nehmen auf die Fussgänger.»

Hochstrasser weist zudem daraufhin, dass der Quai nicht rund um die Uhr gut besucht sei. Abgesehen von einzelnen Nachmittagen im Sommer und an sonnigen Sonntagen habe der Quai «zu rund 95 Prozent der Zeit nur wenige Fussgänger und man könnte mit dem Velo problemlos durchfahren».

Trotz allem wissen die beiden natürlich, dass sie mit ihrer Idee nicht überall offene Türen einrennen, sondern ein emotionales Thema anstossen. Hochstrasser und van der Heiden sind auf den Widerstand vorbereitet. «Ich mache mir keine Illusionen», sagt van der Heiden. «Es wird Leserbriefe hageln.»

Am Nationalquai, wo zweimal jährlich die Velobörse stattfindet, sollen die Zweiräder auch fahren dürfen, finden SP und Grüne.

Am Nationalquai, wo zweimal jährlich die Velobörse stattfindet, sollen die Zweiräder auch fahren dürfen, finden SP und Grüne.

(Bild: PD/Pro Velo Luzern)

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1 Kommentare
  1. Beat Murer, 28.09.2016, 15:30 Uhr

    Die Aussage von Christian Hochstrasser, dass zu rund 95% der Zeit nur wenige Fussgänger auf dem Quai unterwegs sind, ist sehr gewagt. Bezogen auf die Nachtstunden könnte dies stimmen, tagsüber und abends geniessen z.T. massenhaft Fussgängerinnen und Fussgänger den Quai. Darunter viele Eltern und Grosseltern mit Kleinkindern sowie Touristinnen und Touristen aus aller Welt. Es ist schleierhaft, dass ausgerechnet auf Kosten der Schwächsten freie Fahrt für die Velos ermöglicht werden sollte. Eine Bevormundung der FussängerInnen und Fussgänger, dass diese künftig nur noch den Mergelbelag seeseitig benützen und die Velos auf dem Asphaltstreifen Tempo bolzen können, wird nie funktionieren.

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