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«Es ist wie das erste Date, wenn man sich beim Musikmachen kennenlernt»
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Les Yeux Sans Visage in der aktuellen Version: Remo Helfenstein, Ismail Osman, Dominik Bienz und Olivier Vogel (von links nach rechts). (Bild: zvg)

Les Yeux Sans Visage am «Invictis Pax»-Festival «Es ist wie das erste Date, wenn man sich beim Musikmachen kennenlernt»

4 min Lesezeit 03.08.2018, 18:27 Uhr

Und plötzlich sind Les Yeux Sans Visage zurück. Am Samstag spielt die zum Quartett gewachsene Band am Luzerner Festival «Invictis Pax». Warum das Comeback keines ist – und wieso der Band die Schlagzeuger abhandenkamen.

«Die gibt’s noch!» Ein Fan auf Facebook ist begeistert. Ja, es gibt sie noch, Les Yeux Sans Visage sind von einem Trio zu einem Quartett gewachsen. Zwei von ihnen sitzen bei Kaffee am Tisch und sprechen über ihren bevorstehenden Auftritt am «Invictis Pax»-Festival diesen Samstag (siehe Box): Sänger Remo Helfenstein und der neue Schlagzeuger Dominik Bienz – bereits der dritte in der Bandgeschichte.

Begonnen hatten die Luzerner vor bald zehn Jahren noch mit dem schreienden Dominic Deville am Schlagzeug und einem Sound zwischen Wave und Punk. Mit ihrem düsteren 80er-Sound begeisterten sie bald die ganze Schweiz.

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Inzwischen ist der Einfluss differenzierter und das Songwriting anspruchsvoller geworden. Sechs Jahre sind seit dem ersten und einzigen Album «Tomorrow is a Million Years» vergangen.

zentralplus: Viele sind überrascht, dass Les Yeux Sans Visage wieder aufgetaucht sind.

Remo Helfenstein: Ja, aber Ismi und ich haben immer Musik gemacht und geprobt, sind aber einfach lange nicht aufgetreten und haben nichts veröffentlicht. Und es hat einen Wechsel gegeben, den bisherigen Schlagzeuger Flavio Merlo haben wir an die Kunst verloren (lacht).

zentralplus: Irgendwie laufen euch immer die Schlagzeuger davon.

Helfenstein: Stimmt. Dominic Deville war der erste, dann kam Flavio – und jetzt bleibt Dominik (lacht).

Dominik Bienz: Ja genau (lacht).

zentralplus: Sie und Ismail Osman sind die Konstanten der Band?

Helfenstein: Ja, es ist unser Freundschaftsding, einmal in der Woche treffen wir uns im Proberaum. Irgendwann wurde es wieder konkreter. Wir kamen an den Punkt, wo wir gespürt haben, dass wir weitere Instrumente und neue Ideen von neuen Köpfen dabeihaben möchten.

zentralplus: Also ist es kein Comeback?

Helfenstein: Nein, ich find’s übertrieben, wenn man von Auferstehung oder Comeback spricht. Wir haben einfach immer weitergemacht, jetzt hat sich für uns wieder diese Dringlichkeit ergeben, dass wir die Musik an die Öffentlichkeit tragen wollen.

So tönten Les Yeux Sans Visage 2012. Wer neues Material hören will, muss ans Konzert kommen:

zentralplus: Ihr seid zum Quartett gewachsen. Wie kam’s zu den Neuzugängen?

Helfenstein: Oli und Dominik waren schon immer in unserem Umfeld, wir kannten sie gut – also lag es auf der Hand.

Bienz: Wir waren quasi Bandfreunde, als ich noch bei Seed of Pain gespielt habe. Musikalisch war das absolut meine Welle. Wir haben darüber gesprochen und irgendwann kam die Anfrage, aber es hat noch gedauert.

Mini-Festival «Invictis Pax»

Mini-Festival Invictis Pax: Samstag, 4. August, ab 15 Uhr, Denkmalstrasse vor dem Café Alpineum. Mit Merle Link, Little Fellow, Explore Error, The Youngest und Les Yeux Sans Visage als letzte Band. Ab 23 Uhr steigt die Party im Bourbaki.

Zudem spielen Les Yeux Sans Visage am 22. September am Non-Open-Air in Meggen.

Helfenstein: Es ist ein bisschen wie das erste Date, wenn man sich beim Musikmachen kennenlernt …

zentralplus: Fügt ihr euch als neue Mitglieder möglichst in den Sound ein oder prägt ihr ihn mit?

Bienz: Am Anfang waren wir noch vorsichtig und fügten uns ein. Es brauchte Zeit, bis alle merkten: Ok, wir dürfen mitreden.

Helfenstein: Das ist ein träger Prozess, man muss sich erst finden in der Beziehung der Band. Aber mir war immer wichtig, dass man nicht nur mitspielt, sondern auch kreiert.

zentralplus: Die Bewährungsprobe ist vorüber: Ihr hattet kürzlich das erste Konzert in der neuen Besetzung im Südpol.

Bienz: Wir spielten im Rahmen der «Open Box» letzten Herbst bereits einmal in der Box des Luzerner Theaters. Aber das war mit einem Schauspieler und war mehr Performance als Konzert.

Es war toll, wie viele Leute in den Südpol gekommen sind, ich freue mich auf die weiteren Konzerte. Man muss ab und zu aus dem Proberaum-Groove herauskommen, um zu sehen, wo man steht und was man noch verbessern muss. Dafür sind Konzerte eine gute Referenz.

Les Yeux Sans Visage noch mit Schlagzeuger Dominic Deville (oben Mitte) und mit Flavio Merlo (unten rechts).

Les Yeux Sans Visage noch mit Schlagzeuger Dominic Deville (oben Mitte) und mit Flavio Merlo (unten rechts).

(Bild: zvg)

zentralplus: Fast zehn Jahre gibt es Les Yeux Sans Visage, wie würdet ihr die Entwicklung von den Anfängen bis jetzt beschreiben?

Helfenstein: Wenn ich die alten Sachen höre mit Dominic am Schlagzeug, dann war das noch «Punk by attitude». Nicht viel überlegt, roh und einfach rausgehauen – und den Fähigkeiten von damals entsprechend. Über die Jahre sind wir vorsichtiger und überlegter geworden im Songwriting.

zentralplus: Das Debütalbum stammt von 2012. Kommt jetzt ein neues Album?

Helfenstein: Ja, wir haben fleissig am Material gearbeitet. Es ist schon das Ziel, das irgendwann festzuhalten. Nur schon, um den Prozess abzuschliessen und loszulassen. Die Band ist ein Projekt, das wir für uns machen. Das Veröffentlichen bedeutet, dass man seine Arbeit in eine Beurteilungsrunde lässt und dadurch vielleicht weiterkommt.

Bienz: Als Band hat man Songs, an denen man wahnsinnig Freude hat, aber irgendwann hat man sie zu Tode gespielt. Ich habe den Anspruch, dass man das Zeug einfach einmal festhalten will, damit es nicht einfach verdunstet. Ich glaube, es ist gute Musik und es lohnt sich, diese aufzunehmen.

zentralplus: Ein altmodischer Gedanke in der heutigen Zeit?

Helfenstein: Ja sehr, es ist dieser Archivgedanke.

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