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«Es wäre schade, wenn daraus ein Puff geworden wäre»
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Luca Vallante (ganz links) und Patrique Etter (ganz rechts) übernehmen die Gewerbehalle. Steff Chiovelli und Barbara Glenz geben den Schlüssel ab. (Bild: jwy)

Das sind die Neuen in der Luzerner Gewerbehalle «Es wäre schade, wenn daraus ein Puff geworden wäre»

5 min Lesezeit 19.07.2017, 11:43 Uhr

Für Beizenliebhaber, Konzertgänger oder Partytiger: Die Gewerbehalle ist zum Fixpunkt in der Baselstrasse geworden. Nun geben die bisherigen Betreiber den Laden in neue Hände. Für Steff Chiovelli und Barbara Glenz ist es auch ein Abschied von Luzern.

Die Gewerbehalle an der Baselstrasse 46. Zuhinterst auf der Terrasse sitzen sie zu viert, Bier steht auf dem Tisch. Der Feierabendverkehr rauscht auf der einen Seite, auf der anderen brausen Züge vorbei. Man lacht, klopft Sprüche, zündet sich gegenseitig an. So sieht eine freundliche Übernahme aus.

Die vier, das sind die bisherigen Betreiber des Lokals und die zukünftigen. Steff Chiovelli (43) und Barbara Glenz (36) hatten die Gewerbehalle vor fünf Jahren übernommen und sie zu dem gemacht, was sie heute ist: das kulturelle Zentrum der Baselstrasse. Patrique Etter (36) und Luca Vallante (28) sind die zukünftigen Betreiber – und sie betonen gleich: Viel ändern wollen sie hier nicht, sondern das Lokal im gleichen Geiste und mit dem gleichen Team – zum Teil langjährige Mitarbeiter – weiterführen.

Urgesteine neben Studenten

Etter und Vallante kennen die Partyszene, Lokal und Leute sowie die Baselstrasse schon gut. Vallante veranstaltet hier selber regelmässig und ist im Quartier aufgewachsen. «Es hat von Anfang an gepasst, es war perfekt und darum ist es jetzt so schnell gegangen», sagt er. Zusammen führen sie auch ein Plattenlabel für elektronische Musik.

«Wir haben hier Himmel und Hölle erlebt und über die Jahre etwas aufgebaut.»

Steff Chiovelli, Gewerbehalle-Pächter

Was macht die Gewerbehalle aus? Hier finden kleine Bands eine Bühne, es ist ein guter Ort, um viel zu lange sitzenzubleiben und eins über den Durst zu trinken. Baselstrasse-Urgesteine koexistieren hier neben jungen Studenten und es finden verrauchte Abende und rauschende Partys statt.

«Mit ihnen haben wir zwei gefunden, die das Lokal im gleichen Stil weiterführen, sie haben Power und wollen das wirklich», sagt Chiovelli. Kleine Veränderungen werden passieren – müssen passieren. «Aber mit ihnen hat es sich von Anfang an am besten angefühlt», sagt er. Barbara Glenz ergänzt: «Es ist uns enorm wichtig, dass wir uns mit den Nachfolgern gut verstehen.»

Sie sind sich einig, wie man sieht: Luca Vallante, Steff Chiovelli, Patrique Etter und Barbara Glenz (von links nach rechts) auf der Gewerbehalle-Terrasse.

Sie sind sich einig, wie man sieht: Luca Vallante, Steff Chiovelli, Patrique Etter und Barbara Glenz (von links nach rechts) auf der Gewerbehalle-Terrasse.

(Bild: jwy)

Haus wurde verkauft

Dass Glenz und Chiovelli so abrupt abtreten, mag von aussen überraschen – sie selber hatten sich von Anfang an einen Zeitrahmen gesetzt. «Wir wollten den Laden aufbauen, bis er läuft und dann weitergeben», so Chiovelli. Dafür hatten sie mit bis zu drei Jahren gerechnet, schliesslich wurden fünf daraus. Fünf Jahre, in denen einiges passierte: Die Baselstrasse hat sich verändert, wurde immer mehr zum Zentrum der Nachtschwärmer, kämpft aber auch mit der Neustadt um die Kundschaft (zentralplus berichtete).

Abschiedsfest und Schlüsselübergabe

Steff Chiovelli und Barbara Glenz verabschieden sich mit einem Fest: Samstag, 12. August ab 18 Uhr in der Gewerbehalle. Mit Musik von Lower Pink und einem Überraschungsact. Es gibt eine öffentliche Schlüsselübergabe und anschliessend Party mit Open-DJ-Desk. «Ein richtiger Abend à la Gewerbehalle, der melancholisch startet und in einer wilden Party endet», verspricht Glenz.

Der Entscheid nun aufzuhören, kam mit dem Verkauf der Liegenschaft anfangs Jahr. Das Haus ging in neue Hände und der Pacht-Vertrag lief aus. «Das war für uns ein Zeichen und ein guter Moment», sagt Chiovelli. Der Verkauf sprach sich rum, schnell flatterten diverse Anfragen für das Lokal rein, teils auch zweifelhafte. Also gingen die beiden aktiv auf die Suche nach Leuten, welche die Gewerbehalle in ihrem Sinne weiterführen.

«Wir haben hier Himmel und Hölle erlebt, über die Jahre etwas aufgebaut und extrem viel Herzblut reingesteckt», sagt Chiovelli, der zuvor zehn Jahre im Treibhaus als Barchef gearbeitet hatte. «Wir hatten mit der Gewerbehalle auch das Ziel, die Baselstrasse zu entwickeln. Es wäre schade, wenn daraus eine Autogarage oder ein Puff geworden wäre.»

Die Sache war schnell geritzt

Dass der Wechsel dann so schnell über die Bühne ging, hatten sie nicht erwartet. Patrique Etter und Luca Vallante standen auf der Matte, weil sie über verschiedene Ecken vom Verkauf erfuhren. «Als ich hörte, dass die Gwerbi abgegeben wird, war ich schockiert und dachte, das darf doch nicht sein», sagt Vallante – also ging er auf Barbara Glenz zu und meldete sein Interesse an.

Nach ein paar Treffen war die Sache schnell geritzt. Sie machten Tabula rasa und handelten mit den neuen Besitzern einen Vertrag aus. Die neuen Betreiber bezahlen eine leicht höhere Miete als zuvor.

Viele Umbauten und Investitionen wurden mit dem alten Besitzer per Handschlag abgemacht, für die neuen Betreiber ist nun wichtig, dass alles geregelt ist. «Jetzt haben wir einen sauberen Schnitt und die Bedingungen sind allen klar», sagt Chiovelli.

Über dem Keller der Gewerbehalle befinden sich drei weitere Stockwerke desselben Lokals.

Im Keller der Gewerbehalle finden Partys und Konzerte statt, weiter oben geht’s gemütlicher zu und her.

(Bild: zvg)

Weg von Luzern

Der Break mit der Gewerbehalle ist für die beiden auch ein Break mit Luzern – es zieht sie weg. Barbara Glenz zieht zu ihrem Freund nach Glarus und baut sich dort etwas Neues auf. «Es ist komplett eine neue Welt und ich freu mich darauf», sagt sie. Auch wenn sie Luzern weiterhin verbunden bleibt, etwa durch ihr Engagement beim Glücklich Festival (zentralplus berichtete).

Deutlich weiter fort zieht’s Steff Chiovelli, sein Ziel ist Hawaii. Mit Zwischenstationen in Brooklyn, San Francisco oder Los Angeles, so der Plan. «Mein Zeithorizont ist zwischen einem halben und zwei Jahren», sagt er. Er hat Freunde in den USA und schon Kontakte geknüpft, will aber den Ball noch flach halten. «Ich habe schliesslich schon nach dem Treibhaus behauptet, dass ich weggehe, es kann auch alles anders kommen», sagt er und lacht. Was er weiss: Er will weiterhin in der Gastronomie tätig sein. «Etwas Schönes an einem schönen Ort», sagt er.

Rauschendes Abschiedsfest

Zurück zur Gewerbehalle: Am 1. August findet auf dem Lädeliplatz zwischen Gewerbehalle und El Barrio wie in den letzten Jahren ein 1.-August-Fest abseits aller Konventionen statt. Danach schliesst das Lokal für eine kurze Sommerpause und einen gründlichen Rauswisch.

Am 12. August findet dann schliesslich das rauschende Abschiedsfest von und für Steff und Babsi statt, wie sie hier alle nennen (siehe Box). Am 14. August werden dann die neuen Beiden das Lokal einweihen. «Wir könnten auch ein 48-stündiges Fest machen», witzelt Glenz. Einen fliessenden Übergang ganz im Geiste der Gewerbehalle.

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