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«Es kommt keiner und sagt: Markus, hier hast Kohle, geh shoppen»
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Trainer Markus Babbel spricht über mögliche Neuzugänge. (Bild: Martin Meienberger/freshfocus )

FCL: Babbel will mit Neuzugang Sieger-Gen zurück «Es kommt keiner und sagt: Markus, hier hast Kohle, geh shoppen»

4 min Lesezeit 20.05.2017, 05:14 Uhr

FCL-Trainer Markus Babbel will dem Team zur neuen Saison neue Impulse geben. Auf der Suche nach Neuzugängen steht besonders die Mentalität im Zentrum. zentralplus bringt den Bruder eines Weltmeisters ins Spiel. Babbel findet’s interessant, wären da nicht die Finanzen.

Der FC Luzern leide unter einer «Nichtbelastbarkeit», diagnostiziert FCL-Coach Markus Babbel. Ändern will dies Babbel mit frischem Blut, neuen Gesichtern, unbequemen Spielern. Zwei Namen, die Babbel noch vor der Lausanne-Niederlage dazu in einem «Tagesanzeiger»-Interview nannte, sind die beiden FC-Basel-Spieler Serey Die und Taulant Xhaka. Doch wie soll man einen solchen Spieler für 12’000 Franken im Monat nach Luzern holen, fragte Babbel rhetorisch.

Und trotzdem: Babbels Aussagen untermauern ein klares Anforderungsprofil für einen gewünschten FCL-Transfer. Ein defensiver Mittelfeldspieler, der sich nicht scheut, auch mal dazwischenzuhauen. Ein Wadenbeisser, der mit seiner Mentalität vorangeht. Ein Kämpfer über dem Herrn, der das ganze Team mitzureissen vermag. Ach, wie gerne denkt der Fussballnostalgiker an einen Mark van Bommel beim FC Bayern oder an Gennaro Gattuso beim AC Milan zurück.

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 «Wir haben im Moment ein brutales Vakuum.»

Markus Babbel

Babbel entschuldigt sich

Zu Beginn der Pressekonferenz vor dem Sion-Spiel (am Sonntag ab 13.45 Uhr im zentralplus-Liveticker) wollte FCL-Trainer Markus Babbel etwas Wichtiges loswerden. «Ich habe einen Fehler gemacht.» Babbel hatte den Berater der Gebrüder Schneuwly kritisiert wegen dessen Gang an die Öffentlichkeit mit den Vertragsangeboten (zentralplus berichtete). In einem längeren Gespräch habe man sich ausgetauscht und der Berater konnte ihm plausibel erklären, dass dies so nicht der Wahrheit entsprach. «Ich möchte mich entschuldigen, dass ich diese Fehlinformation an die Öffentlichkeit trug», so Babbel.

Und dass diese Spezies Fussballer nicht ausgestorben ist, beweisen ein Arturo Vidal bei Bayern, ein N’Golo Kante bei Chelsea oder ein Sami Khedira bei Juventus eindrücklich. Sie sind mitverantwortlich, dass die Clubs dieser drei in dieser Saison den Meistertitel feiern dürfen. Spieler eines solchen Kalibers kann sich der FC Luzern logischerweise niemals leisten. Babbel sagt denn auch: «Einen ähnlichen Typen ­irgendwo zu finden bei begrenzten Möglichkeiten im Scouting, das ist enorm schwierig.»

Mit Remo Freuler und Dario Lezcano verliessen vor rund einem Jahr zwei solche Typen den Verein. «Wir haben im Moment ein brutales Vakuum», ist sich auch Babbel bewusst. «Ich hoffe, dass sich unsere jungen Spieler dorthin entwickeln.» Auch in der Jugend müsse man ein spezielles Auge auf die «unangenehmen Typen» haben. Diese Thematik sei allerdings nicht nur ein FCL-Problem. «Diese Spieler suchen alle.» Und da wären noch die finanziellen Grenzen. Babbel sagt: «Wenn man nicht viel zur Verfügung hat, muss man clever sein.»

Rani Khedira trägt momentan das Trikot von RB Leipzig.

Rani Khedira trägt momentan das Trikot von RB Leipzig.

(Bild: Facebook/ RB Leipzig)

Wie wär’s mit dem Bruder eines Weltmeisters?

zentralplus begab sich auf die Suche nach Spielern, welche die Anforderungskritierien erfüllen, und konfrontierte Trainer Markus Babbel mit einem prominenten Namen: Rani Khedira. Der Bruder des deutschen Weltmeisters Sami Khedira spielt beim Bundesligaaufsteiger RB Leipzig. Sensationell landet das Team in dieser Saison auf dem zweiten Platz und qualifiziert sich direkt für die Champions League. Khedira spielt aber selten. Sein Vertrag läuft aus, er wäre also ablösefrei zu haben.

Khedira ist für Babbel kein Unbekannter, er kennt ihn aus seiner Zeit beim VfB Stuttgart. «Er ist ein guter Spieler. Er hat Qualität», lobt Babbel. Als Spielertyp also durchaus interessant, doch Babbel bleibt Realist: «Wenn Sie wüssten, was man in Leipzig verdient», seufzt er. Damit’s klappen könnte, müsste ein solcher Spieler schon sagen: «Luzern ist cool, das Geld ist mir wurst.» Dies kann er sich jedoch nicht vorstellen. «Der Spieler sieht sich in der Bundesliga oder bei einem Topklub in der zweiten Liga.»

Charaktererkennung ist schwierig

Zu möglichen Neuzugängen sagt Babbel: «Es ist ja nicht so, dass einer zu mir kommt und sagt: Markus, hier hast Kohle, geh shoppen.» Der Bayer spricht von einem oder zwei Zuzügen für die neue Saison – vorausgesetzt, die Mannschaft bleibt zusammen. «Wir versuchen schon, Spieler zu bekommen, und führen Gespräche, wo wir die Hoffnung haben, dass Mentalität da ist.» Doch Babbel sagt ganz ehrlich: «Nach zwei oder drei Gesprächen kennt man den Charakter eines Spielers noch nicht.» Wenn man das könnte, hätte man wohl einen anderen Job, witzelt er.

Babbel sagt, dass man gerade in der aktuellen Krise sehen könne, wer welche Mentalität habe. Auch bei den jungen Spielern. Er denkt nicht daran, jetzt einfach die erfahrenen Spieler den Karren aus dem Dreck ziehen zu lassen, sondern will erkennen, wie sich die Jungen schlagen. «So hat doch diese Krise auch ihre guten Seiten», sagt er.


 

Pirmin Schwegler bleibt wohl in Deutschland

Gemäss der viel beredeten «Vision2021» will der Verein ja Spieler aus der Region beschäftigen. Auf oben angetöntes Anforderungsprofil würden natürlich auch die beiden Bundesligastars Fabian Lustenberger oder Pirmin Schwegler passen. Die Geldproblematik gilt natürlich auch für die beiden – dafür dürften sie wieder bei «ihrem» Heimatverein spielen. Nur: «Lusti» hat bisher keine Anstalten gemacht, bereits jetzt zurück in die Schweiz zu kommen. Etwas anders die Situation bei Pirmin Schwegler. Sein Vertrag in Hoffenheim läuft im Sommer aus – mit seinem Bruder Christian hat der FCL bereits eine erste Rückkehr umgesetzt.

Die Gerüchteküche um Pirmin Schwegler brodelt. Von einem Amerika-Abenteuer war die Rede (zentralplus berichtete). Auch eine Rückkehr nach Frankfurt stand im Raum – Mainz und Wolfsburg zeigten ebenfalls Interesse. Nun verdichten sich allerdings die Anzeichen, dass Schwegler zum Bundesliga-Aufsteiger Hannover 96 wechseln könnte.

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