Ist Luzern Tourismus derzeit clever unterwegs?
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Martin Bütikofer hofft, die Krise auch als Chance nutzen zu können. (Bild: uus)

Verkehrshausdirektor Martin Bütikofer im Interview Ist Luzern Tourismus derzeit clever unterwegs?

4 min Lesezeit 1 Kommentar 10.07.2020, 10:15 Uhr

Verkehrshausdirektor Martin Bütikofer ist auch Verwaltungsratspräsident von Luzern Tourismus. Weshalb er nicht gerne eine Maske anzieht und welchen Gegenstand aus der Corona-Zeit er in ein Museum stellen würde, erzählt Bütikofer im Interview.

zentralplus: Martin Bütikofer, wie wichtig war es nach dem Corona-Lockdown, das Verkehrshaus wieder öffnen zu können?

Martin Bütikofer: Für mich war das keine Diskussion. Es war sogar sehr wichtig. Als wir die Möglichkeit erhalten haben, das Haus wieder aufzutun, war sofort klar: Das machen wir. Dabei standen die wirtschaftlichen Überlegungen nicht im Vordergrund.

zentralplus: Sondern?

Bütikofer: Wir sind Teil der Erlebnisregion Zentralschweiz. Mir war ganz wichtig, dass Familien nach all dem Zuhausebleiben und dem Homeschooling wieder einmal irgendwo hin können und dass die Kinder ein paar Stunden lang etwas «riegeln» oder lernen können. Einfach wieder mal eine andere Inspiration geben. Die Gefahr besteht, dass sich das «Virus im Kopf» festsetzt, wenn es überall Thema ist.

zentralplus: Seit die Leute nach dem Lockdown wieder unterwegs sind, verändert sich auch der Verkehr. Heute tragen wir Masken im ÖV. Wie nehmen sie – als Touristiker und Verkehrsprofi – die Stadt Luzern im Moment wahr?

Bütikofer: Für mich ist es nach wie vor eine ganz schwierige Situation. Gerade als Person, die gerne auf Leute zugeht. Ich spreche gerne Leute an. Etwa, wenn ich auf den Bus warte. Oder ich helfe, wenn ein Tourist mit dem Stadtplan nicht zurecht kommt. Dabei erhalte ich gerne Feedbacks, gerade auch durch die Mimik.

Was ich im Tourismus derzeit schön finde, dass die Lösungen im Vordergrund stehen und nicht gegenseitige Vorwürfe.

zentralplus: An der Bushaltestelle hat es kaum Touristen und die Gesichter sind halb bedeckt. Was geht da verloren?

Bütikofer: Man geht sich aus dem Weg. Das finde ich schwierig. Die Mimik ist so wichtig für die Gesamtbotschaft. Wie wir etwas sagen und welche Haltung wir dazu einnehmen. Es ist etwas Verbindendes, dass nun durch die Maske, diese künstliche Trennung, wegfällt.

zentralplus: Ist Corona irgendwann eine Ausstellung wert?

Bütikofer: Es gibt bereits ein paar Häuser, wie das historische Museum, die viel sammeln zum Thema. Ob das Verkehrshaus der richtige Ort ist, habe ich mir noch nicht überlegt. Wir sind an einem Punkt, den wir alle in unserem Leben nicht so schnell vergessen werden. Da wird noch einiges geschrieben, ausgestellt und aufgearbeitet werden – auch über die Maskenkultur. Ich hoffe, unsere Kinder werden einmal sagen, dass wir diese Situation einigermassen clever gemeistert haben.

zentralplus: Ist man im Luzerner Tourismus denn derzeit clever unterwegs?

Bütikofer: Man macht Fehler in solchen Situationen. Es sind neue Fragestellungen, die wir noch nicht hatten. Da gibt es gewisse Lernfelder. Was ich im Tourismus derzeit schätze, ist, dass die Lösungen im Vordergrund stehen und nicht gegenseitige Vorwürfe. Es ist auch die Haltung, die es braucht, um offen zu bleiben und neue Lösungen zu entdecken.

zentralplus: Rezepte gibt es keine gegen die Corona-Krise. Die Situation erfordert neue Lösungen. Spüren Sie in der Region schon diese kreativen Kräfte, die es dazu braucht?

Bütikofer: Der Moduswechsel ist schwierig. Wir waren jahrelang erfolgreich unterwegs. Jetzt müssen wir Grundsatzdiskussionen führen. Bei der Erstellung des Businessplans konnte man bisher die guten Vorjahreszahlen einfügen – und plötzlich wird man arg zurückgeworfen. Das braucht auch im Kopf eine gewisse Zeit. Es fällt auch nicht jedem und jeder gleich schwer, damit umzugehen. Aber genau das ist die Herausforderung der Stunde.

Mich freut, dass das Velo in allen Formen eine noch höhere Akzeptanz gewonnen hat.

zentraplus: Was braucht es, um die Situation zu meistern?

Bütikofer: Vielleicht braucht es eine ganzheitliche Diskussion. Vielleicht bekommen wir jetzt die Chance, gewisse Dinge, die in der Vergangenheit zu wenig im Fokus waren, neu aufzugleisen. Aber der Luzerner Tourismus braucht auch in der Zukunft einen farbenfrohen internationalen Mix an Gästen. Die Geschichte Luzerns ist eng verknüpft und geprägt durch Gäste. Viele traditionelle Gasthäuser, aber auch Schiffe, würden ohne die Engländer etwa nicht in der Stadt stehen oder auf dem Vierwaldstättersee fahren.

zentralplus: Sie haben von Chancen gesprochen.

Bütikofer: Zum Beispiel, die Gäste länger hier zu halten. Viele Hotels haben sich zu wenig darum gekümmert. Ein Bett, das nicht täglich frisch bezogen werden muss, ist zudem nachhaltiger. Weiter zeigt sich ja gerade, dass wer seine Kunden pflegt, auch in der Krise Gäste hat. Vielleicht gelingt es uns ja, ein neues Kundensegment aufzubauen, das auch länger als zwei Tage in Luzern bleibt. Dann reicht es auch für einen spontanen Besuch im Verkehrshaus.

zentralplus: Welcher Gegenstand wird dereinst diese Zeit im Verkehrshaus repräsentieren?

Bütikofer: Mich freut, dass das Velo in allen Formen eine noch höhere Akzeptanz gewonnen hat. Dazu würde ich noch Wanderschuhe nehmen. Die Mikromobilität, bei der man merkt, dass die Wiese auch im Eigenthal grün ist und man dazu nicht in einen Nationalpark in Übersee fliegen muss – da passiert einiges. Kurz: Ich würde es mit tollen Velos und Wanderschuhen symbolisieren wollen.

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1 Kommentare
  1. Vogel, 10.07.2020, 16:21 Uhr

    Erstellt man ein zukunftsfähiges Konzept, müssten speziell Familien, Alleinerziehende, Jugendliche und junge Erwachsene in CHundEU erreicht werden.
    Mögliche Angebote z.B.:
    Hotels in Stadt und Umgebung
    Aktivitäten im Einzugsgebiet, alles mit ÖV und Velo gut erreichbar, solides Nachtleben für alle Gruppen
    Das ehemalige Hotel Pilatus bietet sich als zentral gelegenes Haus ditekt an für einen Umbau zu einem 2. Jugendherbergeangwbot

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