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«Es ist nicht leicht, neben mir einen Match zu schauen»
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Wenn einer den EVZ kennt, dann ist es der Zuger Eugen Thalmann, der Autor des Buches «50 Jahre EVZ – für ein lebendiges Zug». (Bild: Fabrizio Vignali/zVg)

Eugen Thalmann begleitet den EVZ seit 1967 «Es ist nicht leicht, neben mir einen Match zu schauen»

7 min Lesezeit 05.11.2017, 10:47 Uhr

Er kennt den EVZ wie kein anderer und war stets nah dabei, egal ob beim Cupsieg oder beim Abstieg in die NLB. Heute widmet Eugen Thalmann einen Teil seiner Arbeit dem EV Zug. Und er hört es trotzdem nicht gern, wenn er als Fan erster Stunde bezeichnet wird.

Eugen «Geni» Thalmann ist einer der wenigen Menschen, die von sich behaupten können, den EVZ von der ersten Sekunde an zu kennen. Aus nächster Nähe. 1967 war der gebürtige Stadtzuger beim Eröffnungsspiel im neuen Eisstadion dabei, seither lässt ihn der Zuger Eissportverein nicht mehr los. Im Gegenteil: Thalmann widmet dem Klub einen grossen Teil seiner beruflichen Zeit und auch seiner Freizeit. Wir haben den 64-jährigen Kommunikationsmenschen getroffen und bohrten gleich in aktuellen Wunden. Denn aktuell macht der EVZ in der Meisterschaft gar keine gute Gattung. Woran das wohl liegt?

Eugen Thalmann: Es gibt wie meistens im Sport nicht eine klar ersichtliche Ursache, sondern mehrere Gründe, die man für die aktuelle Niederlagenserie anführen könnte. Die Mannschaft wurde in allen vier Blöcken verändert und muss sich noch finden. Die vielen eingebauten jungen Spieler müssen noch Erfahrungen sammeln. Einige Leistungsträger sind noch nicht in Topform. Und dazu kommen seit dem Saisonstart langfristige Ausfälle von mehreren Stammspielern, die jeden Entwicklungsprozess erschweren. Ich mache mir aber keine grossen Sorgen. Jede Mannschaft hat mal ein resultatmässiges Tief.

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zentralplus: Sie verfolgen das Geschehen beim EVZ, seit es den Klub gibt. Wie kam das eigentlich mit Ihrer EVZ-Passion?

Thalmann: Ich bin hundert Meter vom Stadion entfernt in der Gartenstadt aufgewachsen. Nach der Eröffnung war ich fast täglich auf der Eisbahn anzutreffen, schaute den Huber-Brüdern beim Trainieren zu und war fasziniert von diesem schnellen und physisch intensiven Sport.

Die Zuger Huber-Brüder, welche den Anfang der EVZ-Geschichte mitprägten.

Die Zuger Huber-Brüder, welche den Anfang der EVZ-Geschichte mitprägten.

(Bild: EVZ Archiv)

zentralplus: Stand es für Sie damals nicht zur Debatte, selber Hockeyspieler zu werden?

Thalmann: Durchaus. Ich hätte sehr gern gespielt. Doch meine Eltern befanden, dass es zu teuer sei, eine Ausrüstung zu kaufen. Damals war Hockey ein vergleichsweise teurer Sport. Ich habe dann stattdessen Leichtathletik gemacht und später Handball gespielt.

zentralplus: Ihre Faszination für den Eishockeysport ist bis heute geblieben. Sie geben das Heft «Eiszeit» heraus, der Autor des kürzlich erschienenen Jubiläumsbuchs und machen noch andere Jobs für den Verein. Befassen Sie sich in Ihrem Kommunikationsunternehmen überhaupt noch mit anderem als dem EVZ?

Thalmann: Schon. Doch der EVZ nimmt viel Raum ein. Da ist während der Saison jeden Tag etwas los. Ausserdem ist «Eiszeit» ein aufwendiges Magazin. Da sind keine Spielberichte und 0815-Interviews drin, sondern Analysen, Kommentare, Hintergründe, Blicke hinter die Kulissen. Ich schätze, dass ich geschäftlich etwa 40 Prozent der Arbeitszeit für den Klub aufwende. Die Präsenzzeit bei Spielen nicht eingerechnet.

zentralplus: Wie viele Spiele des EVZ haben Sie bis heute gesehen?

Thalmann: Keine Ahnung. Sehr viele. Zwischen 1972 und 1992 war ich Sportjournalist. Weil ich damals vor allem über den EVZ schrieb, habe ich jedes Spiel live verfolgt, auch auswärts. Heute bin ich nur noch an den Heimspielen regelmässig dabei. An die Auswärtsspiele gehe ich in den Playoffs, sonst eher selten, da ja jedes Spiel im Fernsehen übertragen wird.

zentralplus: Dennoch lassen Sie sich nur ungern als EVZ-Fan betiteln.

Thalmann: Das höre ich tatsächlich nicht so gern. Ich bin kein typischer Herti-Nordkurven-Fan, der auf der Stehrampe seine Transparente schwenkt. Auch wenn dagegen überhaupt nichts einzuwenden ist und ich die tolle Stimmung, die wir vor allem diesen Fans verdanken, nicht missen möchte.

«Heute kann ich auch nach einer Niederlage gut schlafen. Das fiel mir früher schwerer.»

zentralplus: Trotzdem sind Sie mit viel Herzblut dabei.

Thalmann: Ja, es ist nicht leicht, neben mir einen Match zu schauen. Einige Leute haben mir schon gesagt, dass ich sie viel zu nervös mache. Trotzdem kann ich heute auch nach einer Niederlage gut schlafen. Das fiel mir früher schwerer.

zentralplus: An welche spannenden Momente in der EVZ-Geschichte können Sie sich besonders gut erinnern?

Thalmann: Da kommt mir spontan der erste Aufstieg des Vereins 1976 in den Sinn. Und zwar das letzte Spiel der Aufstiegsrunde in Zürich. Fünf Minuten vor Schluss lagen wir 3:5 zurück, 22 Sekunden vor Schluss hat Heinz Jenni das Spiel 7:6 für uns entschieden. Hätten wir verloren, wäre Arosa aufgestiegen.

zentralplus: Ich hätte vermutet, dass Sie das entscheidende Spiel 1998 nennen würden, bei dem der EVZ den Meistertitel zum ersten und bisher einzigen Mal holte.

Thalmann: Das war natürlich auch ein unvergesslicher Höhepunkt. Aber dieser Titel kam nicht überraschend und er war das Resultat eines längeren Prozesses. 1995 waren die Zuger bereits im Final, zwei Jahre später erneut. 1998 war die Zeit reif für den Sieg. Das war anders als beispielsweise dieses Jahr. Man hat nicht erwartet, dass der EVZ heuer ins Final kommen würde.

zentralplus: Was waren denn im Gegenzug die negativsten Momente für Sie als EVZ-Aficionado?

Thalmann: Die beiden vorhin genannten Finalserien in den Neunzigerjahren. 95 lag der EVZ beim entscheidenden Finalspiel mit 3:0 in Führung, bevor er dann unglücklich mit 3:4 verlor. Und 97, da schienen die Zuger nach dem Startsieg in Bern auch das zweite Finalspiel für sich zu entscheiden. Dann wurde ihnen das Tor zum 3:1 nach einer damals nicht erlaubten TV-Konsultation wegen Abseits aberkannt, worauf die Moral in den Keller sank und die Spieler den Match letztlich verschenkten. Das dritte Finalspiel in Bern verlor Zug in der Verlängerung. Das war brutal.

«Die negativsten Momente in meiner EVZ-Geschichte? Die beiden verlorenen Finalserien 95 und 97. Das war brutal.»

Jaako Marttinen: Der erste Ausländer, den der EVZ verpflichtete.

Jaako Marttinen: Der erste Ausländer, den der EVZ verpflichtete.

(Bild: EVZ Archiv)

zentralplus: Welchen EVZ-Spieler der letzten 50 Jahre hätten Sie gerne kennengelernt, haben es aber nie geschafft?

Thalmann: Ich kenne mehr oder weniger alle Spieler, die je beim EVZ gespielt haben. Zum Glück, denn das erleichtert meine journalistische Arbeit enorm. Beim Jubiläumsfest im September kannte ich praktisch jeden. Für mich hatte das Nostalgiespiel deshalb eine ganz besondere Bedeutung. Die ausländischen Spieler habe ich während des ganzen Wochenendes begleitet.

zentralplus: Zu dem Anlass hatten Sie auch ein umfangreiches Buch gestaltet.

Thalmann: Genau. Dinge, die ich während 50 Jahren gespeichert hatte, und sehr viel neues Material habe ich innert sieben Intensivwochen zu einem Buch zusammengetragen.

zentralplus: Sieben Wochen für ein Buch? Das klingt nach viel Arbeit.

Thalmann: Ich habe tatsächlich schon mehr geschlafen als während dieser Zeit.

zentralplus: Das Buch «50 Jahre EVZ – für ein lebendiges Zug» ist nicht das erste, das sie über den Verein schrieben. Bereits zum 30-Jahre-Jubiläum griffen Sie in die Tasten.

Thalmann: Eigentlich hätte das Buch 1997 ein Meisterbuch werden sollen. Aber aus dem Titel wurde ja bekanntlich nichts und so ist es halt ein Jubiläumsbuch geworden. Beim Meistertitel ein Jahr später haben wir zudem eine Woche nach dem Titelgewinn ein 64-seitiges Meistermagazin herausgebracht.

zentralplus: Welche Menschen sind Ihnen während Ihrer 50-jährigen Ära mit dem EVZ besonders im Gedächtnis geblieben?

Thalmann: Sicherlich alt eingesessene Zuger Familien wie die Hubers, Fischers, Stadlers oder Gigers. Viele Präsidenten und Funktionäre, zu denen ich ein enges Verhältnis hatte und immer noch habe. Aber auch Ausländer wie Ken Yaremchuk, Wes Walz, Ivan Hlinka oder Jorma Peltonen sind mir bis heute in bester Erinnerung. Und natürlich Jaakko Marttinen, der erste Ausländer, den Zug verpflichten durfte in der ersten NLB-Saison 1974/1975.

«Als Zuger Fan hat man die EVZ-Spieler früher auch im Ausgang getroffen, etwa in der Althausbar oder im Topas.»

zentralplus: Wie hat sich die Fankultur beim EVZ seit den früheren Zeiten verändert?

Thalmann: Die Veränderungen, die ich sehe, haben mit der Professionalisierung zu tun, die in den letzten Jahrzehnten beim EVZ passiert ist. Früher war der EVZ ein ehrenamtlich geführter Dorfverein. Als Zuger Fan hat man die EVZ-Spieler auch im Ausgang getroffen, etwa in der Althausbar oder im Topas. Heute ist alles hochprofessionell und die Spieler könnten sich das nicht mehr leisten.

zentralplus: Sie haben bereits sehr viele Teamkonstellationen beim EVZ gesehen. Wie ordnen Sie das aktuelle Team ein?

Thalmann: Es ist spannend zu verfolgen, wie der EVZ den Spagat schafft, auf der einen Seite konsequent junge Spieler aus dem eigenen Nachwuchs einzubauen und sich als Ausbildungsklub zu profilieren und auf der anderen Seite trotzdem zu den Spitzenklubs zu gehören. Ich bin überzeugt, dass der Verein auf dem richtigen Weg ist und früher oder später eine Meistermannschaft haben wird, die zu einem gewichtigen Teil aus eigenen Spielern besteht. Die diesjährige Mannschaft ist jedenfalls jünger geworden, ohne an Qualität zu verlieren.

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