Es rumpelt im EVZ-Kader, weil der Sportchef vernünftig bleibt
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Seine Zeit beim EV Zug läuft am Saisonende aus: Captain Raphael Diaz. (Bild: Urs Lindt/freshfocus)

Nach Alatalo geht auch Captain Diaz Es rumpelt im EVZ-Kader, weil der Sportchef vernünftig bleibt

4 min Lesezeit 2 Kommentare 08.12.2020, 15:11 Uhr

Die Vertragsverlängerung mit Raphael Diaz (34) hatte für Zugs Sportchef Reto Kläy oberste Priorität – doch eine Einigung wird es nicht mehr geben. Der EVZ-Captain hat sich zu einem Wechsel entschlossen. Den Zuger Meister-Ambitionen tut das allerdings keinen Abbruch.

Raphael Diaz, der wohl berühmteste Hockey-Sohn des EV Zug, steht im Herbst seiner Karriere. Anfang Januar wird er 35. Er ist nach wie vor der beste Verteidiger im Team des neben den ZSC Lions meistgenannten Titelanwärters und einer der bestverdienenden Spieler im Kader von Zug-Trainer Dan Tangnes.

Sportchef Reto Kläy wollte den Botschafter des Zuger Hockey-Unternehmens unbedingt halten, offerierte Diaz einen Dreijahresvertrag mit Aussicht auf eine Anschlusslösung auf oder neben dem Eis. «Zu unseren bestmöglichen Konditionen», wie Kläy auf Anfrage von zentralplus versichert.

Zu einer Einigung sollte es dennoch nicht kommen. Nun bestätigt Kläy: «Nach dieser Saison wird Raphael Diaz nicht mehr bei uns spielen.» Fribourg soll gemäss «Blick» das Rennen um ihn gemacht haben.

Seine Botschafterrolle ist Diaz los

Ob sich Diaz den letzten Klubwechsel seiner Karriere gut überlegt hat? Das ist seine Angelegenheit. In der Gunst der Zuger Anhänger, so die Reaktionen in den einschlägigen Portalen, ist er aber schon ziemlich tief gefallen.

Zum Glück für ihn sind derzeit praktisch keine Zuschauer in der Bossard-Arena zugelassen. Seine abrupt fehlende Glaubwürdigkeit scheint es unmöglich zu machen, Raphael Diaz nach dem Karrierenende in irgendeiner Funktion beim EV Zug weiterzubeschäftigen.

Aber was sagt der Wechsel über die Arbeit von Sportchef Reto Kläy aus?

Dass bei den Zuger «Geldsäcken», als die sie ausserhalb der Kantonsgrenze verschrieen sind, Vernunft und Verantwortung gegenüber der eigenen Organisation nicht ausser Kraft gesetzt sind. Sportchef Reto Kläy hat sich finanziell nicht aufs Glatteis führen lassen. Und das ist ein starkes Signal nach innen und aussen, das in seiner Bedeutung nicht hoch genug einzuschätzen ist.

Neues Layout für die Zuger Abwehr gefragt

Zudem: Der Abgang von Raphael Diaz tut den meisterlichen Ambitionen der Zuger keinen Abbruch. Meisterlicher Erfolg im Mannschaftssport hängt nie von einem einzelnen Spieler ab. Auch nicht im Fall von Diaz und dem EV Zug.

Trotz all seiner Qualitäten: Selbst einen Raphael Diaz kann der EVZ adäquat ersetzen. Das ist nun die wichtigste Aufgabenstellung in der Personalplanung von Reto Kläy.

Die Verteidigung der Zuger kann der Sportchef nun in kreativer Hinsicht neu aufstellen, weil mit Santeri Alatalo auch der Adjutant des EVZ-Captains zum Saisonende gehen wird (zentralplus berichtete).

Zwar steht Biels Samuel Kreis (26) kurz vor einem mehrjährigen Engagement beim EV Zug, aber der Verteidiger ist (noch) nicht dazu in der Lage, Diaz oder Alatalo in ihrer Rolle auf und neben dem Eis zu ersetzen.

EVZ mit ausländischem Verteidiger 2021/22

Darum wird es künftig unweigerlich auf eine Veränderung in der Zusammensetzung der EVZ-Ausländer hinauslaufen: Zum ersten Mal, seit Reto Kläy im Sommer 2014 die sportlichen Geschicke der Zuger übernommen hat, wird nächste Saison ein Verteidiger mit ausländischem Pass im EVZ-Dress zu Werke gehen. Vielleicht sogar deren zwei.

Kläy sagt dazu: «Die Chance, dass wir abermals mit vier ausländischen Stürmern agieren werden, ist sehr klein.»

Ob es am Ende ein oder gar zwei neue ausländische Verteidiger für den EVZ sein werden, wird massgeblich von der Personalie Fabrice Herzog abhängen. Entscheidet sich der aktuelle Davos-Stürmer, dessen junge Familie in Zug wohnt und lebt, für den EVZ und gegen den schnöden Mammon von Lausanne und die sportliche Perspektive bei seinem bisherigen Arbeitgeber, können die Zuger gar auf zwei ausländische Verteidiger setzen.

Die Chance auf ein meisterliches Gen

Mit Fabrice Herzog, Grégory Hofmann, Lino Martischini, Dario Simion, Yannick Zehnder, Jan Kovar und einem weiteren ausländischen Center erstklassiger Qualität hätte der EV Zug ausreichend Feuerkraft, um mit den Besten der Liga zu heulen.

Fakt ist: Der Umbruch bei den Zugern geht nun ein paar Jahre früher vonstatten als ursprünglich angenommen. Aber das macht die aktuelle Kaderplanung von Reto Kläy umso spannender.

Für den EVZ-Sportchef ist es eine grosse Chance, seiner Mannschaft eine neue Dynamik und ein Meister-Gen einzuimpfen. Schliesslich definieren sich die Zuger darüber, die Meister von 1998 nicht mehr lange in ihren Titelehren alleine lassen zu müssen

Bei allem Respekt vor der schönen Karriere des klugen, besonnenen und ehrgeizigen Raphael Diaz: Die vier wichtigsten Finals in seinem Leben (WM 2013 und 2018) und die Meister-Playoffs 2017 und 2019 hat er allesamt verloren.

Aber er hat die Chance, die Fähigkeit und Ausstrahlung, seinen Stammklub im nächsten Sommer nicht als unvollendeter Sohn verlassen zu müssen.

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2 Kommentare
  1. Mathias Wyss, 09.12.2020, 08:29 Uhr

    Omark nach nur 1 Jahr weg, Stalberg ebenfalls. Roe nach 2 Jahren. Absolute Topspieler. Und jetzt kann man nicht mal mehr die Langjährigen Alatalo und Diaz halten. In der Aussensicht kann sich der EVZ finanziell fast alles leisten. Die Innensicht ist, dass der Club schweizweit (und darüber hinaus) ein einmaliges Umfeld bietet. Beide Einschätzungen gehen an der Realität vorbei.

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    1. Christine Ritter, 10.12.2020, 18:36 Uhr

      Es steht noch niergends geschrieben dass Alatalo den EVZ verlässt wie er selber aussagt schliesst er einen Verbleib in Zug nicht aus da er sich sehr wohl fühle. Ich glaube an seine Worte da ich Alatalo gut kenne

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